Ein Müllwagen, der vollelektrisch angetrieben wird und aus recyceltem Material gebaut ist. Ein Scanner, der unterschiedliche Wertstoffe in einer Restmülltonne automatisch erkennt. KI-gestützte Systeme, die vor Bränden im Wagen warnen. Und Kameras, die Straßenschäden an die Gemeinde automatisch melden.
Das sind nur einige Beispiele, wie innovative Unternehmen aus Österreich die Abfallentsorgung neu denken und so zu den Vorreitern europäischer Umwelttechnologie zählen. Dadurch werden Kosten gespart, Emissionen reduziert, die Sicherheit erhöht und die Effizienz in der Abfallsammlung gesteigert.
Mehrere tausend Müllwägen sind täglich auf Österreichs Straßen unterwegs, um Abfall und Wertstoffe zu sammeln. Jedes Jahr entsorgen sie zuverlässig sieben Millionen Tonnen Siedlungsabfall, der von 31.000 Beschäftigten der Abfall- und Ressourcenwirtschaft sortiert und verwertet wird (1). Der Internationale Tag der Müllabfuhr am 17. Juni würdigt ihre Arbeit und weist auf die Bedeutung einer funktionierenden Abfallentsorgung hin.
Aus diesem Anlass fasst der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) aktuelle Trends in der Abfall- und Ressourcenwirtschaft zusammen. Gabriele Jüly, Präsidentin des VOEB: „Die Müllabfuhr der Zukunft ist elektrisch, intelligent und vernetzt. Die enormen Investitionen in Forschung und Entwicklung der letzten Jahre machen sich bezahlt und garantieren, dass die österreichische Abfallwirtschaft auch in Zukunft zu den europäischen Spitzenreitern gehören wird.“
Vollelektrischer Antrieb
Die Anbieter von Abfallsammelfahrzeugen sind sich einig: Die Müllabfuhr fährt in eine elektrische Zukunft. Konkret bedeutet das: Sowohl Antriebe als auch Aufbauten und Kippvorrichtungen wird es zunehmend vor allem in elektrischer Ausführung geben. Dank dem massiven Ausbau von Batteriekapazitäten erweitert sich die energiesparende Angebotspalette laufend, die Nachfrage steigt entsprechend. Schon heute machen die Aufträge für vollelektrisch betriebene Müllwägen die Hälfte aller Bestellungen aus, in der Schweiz sind es bereits 90 Prozent (2).
Erfahrungsberichte zeigen, dass sich E-Müllwägen aufgrund der planbaren Routen sowie der vielen Einsatzstunden bei wenig gefahrenen Kilometern und häufigem Stop- and Go-Betrieb in vielerlei Hinsicht rentieren: Die Treibstoffkosten können sich im Vergleich zu Diesel-Lkw um bis zu 50 Prozent reduzieren, die Fahrzeuge sind viel leiser und verursachen vor Ort keine unangenehmen und klimaschädlichen Emissionen (3).
Technik vorhanden, aber Politik zögert
Einziger Wermutstropfen: Die Anschaffungskosten von E-Müllwägen sind deutlich höher und rentieren sich nur langfristig. „Ein dieselbetriebenes Müllfahrzeug hat einen enormen CO2-Ausstoß. Das müssen und können wir ändern: Die Technik ist vorhanden, die Vorteile liegen auf der Hand. Es braucht noch mehr politischen Willen“, ist Jüly überzeugt. Die Branche wünscht sich bessere Rahmenbedingungen, wie einen Ausbau der Förderungen beim Einsatz von E-Müllwägen. „Von niedrigeren Kosten und weniger Emissionen profitieren alle Beteiligten: Die Gemeinden, die Bevölkerung und die Umwelt.“ Parallel zur Erneuerung der Fuhrparks investiert die Branche auch in die notwendige Infrastruktur, es entstehen High-Power-Ladeparks, die im Idealfall zu 100 Prozent mit grünem Strom betrieben werden (4).
Bessere Mülltrennung dank Störstoffscanner
Zur Müllabfuhr der Zukunft gehört auch eine bessere und sichere Mülltrennung. Noch immer landen zu viele Wertstoffe als Fehlwürfe in der falschen Tonne – von Metallverpackungen im Restmüll bis zum Plastiksackerl im Bioabfall.
Damit sich das ändert, forschte die Branche in den letzten Jahren erfolgreich an sogenannten Wert- beziehungsweise Störstoffscannern, die nicht nur mit Innovationspreisen ausgezeichnet wurden, sondern bereits im Einsatz sind: Der Abfall wird bei der Abholung auf Fremdstoffe gescannt, die erfassten Bilder blitzschnell von einer KI-Software ausgewertet, dokumentiert und dem jeweiligen Abholgebiet zugeordnet (5). Die Bürger können über eine digitale Plattform eine direkte Rückmeldung über ihre Trennqualität erhalten. Das schafft Transparenz, erhöht das Bewusstsein für eine effiziente Mülltrennung und kommt schließlich dem Recycling zugute (6). Passend dazu: Müllwägen, die zum Teil aus recycelten Materialien gebaut werden, sind stark im Kommen (7).
KI-gestützte Effizienzsteigerung
Die Branche hat bereits vor Jahren den Einsatz von künstlicher Intelligenz für sich entdeckt. Zahlreiche Unternehmen der Abfall- und Ressourcenwirtschaft setzen sich mit der Sammlung und Auswertung von KI-gestützten Live-Daten auseinander. Damit kann die Routenplanung optimiert, die Verrechnung dank Pay-per-use Modellen automatisiert und die Wartungsabläufe der Fahrzeuge effizient verwaltet werden.
KI wird auch genutzt, um Energie zu sparen: Dank intelligentem Kamerasystem wird der Pressvorgang im Ladewerk des Müllwagens nur dann ausgelöst, wenn tatsächlich genügend Material in der Beladewanne liegt. Bei gemeindeübergreifenden Touren kann dank einer integrierten Schnittstelle und eines Wiegesystems jeder Gemeinde das entsprechende Gewicht zugeordnet und verrechnet werden – und natürlich auch einzelnen Gewerbekunden (8). Weitere KI-Innovationen drehen sich um das Thema Sicherheit: KI-basierte Kamerasysteme erkennen, ob sich eine Person einem Müllwagen gefährlich nähert, um dementsprechend darauf zu reagieren oder schlagen Alarm, wenn es im Müllwagen brennt (9).
Vernetzte Gemeinde: Müllwagenkamera statt Google Street View
Die Branche ist überzeugt: Die Sammlung und Auswertung von Daten der Müllfahrzeuge wird in den nächsten Jahren enorm an Bedeutung gewinnen. „Es gibt kein Fahrzeug, dass sämtliche Straßen und Wege einer Stadt, einer Gemeinde oder eines Dorfes öfters abfährt als ein Müllwagen“, erklärt Jüly. „Wieso also nicht diese Besonderheit dazu nutzen, um dank KI-gestützter Kamera die Gemeinde bei der Erkennung von Bau- oder Straßenschäden zu unterstützen?“ Was noch nicht möglich ist: Abfallsammelfahrzeuge, die autonom fahren. Jüly: „Das Thema wird sicherlich in gewissen Gebieten seine Anwendung finden, aber dafür müssen erst die rechtlichen und geographischen Voraussetzungen geschaffen werden.“
Quelle: VOEB





