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Cashback für jede einzelne Lithiumbatterie

Studie empfiehlt Cashback-System als wirksame Lösung, um Brände in Betrieben der Abfallwirtschaft zu reduzieren.

Österreich: Auf Einladung von Umweltminister Norbert Totschnig haben sich beim zweiten Runden Tisch zu Batteriebrände zahlreiche Experten mit den Herausforderungen falsch entsorgter Lithiumbatterien im Restmüll befasst. Im Mittelpunkt stand eine Bilanz der seit dem ersten Runden Tisch umgesetzten Maßnahmen sowie die Diskussion weiterer Lösungsansätze.

Gemeinsames Ziel ist es, die Sammelquote von Lithiumbatterien deutlich zu erhöhen, Batteriebrände in der Abfall- und Ressourcenwirtschaft zu verhindern und das Recycling kritischer Rohstoffe wie Lithium und Kupfer zu stärken. Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) präsentierte einen Lösungsvorschlag, um eine der Hauptursachen von Bränden in Betrieben, aber zunehmend auch in privaten Haushalten, effektiv zu bekämpfen: Ein Anreizsystem für die korrekte Rückgabe von Lithiumbatterien soll sowohl im Umlauf befindliche Batterien als auch neue Produkte mit Lithiumbatterien erfassen.

Je nach Kategorie – kleine, mittlere und große – soll es für jede einzelne Lithiumbatterie zwischen 50 Cent und 50 Euro Cashback, also Geld zurück, geben. Eine vom Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) durchgeführte Studie verdeutlicht, dass dadurch innerhalb von fünf Jahren ab Einführung eines Cashback-Systems Brandschäden in Haushalten, Kommunen und Unternehmen in Höhe von insgesamt 480 Millionen Euro verhindert werden könnten. Zudem werden kritische Rohstoffe wie Lithium und Kupfer durch Recycling in Europa gehalten und die Abhängigkeit von außereuropäischen Ländern verringert.

„Nur ein finanzieller Anreiz wird dazu führen, dass die gefährlichen Brandstifter korrekt entsorgt werden“

Umweltminister Norbert Totschnig: „Beim ersten Runden Tisch haben wir uns darauf verständigt, rasch konkrete Maßnahmen gegen Batteriebrände auf den Weg zu bringen. Seither haben wir gemeinsam mit allen Beteiligten wichtige Schritte gesetzt, von der Fortsetzung der Informationskampagne über erleichterte Rückgabemöglichkeiten bis hin zu Initiativen auf europäischer Ebene. Die heute vorgestellten Studien liefern eine wertvolle Grundlage für die weitere Arbeit. Deshalb wollen wir die noch offenen fachlichen, rechtlichen und praktischen Fragen gemeinsam mit der Abfallwirtschaft, dem Handel und den Herstellern in einer gemeinsamen Taskforce vertiefen und die konkrete Ausgestaltung eines möglichen Pilotprojekts für eine sichere und effiziente Rücknahme von Lithiumbatterien erarbeiten.“

Gabriele Jüly, Präsidentin des VOEB: „Falsch entsorgte Lithiumbatterien stellen seit Jahren ein zentrales Sicherheitsrisiko für die gesamte österreichische Abfall- und Ressourcenwirtschaft dar. Die zerstörerischen Brände der letzten Jahre haben klar gezeigt, dass selbst der modernste Brandschutz unsere Beschäftigten und Betriebe nicht vor brennenden Lithiumbatterien schützen kann. Wir sind überzeugt: Nur ein finanzieller Anreiz wird dazu führen, dass die gefährlichen Brandstifter korrekt entsorgt werden. Nun haben wir eine Lösung vorgelegt, die sofort wirksam und wirtschaftlich nachhaltig ist.“

Ökonomischer Nutzen durch vermiedenen Schaden und volkswirtschaftliche Effekte

Studienautor Herwig Schneider: „Ein Cashback-System für Lithiumbatterien könnte innerhalb von fünf Jahren Brandschäden von rund 480 Millionen Euro verhindern. Die dadurch verhinderten Schäden in Haushalten, Gemeinden und Unternehmen tragen dazu bei, Kostensteigerungen zu begrenzen und einen Anstieg der Abfallgebühren abzuwenden. Die Kaufkraft der Haushalte wird gestärkt, was zusätzliche wirtschaftliche Impulse setzt.“

Wenn ein Teil davon in zusätzlichen Konsum fließt, hat das laut der Studie positive volkswirtschaftliche Effekte: Jährlich 45 Millionen Euro zusätzliche Nachfrage nach heimischen Gütern, 83 Millionen Euro Produktionseffekte, 46 Millionen Euro Wertschöpfung sowie rund 18 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen für die öffentlichen Budgets.

