Heimische Ressourcen und ETS-Signale können Stahl, Chemie und Zement krisenfest und klimapositiv machen.
Die Stahl-, Zement- und Chemieindustrie der EU ist stark von fossilen Energieträgern und Rohstoffen abhängig – und somit auch von Schwankungen auf den Weltmärkten und anderen geopolitischen Risiken. Eine neue Studie von Agora Industrie, dem Wuppertal Institut und der Universität Kassel zeigt nun: Mit einer auf drei Säulen basierenden Strategie auf Ebene der EU lassen sich nicht nur Importabhängigkeiten drastisch senken, globale Preisschocks abfangen und weltweit neue Märkte erschließen.
Ein verstärkter Einsatz von nachhaltiger Biomasse in Verbindung mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS) eröffnet sogar die Möglichkeit, dass die Schwerindustrie der EU bereits Mitte der 2040er Jahre mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen kann, als sie ausstößt.
Bis zu 57 Megatonnen negative Emissionen pro Jahr in 2050 möglich
Im Rahmen der Studie haben die Forschenden berechnet, dass die europäische Stahl-, Zement- und Chemieindustrie enormes Potenzial für negative Emissionen birgt: Bis zu 57 Megatonnen CO2 könnte die Grundstoffindustrie 2050 aus der Atmosphäre entnehmen, wenn die EU konsequentere Transformations- und Resilienzmaßnahmen auf den Weg bringt – und so die Industrie zu einem entschlossenen Wandel hin zu Elektrifizierung, Kreislaufwirtschaft, Wasserstoff und nachhaltiger Biomasse befähigt.
Entscheidend für das Gelingen sind der Ausbau von CO2-Transportinfrastrukturen, die Erschließung von Speicherstätten und der Aufbau von Wertschöpfungsketten für nachhaltige Biomasse. Mit diesen Voraussetzungen kann die Industrie durch negative Emissionen wesentlich zum Ziel der Klimaneutralität in 2050 beitragen.
Um dieses Potenzial zu heben, sollte die EU einen Investitionsrahmen entwickeln, der die Nutzung heimischer Ressourcen maximiert, so die Forschenden. Die Grundbausteine einer solchen Strategie seien ein starkes Preissignal für CO2 über das europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS), der zügige Ausbau von Strom aus erneuerbaren Energien, grünem Wasserstoff und nachhaltiger Biomasse sowie starke Signale auf Nachfrageseite zur Schaffung grüner Leitmärkte, um den Absatz nachhaltiger Produkte und Industriegüter anzukurbeln.
Die englischsprachige Studie „A strategic path for EU industry – Securing the resilience of steel, chemicals and cement with renewable domestic resources“ steht über diesen Link kostenfrei zum Download bereit.
Quelle: Wuppertal Institut




