Reifen aus nachhaltigen Materialien – das hat Reifenhersteller Michelin vor

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Petra Hoeß, Fabion Markt + Medien / abfallbild.de

Auf der „Movin’on 2018“ Fachveranstaltung zum Thema „Nachhaltige Mobilität“ in Montreal kündigte Michelin ein umfangreiches Forschungs- und Investitionsprogramm an: Bis zum Jahr 2048 sollen die Reifen des französischen Herstellers zu 80 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und zu 100 Prozent recycelbar sein.

Das World Business Council for Sustainable Development schätz, dass dieses Jahr weltweit eine Milliarde Altreifen mit einem Gewicht von 25 Millionen Tonnen anfallen. Pro Jahr werden nach Kenntnisstand 70 Prozent der Altreifen zurückgenommen und 50 Prozent für verschiedenste Verwendungen recycelt, wie etwa Sportbodenbeläge. Rund 20 Prozent werden zur Energiegewinnung verbrannt.

Wie Michelin mitteilt, werden derzeit in der Reifenproduktion des Herstellers nachhaltige Materialien zu 28 Prozent eingesetzt. Den größten Anteil machen hier nachwachsende Rohstoffe aus: Naturkautschuk, Sonnenblumenöl und zum Beispiel auch Limonen, ein Naturstoff aus der Gruppe der Terpene, der in Zitronen-, Orangen- und weiteren Pflanzenölen enthalten ist. Recyclingmaterialien, unter anderem Stahl und Gummipulver aus Altreifen, werden den Angaben nach zu zwei Prozent verwendet.

Auf der „Movin’on 2018“ Fachveranstaltung zum Thema „Nachhaltige Mobilität“ in Montreal kündigte Michelin ein umfangreiches Forschungs- und Investitionsprogramm zusammen mit Partnern an. Bis zum Jahr 2048 sollen die Reifen des französischen Herstellers zu 80 Prozent aus nachhaltigen Materialien beziehungsweise nachwachsenden, biologischen Rohstoffen bestehen und zu 100 Prozent recycelbar sein. Als Beispiel wurde die Produktion von synthetischem Kautschuk aus Biomasse (Holz, Stroh oder Rüben) genannt. Das Projekt starte bereits 2012, involviert sind die Unternehmen Axens und IFP Energies Nouvelles.

Substitution in großem Stil

Michelin investiert schon länger in die Entwicklung von Rezyklat-Materialien für Reifen. Zu diesem Zweck wurde das auf Hightech-Mikropulver (Micronized Rubber Powder, MRP) spezialisierte Unternehmen Lehigh mit Sitz in Tucker im US-Bundesstaat Georgia übernommen. MRP wird aus wiederverwerteten Altreifen gewonnen. Die Anlagen-Jahreskapazität bei Lehigh beträgt 54.000 Tonnen. Materialien auf Basis von Erdöl und Synthesekautschuk, wie sie in High-Performance-Reifen, Beschichtungen, Versiegelungen, Baumaterialien und Asphalt vorhanden sind, können dadurch substituiert werden. Und das in großem Stil und zum Schutz der Umwelt, so Michelin. Zudem ließen sich durch MRP die Rohstoffkosten um bis zu 50 Prozent reduzieren.

Bislang hat der Reifenhersteller die fünf Produktlinien PolyDyneTM, MicroDyneTM, EkoDyneTM, RheopaveTM und ZenoflexTM am Markt, der ausgebaut werden soll. So hat Lehigh zusammen mit der spanischen Hera Holding das Joint Venture Lehigh Spain mit Sitz in Barcelona gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen errichtet gerade in Murillo el Fruto die erste Lehigh-Fertigungsstätte außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Betrieb soll noch diesen Sommer aufgenommen werden.

Ein weiteres, 2013 gelaunchtes Forschungsprojekt entwickelt eine technologische Wertstoffkette. Dabei werden Altreifen in Synthesegas (Syngaz) umgewandelt, aus dem anschließend durch einen Gärprozess Alkohol gewonnen wird. Dieser Alkohol wird in die französische Verwertungskette BioButterfly einfließen. Er soll aus Biomasse – wie beispielsweise Zucker, Holz und landwirtschaftliche Abfälle – gewonnene Alkohole bei der Herstellung von Butadien ergänzen.

Quellen: Michelin und bvse