Im Rahmen des bvse-Juniorenkreistreffens am 13. April 2026 in Berlin setzten sich die rund 30 Teilnehmenden intensiv mit der Frage auseinander, wie sich die gewerbliche Entsorgungswirtschaft durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Plattformmodelle verändern könnte.
Gastredner, Dr. Moritz Gomm, Leiter des Entsorger Circle, setzte mit seinem interaktiven Vortrag „Disruption, Dilemma & Plattform-Ökonomie – Wer gestaltet die Zukunft der gewerblichen Entsorgungswirtschaft?“ Impulse für eine gemeinsame Diskussion.
Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die Entsorgungsbranche ausreichend auf digitale Marktveränderungen vorbereitet ist. Anhand von Beispielen aus anderen Branchen zeigte Dr. Gomm auf, wie sich Wertschöpfung durch technologische Entwicklungen und digitale Plattformen verschieben kann. Dabei wurde deutlich, dass Umbrüche häufig nicht aus der Branche selbst heraus entstehen, sondern durch neue Marktteilnehmer, die digitale Zugänge, Daten und Kundenschnittstellen besetzen.
Praxisnaher Einblick in strategische Zukunftsfragen

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Übertragung solcher Entwicklungen auf die Entsorgungswirtschaft. In fiktiven Szenarien wurde skizziert, wie Plattformlogiken nach dem Vorbild von Amazon, Booking.com oder Uber auch in der Branche wirken könnten – etwa über digitale Auftragsportale, Preisvergleichsplattformen oder die algorithmische Vermittlung freier Kapazitäten. Die Diskussion machte deutlich, dass dabei vor allem der Zugang zum Kunden, die Kontrolle über Daten sowie die Margenverteilung zu strategischen Fragen werden.
Gleichzeitig wurde herausgearbeitet, warum die Entsorgungswirtschaft bislang in Teilen vor solchen Entwicklungen geschützt war. Genannt wurden unter anderem regulatorische Anforderungen, physische Infrastruktur, lokale Kundenbeziehungen, analoge Prozesse und die bisher begrenzte Attraktivität des Marktes für externe Akteure. Im Vortrag wurde jedoch ebenso betont, dass diese Schutzmechanismen zunehmend unter Druck geraten – etwa durch neue Transparenzanforderungen, Automatisierung, Fachkräftemangel, digitale Beschaffungsprozesse und den wachsenden Stellenwert von Daten in Materialströmen.
Besonders intensiv diskutierten die Teilnehmenden die Frage, wie weit die Entsorgungsbranche beim Einsatz von KI und digitalen Lösungen heute bereits fortgeschritten ist. In einem interaktiven Format konnten die Anwesenden hierzu ihre Einschätzungen einbringen, Erfahrungen schildern und gemeinsam reflektieren, welche Entwicklungen bereits sichtbar sind und welche Herausforderungen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen entstehen. Damit wurde nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch ein Raum für Meinungsbildung und Austausch geschaffen.
In einem weiteren Fokus standen die Herausforderungen mittelständischer Unternehmen. Dr. Gomm zeigte auf, dass KMU bei der Entstehung digitaler Plattformen vor besonderen Fragen stehen: Wer kontrolliert die Schnittstelle zum Kunden? Wer verfügt über die Daten? Und wie können Kooperationen gelingen, ohne an Vertrauens-, Governance- oder Kompetenzfragen zu scheitern?
Gleichzeitig wurden pragmatische Ansatzpunkte benannt, mit denen Unternehmen bereits heute beginnen können – etwa durch digitale Auftragserfassung, Kundenportale, KI-gestützte Tourenplanung, Materialerkennung oder den Aufbau standardisierter Datenschnittstellen.
Für den Juniorenkreis bot der Vortrag einen aktuellen und praxisnahen Einblick in strategische Zukunftsfragen der Branche. Der fachliche Austausch zeigte, dass Künstliche Intelligenz und Plattformökonomie nicht nur Technologiethemen sind, sondern die Marktstruktur, Wettbewerbsbedingungen und die Position von Unternehmen in der Wertschöpfungskette beeinflussen können.
Im Ergebnis waren sich die Teilnehmenden des Juniorenkreistreffens einig, dass sich die nächste Generation der Entsorgungswirtschaft frühzeitig mit diesen Veränderungen auseinandersetzen muss.
Quelle: bvse






