Neue Studie von waste:research analysiert Abfallmengen, Kapazitäten und Investitionsbedarf bis 2050.
Der Markt für die thermische Abfallverwertung steht vor einer doppelten Herausforderung: Ein Teil des Anlagenparks erreicht ein hohes Alter und erfordert Modernisierungs- oder Ersatzinvestitionen; zugleich verändern Kreislaufwirtschaft, Kohleausstieg und neue Projekte die Mengen- und Kapazitätsstrukturen. Ob daraus regional knappe oder überschüssige Behandlungskapazitäten entstehen, hängt vor allem von der Entwicklung der verfügbaren Restabfallmengen (insbesondere auch Gewerbeabfälle und Importe) sowie der Verfügbarkeit der alternden Anlagen ab. Die Studie untersucht diese Zusammenhänge in vier Szenarien bis 2050 und zeigt, welche Folgen sich für Auslastung, Preise und Investitionen ergeben können.
Markt vor großen Herausforderungen
Der Markt für die thermische Abfallverwertung in Deutschland steht vor weitreichenden Veränderungen. Einerseits ist ein großer Teil des bestehenden Anlagenparks vergleichsweise alt und muss in den kommenden Jahren modernisiert, ersetzt oder an neue Anforderungen angepasst werden. Andererseits verändern Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung, Recycling und der Kohleausstieg die verfügbaren Abfallmengen und thermischen Behandlungskapazitäten.
Die achte Auflage der Studie „Waste-to-Energy 2050“ von waste:research untersucht, wie sich diese Entwicklungen bis 2050 auf den Markt auswirken können. Im Mittelpunkt stehen vier Szenarien, die unterschiedliche Entwicklungen von Abfallaufkommen, Entsorgungswegen, Kapazitäten, Preisen und Investitionen abbilden.
Alter Anlagenpark trifft auf neue Kapazitäten
In Deutschland werden derzeit rund 67 Müllheizkraftwerke mit einer Kapazität von etwa 22 Millionen Tonnen pro Jahr sowie 35 Ersatzbrennstoffkraftwerke mit einer zusätzlichen Kapazität von rund acht Millionen Tonnen pro Jahr betrachtet. Der Anlagenpark weist dabei deutliche Altersunterschiede auf: Während die Müllverbrennungsanlagen im Durchschnitt rund 40 Jahre alt sind, liegt das Durchschnittsalter der Ersatzbrennstoffkraftwerke bei etwa 16 Jahren.
Vor allem bei älteren Anlagen stellen sich damit Fragen nach Modernisierung, Ersatzbau, Effizienzsteigerung und langfristiger Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig verändern sich durch den Kohleausstieg die Möglichkeiten der Mitverbrennung. Kapazitäten in Kohlekraftwerken fallen schrittweise weg, während Abfallverwertungsanlagen an Bedeutung für die Strom- und Wärmeversorgung gewinnen können.
Parallel dazu werden neue thermische Behandlungskapazitäten geplant oder realisiert. Die aktuell bekannte Kapazität der relevanten Neubau-, Ersatzbau- und Erweiterungsprojekte liegt bei rund 2,3 bis 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Ein Schwerpunkt der Projekte befindet sich in Ostdeutschland. Zu den Vorhaben zählen unter anderem Projekte in Berlin, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern.
Künftige Mengen bestimmen den Kapazitätsbedarf
Ob aus den geplanten Projekten tatsächlich ein Überangebot entsteht, hängt wesentlich von der Entwicklung des Abfallaufkommens ab. Das Siedlungsabfallaufkommen in Deutschland liegt seit mehreren Jahren bei rund 50 Millionen Tonnen jährlich. Nach einem Höchststand im Jahr 2016 sind die Mengen zuletzt leicht zurückgegangen; zugleich ist das angestrebte Ziel einer deutlichen Reduzierung des Aufkommens bis 2030 angesichts der bisherigen Entwicklung ambitioniert. Dabei spielt insbesondere die Frage der weiteren Umsetzung der Gewerbeabfallverordnung eine Rolle: sollte diese endlich umgesetzt werden können, wird es zu einem deutlichen – auch konjunkturunabhängigen – Rückgang dieser Mengen und damit auch der Gesamtmengen führen.
Generell ist für die thermische Abfallverwertung insbesondere relevant, wie sich Restabfälle, Gewerbeabfälle und nicht stofflich verwertbare Fraktionen entwickeln. Eine konsequente Umsetzung von Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling würde die verfügbaren Mengen für die thermische Behandlung reduzieren. Bleiben Abfallmengen dagegen aufgrund begrenzter Recyclingfortschritte, hoher Wirtschaftstätigkeit oder einer weiterhin starken Nutzung kurzlebiger Produkte auf hohem Niveau, bleibt auch der Bedarf an thermischen Behandlungskapazitäten größer. Damit verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend von der reinen Anlagenverfügbarkeit hin zur Sicherung geeigneter Abfallströme und langfristiger Auslastung.
Vier Szenarien zeigen unterschiedliche Marktperspektiven
Die Studie entwickelt vier Szenarien für die Marktentwicklung bis 2050:
• „Thermik Plus“: Hohe Abfallmengen und knappe Verbrennungskapazitäten schaffen einen attraktiven Markt. Die thermische Verwertung bleibt die dominierende Form der Restabfallbehandlung. Hohe Auslastung führt zu Modernisierungen, Ersatzbauten und zusätzlichen Neubauprojekten.