Sammelquote auf 73 Prozent erhöhen

So oder so muss laut EU-Vorgabe bis 2030 die Sammelquote aller Gerätebatterien auf 73 Prozent erhöht werden – Österreich erreicht derzeit nur rund 53 Prozent [1]. Je höher die Sammelquote, desto besser können die in Lithiumbatterien enthaltenen Rohstoffe wie Nickel, Lithium, Kobalt oder Mangan recycelt und im Kreislauf erhalten werden. Ohne ein Anreizsystem zur Rückgabe von Lithiumbatterien wird die Gesamtsammelquote verfehlt, wie die Studie verdeutlicht.

Bei Einführung eines Cashbacks hingegen würde sie übererfüllt. Der Umgang mit Lithiumbatterien ist somit nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch der Rohstoffsicherung. Die EU-Batterieverordnung, der Critical Raw Materials Act und nationale Strategien setzen auf höhere Sammel- und Recyclingquoten, um kritische Rohstoffe im Wirtschaftskreislauf zu halten. „Jede zusätzlich gesammelte Batterie verbessert die Ressourceneffizienz, stärkt die Kreislaufwirtschaft und erhöht die wirtschaftliche Resilienz Österreichs“, ergänzt Umweltminister Totschnig.

Jede Lithiumbatterie ist Geld wert

Der diskutierte Lösungsvorschlag sieht vor, dass beim Kauf von Produkten mit Lithiumbatterien ein Cashback-Beitrag eingehoben wird, den Konsumenten für die Rückgabe von gleichwertigen Batterien wieder ausbezahlt bekommen. Im Unterschied zu einem klassischen Pfandsystem soll dieses System nicht ausschließlich auf künftig in Verkehr gebrachte Produkte wirken, sondern auch bereits im Umlauf befindliche Lithiumbatterien erfassen. Somit umfasst das System auch die große Zahl bereits in Haushalten vorhandener Batterien und batteriehaltiger Geräte, die in den kommenden Jahren das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen werden.

Eine zentrale Clearingstelle soll die Zahlungsströme verwalten. Für die Rückgabe sollen neben bestehenden Sammelstellen künftig auch digitale Lösungen wie KI-gestützte Erkennung, Apps, smarte Sammelboxen und Rückgabeautomaten zur Verfügung stehen. Schneider: „Nichts tun ist keine Option: Das bedeutet mehr Brände und Kosten für alle. Wir haben unterschiedliche Varianten durchgerechnet und die beste Lösung ist ganz klar ein Cashback für jede einzelne Lithiumbatterie, die sich in Österreichs Haushalten befindet oder neu in Umlauf gebracht wird.“

17 Millionen Lithiumbatterien im Restmüll – pro Jahr

Mehr als acht Lithiumbatterien pro Tonne Restmüll – so lautet das alarmierende Ergebnis der Studie der Montanuniversität Leoben. Hochrechnungen zufolge entspricht das jährlich rund 17 Millionen Lithiumbatterien, die nicht korrekt entsorgt werden. Diese Fehlwurfquote hat sich innerhalb von zehn Jahren vervierfacht. Mit der steigenden Zahl zirkulierender Lithiumbatterien nehmen sowohl die Fehlwürfe als auch die Brände in der Abfallwirtschaft deutlich zu.

Grundlage der wissenschaftlichen Analyse waren über 1.000 öffentlichkeitswirksame Brandereignisse der letzten 18 Jahre. Studienautor Thomas Nigl: „Die Zahl der Brände ist nur die Spitze des Eisbergs, da viele Brandereignisse gar nicht erfasst werden. Wir gehen davon aus, dass der tatsächliche Anteil batteriebedingter Brände viel höher liegt. Vor allem die Brandereignisse der letzten zwei Jahre liegen deutlich über dem langfristigen Trend, ebenso zeigen sich neue Extremwerte bei Branddauer, Abfallmenge und Schadenssumme.“

Über die Studien:

Studie „Entwicklung und Evaluierung eines Anreizsystems zur Erhöhung der Sammelquote von Lithium-Batterien“ (2026)
Durchgeführt von: Industriewissenschaftliches Institut (IWI) in Kooperation mit Pöchhacker Innovation Consulting
Auftraggeber: VOEB mit Unterstützung von ARGE Abfallwirtschaftsverbände, VÖA – Vereinigung öffentlicher Abfallwirtschaftsbetriebe und WKO Fachverband Entsorgungs- und Ressourcenmanagement

Studie “Battery Research on Market, Risk and Fire Statistics” (2026)
Durchgeführt von: Montanuniversität Leoben – Elena Dvorak, Marlene Korn und Thomas Nigl
Auftraggeber: VOEB

Die Grundlage bildete ein 18-jähriges Monitoring von Brandereignissen (November 2007 bis Oktober 2025) sowie Sortieranalysen von Restmüllproben aus mehreren Bundesländern. Insgesamt wurden über zehn Tonnen Restmüll aus der Steiermark, Tirol und Vorarlberg untersucht und durch aktuelle Literaturdaten aus weiteren Bundesländern ergänzt.

Quelle: VOEB

[1] Quelle: EAK

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