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Deutsche Unternehmen überschätzen ihre KI-Reife

Herausforderung ist nicht Technologie, sondern organisatorische Transformation.

Die Unternehmen in Deutschland nutzen zwar KI, es fehlen jedoch Strukturen für ihren effektiven Einsatz, um echte Wertschöpfung daraus zu gewinnen. Damit KI ökonomische Vorteile bringt, muss sie als C-Level-Thema strategisch gedacht werden. Das zeigt die Deutsche Social Collaboration Studie 2026 von der Technischen Universität Darmstadt (TU Darmstadt) und Campana & Schott. Demnach nutzen zwar bereits etwa drei Viertel der Mitarbeitenden GenAI produktiv, doch überwiegend nur punktuell für generische Produktivitätsaufgaben. Das größere Wertschöpfungspotenzial entlang fachlicher und operativer Prozesse bleibt weitgehend ungenutzt.

„Während GenAI schon breit eingesetzt wird, fehlen in den meisten Unternehmen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Skalierung, wie klare Verantwortlichkeiten, strategische Steuerung, und organisatorische Verankerung“, erklärt Boris Ovcak, Managing Partner und Leiter der Division Transformation of Work von Campana & Schott. „Das ist mehr als bedenklich. Zum einen führt das verstärkt zu Fehlinvestitionen, Skalierungsproblemen oder sogar Sicherheitsrisiken. Zum anderen lassen deutsche Unternehmen hier die bedeutende Chance liegen, GenAI in ihre Wertschöpfung zu integrieren und damit für die Steigerung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit einzusetzen.“

Strategie und Steuerung fehlen

Laut der Deutschen Social Collaboration Studie 2026 setzen sich 95,3 Prozent der Unternehmen mit dem Thema KI-Strategie auseinander, aber nur 24,6 Prozent besitzen sie bereits. 79,6 Prozent erkennen die Notwendigkeit bereichsübergreifender Steuerung, doch lediglich 6,2 Prozent haben eine zentralstrategische Instanz wie ein AI Office oder eine AI-Stabsstelle außerhalb der IT etabliert. Gleichzeitig bewerten die Befragten ihren eigenen strategischen Reifegrad mit durchschnittlich 3,7 auf einer Fünferskala (1 = keine KI-Strategie, 5 = klare KI-Strategie). Dies zeigt: Sie schätzen sich strategisch gut ein, obwohl die überwiegende Mehrheit noch Defizite erkennt.

KI-Einsatz erfolgt nur punktuell für die individuelle Produktivitätssteigerung

Die Mitarbeitenden nutzen GenAI primär für generische Produktivitätsaufgaben wie Texterstellung und -überarbeitung (35 %), Recherche und Informationsaufbereitung (32 %) sowie Übersetzungen und Sprachassistenz (31 %). Weniger als 15 Prozent der Unternehmen setzen GenAI in fachbereichsspezifischen Prozessen wie Employee Self Service, Prozessautomatisierung oder spezialisierten Fachfunktionen ein. Die breite Nutzung steht also noch aus.

Zu starker Investitionsfokus auf Technologie

Dies liegt auch an mangelnder Befähigung der Mitarbeitenden: Nur 20 Prozent der Unternehmen investieren in Weiterbildungsmaßnahmen, obwohl 85 Prozent der Befragten zusätzliches Budget prioritär dafür einsetzen würden. Aktuell weisen die KI-bezogenen Budgets einen klaren Technologiefokus auf. 42  Prozent der Unternehmen investieren in Infrastruktur, 33 Prozent in Sicherheit und Compliance, 32 Prozent in Datenqualität und Governance. Dagegen vernachlässigen sie die strategische Basis für eine Skalierung, wie organisatorische Transformation und Change Management, strategische Beratung und Roadmaps oder Messung von ROI und Business Impact.

GenAI-Implementierung stockt

Die Folgen falscher Priorisierung sind bereits erkennbar: Zwar haben 59 Prozent der Unternehmen in GenAI als Erweiterung des digitalen Arbeitsplatzes investiert, 68 Prozent planen in naher Zukunft eine Erweiterung. Doch 86,4 Proizent der Unternehmen, die KI nutzen, befinden sich nach eigener Aussage noch zwischen ersten Proof of Concepts und einer teilweisen Produktivnutzung. Eine unternehmensweite Integration in Kernprozesse haben damit die wenigsten erreicht.

Studienleiter Peter Buxmann, Professor und Lehrstuhlinhaber Wirtschaftsinformatik | Software und AI Business an der Technischen Universität Darmstadt, fasst die Erkenntnisse zusammen: „GenAI bietet Unternehmen eine historische Chance, Wertschöpfung, Innovation und Produktivität neu zu denken. Die Deutsche Social Collaboration Studie 2026 unterstreicht die hohe Relevanz des Themas: 95 Prozent der Führungskräfte betrachten eine KI-Strategie als unverzichtbar, und 75 Prozent der Beschäftigten möchten auf GenAI im Arbeitsalltag nicht mehr verzichten.

Gleichzeitig sehen 44 Prozent der Unternehmen Sicherheit und Compliance als größte Herausforderung bei der Skalierung von KI. Diese Aspekte sind wichtig und erfordern klare Rahmenbedingungen – sie sollten jedoch nicht zum Innovationshemmnis werden. Jede technologische Revolution war mit Unsicherheiten verbunden. Entscheidend ist, die Chancen jetzt aktiv zu nutzen und die Zukunft erfolgreich mitzugestalten.“

Quelle: Campana & Schott – internationale Management- und Technologieberatung

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