DUH kritisiert Kaffeekapsel-Hersteller: Immer mehr Müll und wenig Recycling

598
Kaffeekapseln (Foto: ralfor / Pixabay)

Berlin — Der 3,1 Milliarden Kaffeekapseln jährlich verursachen in Deutschland 8.000 Tonnen Verpackungsabfall aus Kunststoff, Aluminium und Papier. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert Hersteller von Kaffeekapseln wie den Marktgiganten Nestlé für die Produktion von immer mehr Verpackungsmüll, der zum großen Teil nicht recycelt werde. Besonders dreist sei das Greenwashing mit „biologisch abbaubaren Kaffeekapseln“, die zu Unrecht als umweltfreundlich beworben werde.
 
Im Vergleich zu 2014 wurde in 2016 knapp 20 Prozent mehr Röstkaffee in Kaffeekapseln verbraucht. Nach Einschätzung der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation ist dies ein besorgniserregender Trend, der durch fragwürdige Aussagen zum Recycling von Aluminiumkapseln und zur vermeintlichen Nachhaltigkeit von biologisch abbaubaren Kapseln verstärkt wird.

An unverschämt hohen Preisen verdienen

Zwar seien bereits Automaten zur Wiederbefüllung von Mehrwegkapseln in der Entwicklung und schon heute könnten Verbraucher wiederverwendbare Edelstahlkapseln nutzen. Die Entwicklung und Anwendung dieser Mehrwegalternativen werde von den Herstellern der Einwegkapseln aber ignoriert und bekämpft, weil sie vor allem an den „unverschämt hohen Preisen ihrer Wegwerfkapseln“ gut verdienen. Nach Auffassung der DUH müssen Nestlé & Co. auf wiederbefüllbare Mehrwegkapselsysteme umstellen. Die DUH empfiehlt darüber hinaus für einen abfallarmen Kaffeegenuss die Nutzung von Aufbrühsystemen ohne Filter oder klassischen Maschinenkaffee.

„Wir haben nachgemessen: Für die Verpackung von einem Kilo Kaffee in Kapseln verbraucht der Marktgigant Nestlé rund 170 Gramm Aluminium. Damit mutieren die mit George Clooney beworbenen Kaffeekapseln zum Sinnbild einer dekadenten Wegwerfgesellschaft. Die bunten, auf edel getrimmten Einwegkapseln sind wahre Ressourcenfresser; sie belasten das Klima und die Umwelt. Den Industrieunternehmen verschaffen die Kapseln Milliardengewinne. Wir brauchen ein Ende von Einweg und eine Rückbesinnung auf Abfallvermeidung und Mehrweg – gerade auch beim Kaffee“, fordert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Von wegen „biologisch abbaubar“

Besonders ärgerlich ist nach Ansicht der DUH die Werbung mit so genannten „biologisch abbaubaren Kaffeekapseln“, die zu Unrecht als umweltfreundlich beworben werden. „Es ist schlichtweg nicht wahr, wenn behauptet wird, Kaffeekapseln seien wegen deren biologischer Abbaubarkeit umweltfreundlich. Für deren Herstellung müssen zumeist Nutzpflanzen angebaut werden und der schnelle biologische Abbau funktioniert meist nur unter labortechnischen Bedingungen, aber nicht in der Umwelt. Biologisch abbaubare Kaffeekapseln verändern nichts an einem unnötigen, abfallintensiven und klimabelastenden Verpackungssystem“, sagt Thomas Fischer, Leiter der DUH-Kreislaufwirtschaft. Versprechungen wie ‚ökologisch‘, ‚biologisch‘ oder ‚abbaubar‘ sollen Verbraucher dazu verführen, sich mit gutem Gefühl für abfallintensive und klimaschädliche Kleinstverpackungen zu entscheiden.

„Mit der Entsorgung biologisch abbaubarer Kaffeekapseln in der Biotonne gibt es große Probleme. Kompostierer können nicht unterscheiden, ob es sich um normales Plastik oder Biokunststoff handelt und sortieren Störstoffe meist von vornherein aus, um diese anschließend in Verbrennungsanlagen entsorgen zu lassen“, erklärt Fischer. Bei den meisten von der DUH gefundenen Kapselsystemen bezieht sich die Zertifizierung als „biologisch abbaubar“ auf bestimmte industrietechnische Bedingungen, die in der Natur und auch in vielen Kompostanlagen nicht gegeben sind.

Kein Aluminium-Kreislauf

Werden hingegen biologisch abbaubare Kaffeekapseln von Verbrauchern in der gelben Tonne entsorgt, könnten diese derzeit nicht korrekt aussortiert werden und landeten in der Abfallverbrennung. Aufgrund vieler Verunreinigungen in der Aluminiumfraktion (u.a. Kaffeesatz, Lacke, Restinhalte, Fehlsortierungen, Verbundmaterialien) wird diese üblicherweise mit einer Pyrolyse vorbehandelt. „Beim Recyclingvorgang von Aluminium können die Materialverluste durch die Verfahrensschritte der Pyrolyse und Schmelze ganz erheblich sein und schnell 20 Prozent oder mehr betragen. Besonders problematisch an Kaffeekapseln aus Aluminium ist zudem, dass sie derzeit aus neuem Aluminium hergestellt und aus alten Kapseln keine neuen hergestellt werden. Der unendliche Recyclingkreislauf von Aluminiumkaffeekapseln ist ein Märchen“, kritisiert Fischer.

Ein DUH-Papier, das über die Mythen zu Biokunststoffen aufklärt, kann unter duh.de(1) heruntergeladen werden. Weitere Informationen zum Thema Kaffeekapseln stehen unter duh.de(2) zur Verfügung.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe (DUH) e.V.