Rohstoffsicherheit entsteht nicht durch Abschottung

Die Circular Metal Association (CMA) warnt vor Eingriffen in den internationalen Handel mit recycelten Rohstoffen. Anlass war der Unternehmertag des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), der in Berlin unter dem Motto „Systemrelevant“ stand. Im Unternehmer-Q&A stellte sich CMA-Präsident Murat Bayram den Fragen des Moderators.

Zuvor hatte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür geworben, Europas Widerstandsfähigkeit durch Partnerschaften zu sichern und nicht durch Abschottung. Bayram knüpfte daran an. „Europas Rohstoffsicherheit entsteht nicht durch Abschottung“, sagte er. „Sie entsteht durch eine starke Recyclingwirtschaft, eine wettbewerbsfähige Industrie und funktionierende internationale Märkte.“

Die EU-Kommission prüft seit März 2025 Ausfuhrbeschränkungen für Metallschrotte und überwacht die Handelsströme. Bei Stahlschrott hat sie im Oktober 2025 verzichtet, bei Aluminiumschrott ließ sie einen geplanten Ausfuhrzoll wieder fallen.

Die eigentliche Beschränkung steht ohnehin schon im Abfallrecht: Ab dem 21. Mai 2027 verbietet die Abfallverbringungsverordnung die Ausfuhr von Metallschrotten in Nicht-OECD-Staaten. Ausgenommen sind Staaten, die auf einer Liste der EU-Kommission stehen. Sie soll bis zum 21. November 2026 vorliegen – in gut zwei Monaten.

Lokale Sammlung, internationale Märkte
Gerade bei Stahl und Metallen zeigt sich, wie eng Kreislaufwirtschaft und Welthandel zusammenhängen. Recycelte Rohstoffe werden lokal gesammelt und regional aufbereitet, gehandelt werden sie international. Wer sie über Exportbeschränkungen in Europa halten wolle, greife deshalb nicht in einen Randbereich ein, sondern in das Geschäftsmodell einer ganzen Industrie, warnte Bayram.

Getroffen würde damit eine mittelständisch geprägte Branche, wie sie für den Industriestandort Deutschland typisch ist. Die Unternehmen, die Metalle sammeln, sortieren und aufbereiten, seien überwiegend familiengeführt, viele in zweiter oder dritter Generation. Aus diesen Betrieben kämen die Investitionen in Sortier- und Aufbereitungstechnik, auf denen Europas Versorgung mit recycelten Rohstoffen beruhe.
Hinzu kommt aus Sicht der CMA, dass der Fokus auf Ausfuhrbeschränkungen zu kurz greift. Wer Europas Recyclingwirtschaft stärken wolle, müsse auch ihre Märkte stärken – und dafür sorgen, dass eine wettbewerbsfähige europäische Industrie die Rohstoffe hier nachfrage.

„Eine Exportbeschränkung kann Rohstoffe in Europa halten. Die Nachfrage danach kann sie nicht verordnen“, sagte Bayram. Eine Forderung an Brüssel: „Europa sollte Kreisläufe schließen, keine Märkte – und die Industrie stärken, die recycelte Metalle abnimmt.“

Über die Circular Metal Association (CMA)
Die Circular Metal Association ist Europas führender Branchenverband für Stahl- und Metallrecycling. Über 850 Mitgliedsunternehmen decken das gesamte Spektrum ab: von der Sammlung und Aufbereitung über den Handel bis zur Belieferung der metall- und stahlverarbeitenden Industrie. Rund 90 Prozent der am Markt tätigen Branchenunternehmen sind in der CMA organisiert. Ihre Mitglieder liefern die recycelten Rohstoffe, mit denen die europäische Industrie arbeitet — und sind damit unverzichtbarer Teil der europäischen Rohstoffindustrie. Entstanden ist die CMA aus der Fusion der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) und des Verbands Deutscher Metallhändler (VDM).

Quelle: Circular Metal Association (CMA)

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