DGAW-Regionalveranstaltung: Die Zukunft der Klärschlammverwertung in Ostsachsen

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Foto: DGAW

Am 27. Juni 2019 fand im Landratsamt Bautzen die DGAW-Regionalveranstaltung zum Thema „Zukunft der Klärschlammverwertung in Ostsachsen“ statt. Eine ganz ähnliche Veranstaltung der DGAW, eine Woche zuvor in Brandenburg, konnte bereits einen enormen Teilnehmerzulauf verzeichnen.

Die Veranstaltung in Bautzen richtete sich nun an Abwasserverbände, Kläranlagenbetreiber und andere Interessierte aus Ostsachsen, die sich angesichts geänderter gesetzlicher Vorgaben über die zukünftigen Verwertungsmöglichkeiten von Klärschlamm informieren wollten.

In seinem prunkvollen Amtssitz begrüßte Landrat Michael Harig herzlich die 50 Gäste und hochkarätigen Referenten der DGAW-Veranstaltung. Er betonte die Wichtigkeit eines solchen Austausches zwischen Erzeugern, Lösungsanbietern, der Verwaltung, Politik und der Wissenschaft, um gemeinsam Strategien zum Umgang mit Klärschlamm zu entwickeln.

Der Ehrenvorsitzende der DGAW e.V., Thomas Obermeier, moderierte die Veranstaltung, stellte zunächst die DGAW vor und leitete das Thema ein.

Projekte und Forschungsaktivitäten

Hans-Dieter Kowalski, Leiter des Referats Wertstoffwirtschaft im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, stellte rechtliche Voraussetzungen zur Klärschlammverwertung und Phosphorrückgewinnung sowie die Ergebnisse der Klärschlammkonzeption im Freistaat Sachsen dar. Letztere soll noch in 2019 und inklusive Handlungsempfehlungen fertiggestellt werden. Des Weiteren zeigte er Informationsquellen zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm auf. Das Ministerium ist auch weiterhin bereit, zwischen Erzeugern und Lösungsanbietern zu moderieren, da nur wenige Kläranlagen in Ostsachsen eine kritische Größe haben, um singulär Lösungen zu erarbeiten.

Anschließend präsentierte Rolf Kaufmann, EEW Energy from Waste GmbH, langfristige Lösungen für die Klärschlammentsorgung in thermischen Verfahren/ Monoklärschlammverbrennung als Erweiterung einer thermischen Abfallverwertung am Beispiel Buschhaus. Hier wurde die Umsetzung einer vierten Linie als Investitionsmaßnahme von Politik und Öffentlichkeit breit unterstützt, sodass nach erwarteter Genehmigung noch in diesem Sommer bereits ein (Probe-)Betrieb in 2021 geplant ist. Drei weitere Standorte in Norddeutschland befinden sich in der konkreten Umsetzung, für Ostsachsen bot er den Standort Großräschen an.

Jürgen Eschment, Parforce Engineering & Consulting GmbH, stellte sein Unternehmen vor, eine Ausgründung der TU Bergakademie Freiberg, und zeigte die Möglichkeiten der Phosphorrückgewinnung mit dem patentierten Parforce-Verfahren (Phosphoric Acid Recovery From Organic Residues and Chemicals by Electrochemistry) auf: einem nasschemischen, nahezu rückstandsfreien Verfahren mit einer kostenoptimierten Zwei-Wege- P-Rückgewinnung.

Danach erläuterte Dr. Lars Leidolph, pontes pabuli GmbH, die Phosphorrückgewinnung mittels des von der pontes pabuli GmbH entwickelten Verfahrens aus Aschen der Klärschlammverbrennung. Dabei werden Verbrennungsaschen nasschemisch mittels Phosphorsäure aufgeschlossen und anschließend zu Dünger granuliert. Um die Schwermetallbelastung zu senken, bietet das Verfahren auch die Option einer Schwermetallabscheidung. Als Endprodukt entstehen standardisierte boden-und pflanzenspezifische Düngegranulate.

Ralf Strothteicher, Stadtentwässerung Dresden, gab einen Überblick über die aktuelle Situation der Klärschlammentsorgung in Dresden und Umgebung und ging auf die Konzepte der Stadtentwässerung Dresden zur künftigen Klärschlammbehandlung ein. Er beschrieb eine Studie, die über die reinen Kostenaspekte, auch die Ökologie, soziale und technologische Gesichtspunkte einer eigenen Anlage beleuchtete. Hierbei erschienen Kooperationen bei der Bündelung von Mengen, bei Ausschreibungen oder bei Gründung einer Gesellschaft zum Bau und Betrieb einer Klärschlammverbrennungsanlage grundsätzlich sinnvoll. Nach Abwägung weiterer wichtiger Aspekte und noch einiger ungeklärter Fragen hat die SEDD entschieden, die Entsorgung des Klärschlamms für einen mittel- bis langfristigen Zeitraum gegebenenfalls mit Partnern der Region auszuschreiben. Der Bau einer eigenen Anlage ist derzeit nicht geplant.

Im wissenschaftlichen Teil der Veranstaltung stellten Paula Penkert und ihre Kollegin Hannah Zeumer von der TU Dresden ihre Forschungsaktivitäten in Projekten zur stofflichen Klärschlammverwertung bei unterschiedlichen Kompostmischungen und zur P-Rückgewinnung im Rahmen des AbonoCare-Verfahrens zum Nährstoffrecycling aus organischen Reststoffen vor. Auch wurde in diesem Zusammenhang der Aufbau von „Verena“, einer Versuchsanlage zur Energetischen Nutzung von Abfällen, beschrieben.

Die Möglichkeit, am Ende Fragen mit der Referentenrunde zu diskutieren, wurde gerne genutzt, und der anschließende Mittagsimbiss gab weiter Gelegenheit zum intensiven Austausch.

Quelle: DGAW