Unsachgemäße Kühlgeräteentsorgung: DUH setzt Herstellern Umstellungsfrist

718
Kühlschrankrecycling (Foto: ©Kroll/Recyclingportal.eu)

„Kühlgerätehersteller setzen auf Intransparenz bei der Entsorgung ihrer Geräte und lassen beauftragte Recycler sich selbst kontrollieren.“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft Bosch, Miele, Bauknecht, Liebherr und Electrolux vor, eine unsachgemäße Entsorgung ausgedienter Kühlgeräte durch unseriöse Recycler zum Zwecke der Profitmaximierung in Kauf zu nehmen. Durch die zweifelhafte Entsorgung von jährlich hunderttausenden FCKW-haltigen Kühlgeräten werde die Ozonschicht geschädigt und der Klimawandel weiter angeheizt. Nach Berechnungen der Organisation können die jährlich in Deutschland entweichenden Klimagase aus der Kühlgeräteentsorgung die Atmosphäre so stark belasten wie umgerechnet eine Million Tonnen Kohlendioxid.

Vor dem Hintergrund neuer Forschungsergebnisse zum besorgniserregenden Zustand der Ozonschicht und dem beschleunigten Klimawandel fordert die DUH in einem persönlichen Schreiben an die verantwortlichen Geschäftsführer der fünf großen deutschen Kühlgerätehersteller Karsten Ottenberg (Bosch), Jens-Christoph Bidlingmaier (Bauknecht), Brian Fogh (Electrolux), Andreas Böhm und Kristian Koch (beide Liebherr) sowie Markus Miele und Reinhard Zinkann (beide Miele) echten Klimaschutz und die Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Entsorgung alter Kühlgeräte; „Sie tragen persönlich die Verantwortung für Umweltschäden durch unsachgemäße Entsorgungspraktiken.“

Umsetzung durch Auditberichte glaubhaft belegen  

Die DUH fordert von den Geschäftsführern, den beauftragten Recyclern international anerkannte Entsorgungsnormen nicht nur auf dem Papier vorzuschreiben, sondern deren Einhaltung durch eine konsequente und unabhängige Kontrolle sicherzustellen. Doch genau dies geschieht nach Einschätzung der DUH bislang nicht. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband wirft den Kühlgeräteherstellern deshalb vor, internationale Bemühungen zum Schutz der Ozonschicht und des Klimas durch eine rein auf Profit ausgerichtete Unternehmenspolitik zu torpedieren.

„Wir nehmen nicht länger hin, dass ausgediente Kühlgeräte unsachgemäß entsorgt werden, nur um pro Gerät einige paar Euro mehr Gewinn zu machen. Wir haben den Geschäftsführern unseren Kenntnisstand ihrer klimapolitischen Fehlleistungen mitgeteilt und diese aufgefordert, die Umsetzung vorbildlicher europäischer Entsorgungsstandards umgehend sicherzustellen. Hierzu müssen die beauftragten Recycler an die Kandare genommen und kontrolliert werden. Wenn dies bis Herbst nicht durch Auditberichte glaubhaft belegt wird, dann werden wir mit ‚kreativen Aktionen‘ gegen das schmutzige Entsorgungsgeschäft vorgehen“, kündigt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch an.

Nach dem gesetzlich vorgegebenen Stand der Technik müssen aus alten Kühlgeräten mindestens 90 Prozent der enthaltenen Treibhausgase entnommen werden. Tatsächlich sind es – nach Kenntnisstand – in deutschen Recyclinganlagen aber deutlich weniger, da viele Anlagen FCKW aus der Isolierung der Kühlgeräte nur unzureichend zurückgewinnen und bei der Mengenermittlung fälschlich Wasser als FCKW werten.

Vollständige Prüfungen auf Basis der EU-Standards

Die DUH fordert die Hersteller Bosch, Miele, Bauknecht, Liebherr und Electrolux dazu auf, die europäischen Entsorgungsstandards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 den Recyclern bei der Kühlgerätebehandlung vorzugeben und deren Umsetzung wirksam zu kontrollieren. Hierfür sind vollständige Prüfungen auf Basis der EU-Standards durch extern beauftrage neutrale Prüfer zwingend erforderlich. Darüber hinaus sollten die Auditberichte veröffentlicht werden, damit unplausible Prüfergebnisse entdeckt werden können. Doch genau dies geschieht ebenfalls nicht.

„In seinen Nachhaltigkeitsberichten brüstet sich der Kühlgerätehersteller Bosch mit seinem Umweltengagement. Mit der Realität hat das wenig zu tun, denn die Entsorgungspraxis in Deutschland gehört zur schlechtesten in ganz Europa. Die Kühlgerätehersteller sind nicht bereit, Auditberichte beauftragter Recycler offenzulegen und setzen stattdessen auf Intransparenz. Deutschlands führende Kühlgeräteproduzenten haben scheinbar kein Interesse an einer guten Entsorgung nach dem Stand der Technik“, kritisiert der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

Auch nach mehrmaligen gezielten Nachfragen der DUH verweigerte beispielsweise der Marktführer Bosch den Nachweis, dass die beauftragten Recycler Kühlgeräte unter vollständiger Einhaltung der europäischen Entsorgungsstandards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 oder deren Vorgängernormen verwerten. Besonders scharf kritisiert die DUH die bisherige Verfahrensweise, dass sich die von Kühlgeräteherstellern beauftragten Recyclingunternehmen ihre Prüfer zur Auditierung von Entsorgungsnormen selbst aussuchen dürfen. „Niemand käme auf die Idee, einen Autofahrer sich selbst auf Alkohol kontrollieren zu lassen. Doch nach genau diesem Prinzip wird bei der Auditierung zur Einhaltung von Entsorgungsnormen verfahren“, stellt Resch fest. „Die Kühlgeräterecycler dürfen sich ihre eigenen Prüfer auswählen. Die Gerätehersteller akzeptieren dieses Verfahren. Ganz offenkundig interessiert diese vor allem ein möglichst niedriger Entsorgungspreis und nicht die Qualität sowie der Umweltschutz.“

Quelle: Deutsche Umwelthilfe