Indium, Kobalt, Gallium oder Seltene Erden: r4-Projekte stellen erste Ergebnisse vor

2008
Quelle: Clausthaler Umwelttechnik-Institut GmbH (CUTEC)

Clausthal-Zellerfeld — Wirtschaftsstrategische Rohstoffe wie Indium, Gallium oder Seltene Erden sind knapp. Für Zukunftstechnologien und die Energiewende in Deutschland spielen diese aber eine entscheidende Rolle. Ziel der BMBF-Fördermaßnahme r4 ist es, wirtschaftsstrategische mineralische Primär- und Sekundär-Rohstoffe in Deutschland zu erschließen und den Hightech-Standort zu sichern. Zwischenergebnisse ihrer Projekte stellen die Forscher zurzeit auf einer BMBF-Konferenz vor, die das CUTEC Clausthaler Umwelttechnik Forschungszentrum ausgerichtet hat.

Die Wissenschaftler von insgesamt 40 geförderten Projekten arbeiten an Verfahren, um die Rohstoffbasis für Zukunftstechnologien in der Elektromobilität, Energiewende und Industrie 4.0 zu sichern. Gemeinsam mit industriellen Partnern haben sie erstmals Potenziale an wertvollen Hightech-Ressourcen in heimischen Lagerstätten und industriellen Reststoffen erfasst bzw. arbeiten an Technologien, diese zu gewinnen. Die werden vom Bundesforschungsministerim gefördert.

Mit diesen Forschungsvorhaben wollen die Beteiligten zu einer sicheren, importunabhängigeren Versorgung Deutschlands mit Hightech-Rohstoffen beitragen. Sie erschließen nachhaltig und umweltschonend wirtschaftsstrategische Ressourcen wie Indium, Gallium, Kobalt und Seltene Erden aus heimischen Lagerstätten, durch Recycling aus Abfallprodukten und durch Kreislaufführung. Gefördert werden sie im Zeitraum von 2015 bis 2019 mit insgesamt 60 Millionen Euro. Die Hälfte der Projekte steht bereits kurz vor dem Abschluss.

UPNS4D+, Desmex, Rewita und LanTex

Dazu gehört das Vorhaben „UPNS4D+”: Darin erfassen autonome Fahrzeuge – ausgestattet mit 3-D-Sensoren, Kameras und Radar – für Menschen unzugängliche natürliche Rohstoffvorkommen. Sie können weitere Fahrzeuge für den autonomen Abbau steuern. Eine andere Technologie, die des Projekts „Desmex”, ermöglicht es, erstmals Erzvorkommen in einer Tiefe bis zu einem Kilometer zu erkunden, und zwar per Hubschrauber und mit elektromagnetischen Verfahren.

Im Projekt „Rewita” haben insbesondere auch Clausthaler Wissenschaftler rund 40 Tonnen Indium und 1300 Tonnen Kobalt im Abraum des einstigen Erzbergwerks Rammelsberg (Goslar) gefunden. Derzeit bereiten sie die Technologie für den umweltverträglichen Abbau der seltenen Hightech-Rohstoffe vor. Allein aus dem Indium könnten 160 Millionen LCD-Fernseher produziert werden, aus dem Kobalt bis zu 200 Millionen Smartphones.

Wertvolles Rohstoff-Potenzial birgt auch die Kreislaufführung. Forscher des Projekts „Lan-Tex” etwa haben ein neues Textil entwickelt, das Lanthan aus industriellem Abwasser filtert. Damit wird die Seltene Erde Lanthan erstmals erneut nutzbar für die Katalysatoren-Produktion, die zur Erdöl-Raffination nötig ist. Das recycelte Antimontrioxid des Projektes „AddResources” wirkt sogar besser als das Original. Kunststoffe mit dem wiederverwendetem Material schnitten in Tests in Bezug auf Flammschutz besser ab.

Insgesamt 40 Projekte

Die insgesamt 40 Forschungsteams erarbeiten Technologien und Lösungen in folgenden vier Bereichen: Suche und Erkunden von Primärrohstoffen, Gewinnen und Aufbereiten von Primärrohstoffen, Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen sowie Kreislaufführung von Altprodukten. Detaillierte Einblicke in alle Projekte und deren Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse finden sich in der Publikation „Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – Forschung zur Bereitstellung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe (r4) – Zwischenergebnisse”, die das CUTEC Clausthaler Umwelttechnik Forschungszentrum der TU Clausthal im Auftrag des BMBF zu dieser 2. Statuskonferenz herausgibt.

Weitere Informationen sind unter fona.de und r4-innovation.de erhältlich.

Quelle: Technische Universität Clausthal