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Dienstleistungshandel: Wie sich die EU gegen die US-Handelspolitik wehren kann

Im Handelsstreit zwischen USA und EU wird zunehmend über Gegenmaßnahmen diskutiert, die den Dienstleistungshandel betreffen. Handelsbarrieren hätten hier aber negative Folgen für beide Seiten, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln).

Eine Ausweitung des europäisch-amerikanischen Handelskonflikts auf Dienstleistungen würde beiden Seiten erheblich schaden. Das zeigt eine IW-Studie mit Förderung des Auswärtigen Amtes auf Basis von OECD-Daten. Demnach sind USA und EU im Dienstleistungshandel eng verflochten: 2023 importierte die EU Dienstleistungen im Wert von rund 349 Milliarden US-Dollar aus den USA und exportierte Leistungen im Wert von 255 Milliarden US-Dollar dorthin. Damit sind die EU und die USA füreinander mit weitem Abstand der wichtigste Handelspartner bei Dienstleistungen.

Die EU ist ein schwer verzichtbarer Markt für US-Tech-Konzerne

Bei diesen Dienstleistungen sind die Beziehungen besonders eng:

Die Hälfte der US-Exporte von Gebühren für die Nutzung geistigen Eigentums – etwa Lizenzen für Software und Patente oder Markenrechte – geht in die EU. Das entspricht einem Exportwert von 96 Milliarden US-Dollar.

Auch bei Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen sowie bei Beratungsleistungen ist der europäische Anteil an den US-Exporten mit knapp 47 Prozent (40 Milliarden US-Dollar) beziehungsweise 37 Prozent (57 Milliarden US-Dollar) der Exporte hoch.

Umgekehrt ist auch die EU auf US-Dienstleistungsimporte angewiesen. Am stärksten bei Gebühren für geistiges Eigentum: Knapp 68 Prozent dieser EU-Importe stammen aus den USA, ihr Wert liegt mit 96 Milliarden US-Dollar weit über allen anderen Dienstleistungsarten.

US-Anbieter spielen auch bei Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen (47 Prozent, 40 Milliarden US-Dollar) und Beratung eine zentrale Rolle für Europa.

Die EU ist auch auf US-Finanzdienstleistungsimporte angewiesen: Der Importwert aus den Vereinigten Staaten beträgt hier 38 Milliarden US-Dollar. Das entspricht 34 Prozent aller EU-Importe bei dieser Dienstleistungsart.

Digitalsteuer ist ein möglicher Hebel

„Bei wichtigen Dienstleistungen sind die EU und die USA so eng verflochten, dass ein ausgeweiteter Handelskrieg beiden Seiten erheblich schaden würde“, sagt IW-Expertin Samina Sultan. Europäische Unternehmen seien vom Dienstleistungshandel mit den USA abhängig, zugleich wollen etwa die US-Tech-Unternehmen den Zugang zum großen EU-Markt nicht verlieren. Auch wenn Trump vorerst seine angekündigten Grönland-Zölle zurückgezogen hat, bleibt seine Handelspolitik unberechenbar. Die EU müsse sich auf neue Eskalationen einstellen. „Eine Digitalsteuer auf Onlinewerbung etwa wäre in dem Fall ein gangbarer Weg“, meint Sultan.

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Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft

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