Stoffstrombild 2025: Kunststoffindustrie unter Druck, …

... Rahmenbedingungen bremsen die Kreislaufwirtschaft aus

Die wirtschaftliche Schwäche des Industriestandorts Deutschland hinterlässt sichtbare Spuren in der Kunststoffindustrie. Das neue „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2025“, beauftragt von der BKV GmbH, zeigt: Produktion, Verarbeitung, Verbrauch und Abfallaufkommen sind gegenüber 2023 zurückgegangen. Gleichzeitig kommt die Transformation zur Kreislaufwirtschaft nur langsam voran. Rezyklatproduktion, Rezyklateinsatz und Recyclingquote entwickeln sich zwar positiv, die Dynamik hat gegenüber früheren Erhebungszeiträumen jedoch deutlich nachgelassen.

Rund zwei Drittel (8 Millionen Tonnen) der verarbeiteten Kunststoffe gehen in langlebige Anwendung wie den Fahrzeug- und Maschinenbau, elektrische Anwendungen, Haushalts- und Sportartikel wie auch in den Hoch- und Tiefbau. In den für den Rezyklateinsatz bedeutende kurzlebigen Anwendungen wie Verpackungen und einzelne Agraranwendungen gehen ein weiteres Drittel der verarbeiteten Kunststoffe (rund 4 Millionen Tonnen).

Die Produktion von Kunststoffen auf fossiler Rohstoffbasis sank von 8,82 Millionen Tonnen im Jahr 2023 auf 8,64 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Die Verarbeitungsmenge, einschließlich des Einsatzes von Rezyklaten und der Wiederverwendung von Nebenprodukten, ging von 12,85 auf 12,22 Millionen Tonnen zurück. Der Kunststoffverbrauch in Deutschland verringerte sich von 11,25 auf 10,93 Millionen Tonnen. Erstmals seit Beginn der Erhebung sank zudem das Aufkommen von Post-Consumer-Kunststoffabfällen leicht, von 5,58 auf 5,52 Millionen Tonnen.

Kreislaufwirtschaft: Fortschritte bei deutlich geringerer Dynamik

Die Produktion von Rezyklaten aus Post-Consumer- und Post-Industrial-Abfällen stieg von 2,01 Millionen Tonnen im Jahr 2023 auf 2,05 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Davon entfielen 1,72 Millionen Tonnen auf Post-Consumer-Rezyklate. Der Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten erhöhte sich von 1,54 auf 1,66 Millionen Tonnen. Ihr Anteil an der Kunststoffverarbeitung stieg von 12,0 auf 13,6 Prozent. Insgesamt stammt inzwischen mehr als ein Fünftel der verarbeiteten Kunststoffmenge aus nicht-fossilen Quellen wie Rezyklaten oder wiederverwendeten Nebenprodukten.

Diese Entwicklung ist jedoch nicht mit robustem Wachstum gleichzusetzen. Während der Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten zwischen 2021 und 2023 um mehr als 21 Prozent zunahm, lag der Zuwachs zwischen 2023 und 2025 bei knapp acht Prozent. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund zehn Prozent im früheren und knapp vier Prozent im aktuellen Erhebungszeitraum. Die gesamte Rezyklatproduktion wuchs zwischen 2023 und 2025 lediglich um rund zwei Prozent beziehungsweise etwa ein Prozent pro Jahr. Die Zahlen weisen damit auf eine Stagnation beziehungsweise eine deutlich geringere Wachstumsdynamik hin.

Recyclingquote steigt, struktureller Druck bleibt

Die mechanische Recyclingquote für Kunststoffabfälle erhöhte sich von 37,9 Prozent im Jahr 2023 auf 39,5 Prozent im Jahr 2025. Auch die Produktion biobasierter Kunststoffe nahm auf rund 160.000 Tonnen zu. Diese Entwicklungen verbreitern die Rohstoffbasis, ändern aber nichts am Gesamtbild: Der Umbau zu einer wettbewerbsfähigen Kreislaufwirtschaft verliert an Tempo und bleibt hinter der erforderlichen Dynamik zurück.

Besonders sichtbar wird der strukturelle Druck am Rezyklatmarkt. Der Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten wächst schneller als die entsprechende Produktion in Deutschland. Rezyklate werden aber zunehmend durch günstigere Importe bedient, was den Absatz teurer heimischer Rezyklate schwächt. Ursachen für den Preisdruck sind unter anderem aufwendige bürokratische Rahmenbedingungen, die hohen Produktions-, Energie- und Standortkosten in Deutschland und Europa. Importierte und nicht immer zuverlässig, verifizierbare Rezyklate können dadurch preislich attraktiver sein als inländisch hergestellte Materialien, auch weil sie nicht zwingend unter vergleichbaren ökologischen Bedingungen erzeugt wurden. Für heimische Recycler erschwert dies die Auslastung bestehender Anlagen und Investitionen in dringend erforderliche zusätzliche Kapazitäten und Infrastrukturen.

Wettbewerbsfähigkeit ist Voraussetzung für geschlossene Kreisläufe

Das Stoffstrombild macht deutlich, dass Fortschritte bei Recycling und Rezyklateinsatz allein nicht ausreichen. Wenn Produktion und Verarbeitung in Deutschland zurückgehen und heimische Rezyklate gegenüber Importen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, geraten auch Investitionen in Sortierung, Recycling und industrielle Kreisläufe unter Druck. Verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Energie- und Produktionskosten sowie Anreize für Investitionen und Innovationen sind daher entscheidend, um die Kreislaufwirtschaft in Deutschland weiter voranzubringen.

Die Kurz- und Langfassung der Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2025“ sind auf der Website der BKV GmbH erhältlich (https://www.bkv-gmbh.de/studien.html oder https://www.bkv-gmbh.de/start.html).

Quelle: BDE

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