• „Verwertung und Wärme“: Die Abfallmengen stagnieren oder gehen nur leicht zurück. Gleichzeitig gewinnt die Nutzung von Abfall als heimischem Energieträger an Bedeutung. Anlagen an geeigneten Energie- und Wärmestandorten werden aufgerüstet und stärker in Wärmeversorgungssysteme integriert.
• „Strukturwandel“: Das Abfallaufkommen sinkt moderat, während der Wettbewerb zunimmt. Investitionen konzentrieren sich vor allem auf Effizienz, Digitalisierung und die Modernisierung bestehender Anlagen. Neubauprojekte werden selektiver umgesetzt.
• „Kreislaufwirtschaft Plus“: Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling werden konsequent ausgebaut. Die Restabfallmengen gehen deutlich zurück, wodurch im Markt Überkapazitäten entstehen können. Ältere und wirtschaftlich nicht mehr wettbewerbsfähige Anlagen werden schrittweise stillgelegt.
Die Szenarien verdeutlichen: Nicht die Entwicklung der Anlagenkapazitäten allein entscheidet über die Marktperspektive. Maßgeblich ist das Verhältnis zwischen verfügbaren Abfallmengen, thermischen Behandlungskapazitäten, regionaler Verteilung und der Einbindung der Anlagen in Energie- und Wärmesysteme.
Regionale Überkapazitäten möglich
In den Szenarien mit sinkenden Abfallmengen kann die gleichzeitige Realisierung mehrerer Projekte zu regionalen Überkapazitäten führen. Besonders relevant ist dabei, dass thermische Behandlungskapazitäten und Abfallaufkommen nicht gleichmäßig über Deutschland verteilt sind.
Ein Überangebot würde den Wettbewerb um Abfallströme verstärken und könnte zu sinkenden Entsorgungspreisen führen. Im Szenario „Kreislaufwirtschaft Plus“ gehen die Preise für kommunale Siedlungsabfälle bis 2050 deutlich zurück. Im Szenario „Strukturwandel“ bleiben sie dagegen in etwa stabil. Bei hohen Abfallmengen oder einer stärkeren Nutzung von Abfall zur Energie- und Wärmeversorgung sind auch steigende Preise und eine höhere Investitionsbereitschaft möglich.
Neben den Mengen- und Kapazitätsentwicklungen gewinnen zudem die CO₂-Kosten an Bedeutung. Die Einbeziehung der Abfallverbrennung in den nationalen Emissionshandel erhöht den Kostendruck und verstärkt den Transformationsbedarf. Technologien zur CO₂-Abscheidung und -Nutzung beziehungsweise -Speicherung können insbesondere für größere und langfristig wettbewerbsfähige Anlagen an Bedeutung gewinnen.
Investitionen hängen von Abfallmengen und Wärmenutzung ab
Die Investitionsperspektiven unterscheiden sich zwischen den Szenarien erheblich. Im Szenario „Thermik Plus“ fallen die kumulierten Investitionen bis 2050 am höchsten aus, da hohe Abfallmengen und knappe Kapazitäten einen anhaltenden Bedarf an Neubau, Ersatzbau und Modernisierung schaffen.
Auch im Szenario „Verwertung und Wärme“ bleibt das Investitionsniveau hoch. Ausschlaggebend ist hier vor allem die stärkere Integration der thermischen Abfallverwertung in die Energie- und Wärmeversorgung. Im Szenario „Strukturwandel“ fällt der Investitionsbedarf moderater aus. Im Szenario „Kreislaufwirtschaft Plus“ führen sinkende Abfallmengen und der geringere Bedarf an thermischen Kapazitäten zu den niedrigsten kumulierten Investitionen.
Für Betreiber, Kommunen, Entsorgungsunternehmen, Anlagenbauer und Finanzierungspartner wird daher entscheidend sein, Projekte stärker auf ihre regionale Einbindung, die langfristige Verfügbarkeit geeigneter Abfallströme sowie ihre Energie- und Wärmeerlöse auszurichten.
Studie analysiert Marktentwicklung bis 2050
Die Studie „Waste-to-Energy 2050“ basiert auf einer umfassenden Marktanalyse, strukturierten Experteninterviews sowie der Auswertung von Stoffströmen, Preisentwicklungen, Projektclippings und technischen Daten. Sie untersucht den deutschen Markt für thermische Abfallbehandlung und Ersatzbrennstoffkraftwerke, relevante Neubau- und Erweiterungsprojekte sowie die Entwicklung von Abfallmengen, Entsorgungswegen, Preisen und Investitionen.
Die achte Auflage der Studie umfasst knapp 600 Seiten und enthält detaillierte Daten, Szenarien und Analysen für Betreiber, Kommunen, Entsorgungsunternehmen, Anlagenbauer, Technologieanbieter, Investoren, Energieversorger und weitere Marktakteure.
Die Studie „Waste-to-Energy 2050“ ist ab sofort zum Preis von 6.900,00 Euro zzgl. Mehrwertsteuer unter www.trendresearch.de oder per E-Mail an info@trendresearch.de erhältlich.
Quelle: waste:research / trend:research GmbH



