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EU-Umfrage: Wachsende Sorgen verstärken den Ruf nach europäischem Handeln

In einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen haben die Bürgerinnen und Bürger immer größere Zukunftssorgen und erwarten von der EU ein geschlossenes und ambitioniertes Handeln.

Die am Mittwoch (4. Februar 2026) veröffentlichten Ergebnisse der jüngsten Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments zeigen, dass die globalen Entwicklungen bei den EU-Bürgerinnen und -Bürgern Besorgnis auslösen. Weltpolitische Turbulenzen wirken sich stark auf das Meinungsbild in Europa aus. Mehr als die Hälfte der Befragten (52 %) sagt, sie sähen die Zukunft der Welt pessimistisch, 39 Prozent sind pessimistisch, was die Zukunft der EU betrifft, und 41 Prozent blicken pessimistisch in die Zukunft ihres Landes. Auf individueller Ebene ergibt sich ein positiveres Bild: Mehr als drei Viertel der Europäerinnen und Europäer (76 %) sind optimistisch, was ihre eigene Zukunft und die Zukunft ihrer Familie betrifft.

Die Herausforderungen sind vielfältig, wie die Ergebnisse der Umfrage bestätigen. Das Thema Sicherheit und Gefahrenabwehr bereitet durchgängig große Sorgen. Am häufigsten nennen die Befragten hier Konflikte im Umfeld der EU (72 %), Terrorismus (67 %), Cyberangriffe aus Drittstaaten (66 %), vom Klimawandel verschärfte Naturkatastrophen (66 %) und unkontrollierte Migrationsbewegungen (65 %). Sehr bedenklich finden viele aber auch Gefahren im Kommunikationsbereich, etwa Desinformation (69 %), Hetze on- und offline (68 %), mit künstlicher Intelligenz erzeugte gefälschte Inhalte (68 %), unzureichenden Datenschutz (68 %) oder Bedrohungen der Meinungsfreiheit (67 %).

Forderung nach geeintem Europa

Angesichts der zahlreichen Herausforderungen wollen die EU-Bürgerinnen und -Bürger, dass sich die Union stärker einbringt. Zwei Drittel der Befragten wollen, dass sich die EU stärker daran beteiligt, ihre Sicherheit zu gewährleisten – ein deutliches Zeichen für die Schutzrolle der EU im aktuellen politischen Kontext. Auch Einigkeit ist den Befragten sehr wichtig: 89 Prozent von ihnen sind der Meinung, dass die EU-Mitgliedstaaten geschlossener auftreten sollen, und 73 Prozent denken, dass die Europäische Union mehr Mittel benötigt, um gegen die aktuellen Probleme auf der Welt vorzugehen. Um ihre Position in der Welt zu stärken, sollte die EU nach Ansicht der Befragten den Schwerpunkt vor allem auf Verteidigung und Sicherheit (40 %), Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaft und Industrie (32 %) sowie Energieunabhängigkeit (29 %) legen.

„Geopolitische Spannungen prägen das tägliche Sicherheitsgefühl der Europäerinnen und Europäer. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten von der Europäischen Union, dass sie schützt, vorsorgt und geschlossen handelt. Genau das muss ein stärkeres und selbstbewussteres Europa leisten. Europa ist unser wichtigster Schutzschild“, sagte die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola.

Lebenshaltungskosten stehen ganz oben

Die hohen Preise wirken sich nach wie vor auf den Lebensstandard der Bevölkerung aus. Inflation, Preissteigerungen und Lebenshaltungskosten stehen mit 41 Prozent erneut an der Spitze der Prioritäten, die das Europäische Parlament nach Ansicht der Befragten angehen soll. Knapp dahinter rangieren Wirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen (35 %), fünf Prozentpunkte höher als im Mai 2025.

Zwar erwarten die meisten Befragten, dass ihr Lebensstandard in den nächsten fünf Jahren stabil bleibt, doch geht ein erheblicher Teil (28 %) auch davon aus, dass er zurückgeht – vor allem in Ländern, in denen die wirtschaftliche Unsicherheit spürbarer ist. Dass ihr Lebensstandard sinken wird, denken vor allem Befragte aus Frankreich (45 %), Belgien und der Slowakei (jeweils 40 %). Auf europäischer Ebene erwarten die Bürgerinnen und Bürger, dass sich die EU auf die Stärkung ihrer Position in der Welt konzentriert, insbesondere durch einen stärkeren Fokus auf Verteidigung und Sicherheit (40 %, ein Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber der letzten Umfrage).

Gleichzeitig bekräftigen die Bürgerinnen und Bürger die Bedeutung grundlegender und konstituierender Werte. Frieden erweist sich als der Wert, den das Europäische Parlament ihrer Ansicht nach am stärksten verteidigen sollte (52 %), was das aktuelle geopolitische Klima widerspiegelt. Verteidigt werden sollten auch die Demokratie (35 %), Redefreiheit (23 %), Menschenrechte (22 %) und Rechtsstaatlichkeit (21 %).

Unterstützung für Mitgliedschaft in der EU nimmt zu

Die Einstellung zur EU und ihren Institutionen bleibt trotz leichter Rückgänge seit Mai 2025 insgesamt positiv. Eine relative Mehrheit hat ein positives Bild von der EU (49 %, -3 Prozentpunkte), während nur 17 Prozent ein negatives Bild äußern. Auch das Europäische Parlament wird überwiegend positiv wahrgenommen: 38 Prozent haben ein positives Bild (-3 Prozentpunkte), gegenüber lediglich 20 Prozent, die ein negatives Bild angeben. Eine solide und wachsende Mehrheit der Befragten hält die EU-Mitgliedschaft ihres Landes für vorteilhaft (62 %). Das entspricht einem Anstieg um zwei Prozentpunkte, seit diese Frage im Februar/März 2024 zuletzt gestellt wurde.

Aus soziodemografischer Sicht gehören junge Menschen nach wie vor zu den engagiertesten Unterstützern der EU und verbinden hohe Erwartungen mit ihrer Rolle. Junge Bürgerinnen und Bürger zwischen 15 und 30 bewerten die EU und das Parlament häufiger positiv als ältere Altersgruppen: 58 Prozent haben ein positives Bild von der EU (gegenüber 49 bis 43 % in den älteren Altersgruppen), und 68 Prozent wünschen sich eine stärkere Rolle des Europäischen Parlaments (gegenüber 58 bis 54 %). Sehr viel Zustimmung gibt es bei jüngeren Befragten für mehr Geschlossenheit unter den Mitgliedstaaten im aktuellen Kontext (90 %), mehr Mittel für die Europäische Union (78 %) sowie eine stärkere Stimme der EU auf internationaler Ebene (87 %).

Hintergrundinformationen

Für die Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments vom Herbst 2025 befragte das Meinungsforschungsinstitut Verian vom 6. bis zum 30. November 2025 Bürgerinnen und Bürger in allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Die Umfrage fand in Form persönlicher Interviews statt. In einigen Mitgliedstaaten (Dänemark, Finnland, Malta, Niederlande, Schweden und Zypern) wurden zusätzlich Videointerviews eingesetzt. Insgesamt wurden 26.453 Interviews geführt. Die EU-Ergebnisse wurden entsprechend der Bevölkerungszahl des jeweiligen Landes gewichtet.

Die vollständigen Ergebnisse sind auf der Eurobarometer-Webseite abrufbar.

Quelle: Europäisches Parlament

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