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Digitales Assistenzsystem für Urban Mining

Forschungsprojekt „Mirakel“ stärkt Kreislaufwirtschaft in der Baupraxis.

Urban Mining – also die Bewirtschaftung vom Menschen geschaffener Materiallager wie Bestandsgebäuden – gilt als zentraler Transformationshebel für Klimaanpassung und Ressourceneffizienz. Für den systematischen Rückbau und die hochwertige Anschlussnutzung von Bauprodukten braucht es verlässliche Bestandsdaten, vereinfachte Prüfprozesse, belastbare Wirtschaftlichkeitsbewertungen und die verbesserte Planbarkeit mit Re-Use-Bauteilen. Genau hier setzt das Forschungsprojekt „Mirakel“ an, an dem auch die SRH University maßgeblich beteiligt ist.

Ziel ist die Entwicklung eines digitalen Assistenzsystems, das Fachleute dabei unterstützt, den Wert verbauter Produkte zu erfassen und ihre Wiederverwendung wirtschaftlich zu bewerten.

„Mirakel wird ein Werkzeug, das den verborgenen Wert von Gebäudebeständen sichtbar und nutzbar macht“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Patrick Teuffel, Professor für Innovation und Nachhaltigkeitsstrategien an der SRH University. „Damit kann Urban Mining zum Standardprozess im Bauwesen werden.“

Digitale Technologien für die optimierte Bewertung von Re-Use-Bauteilen

Im Zentrum steht eine praxisnahe Anwendung: Gebäude werden vor Rückbau oder Sanierung mithilfe von Smartphone und 3D-Kamera interaktiv erfasst. Die gewonnenen Bauteildaten werden mit vorhandenen Informationen zum Gebäude, mit Material- und Ökobilanzdatenbanken sowie wirtschaftlichen Erfahrungswerten verknüpft und bei Bedarf live ergänzt. Auf dieser Basis ermittelt „Mirakel“ automatisch Wiederverwendungspotenziale, realistische Kosten, Erlöse und Umweltwirkungen wie Emissionseinsparungen.

Teuffel: „Unser Ansatz reduziert Informationsunsicherheiten zu Bestandsgebäuden und schafft eine fundierte Datengrundlage für Portfolioentscheidungen. Das erleichtert nicht nur die Planung ‚form follows availability‘, sondern verbessert insgesamt die Wirtschaftlichkeit zirkulärer Bauprozesse.“

Technologisch kombiniert „Mirakel“ erstmals mehrere digitale Schlüsseltechnologien in einem durchgängigen Prozess:

  • Erklärbare künstliche Intelligenz (XAI) für nachvollziehbare Empfehlungen zur Reduktion von Unsicherheiten, Verbesserung von Schätzungen und Erhöhung der Planbarkeit, bspw. Einschätzung von Materialqualitäten und Potenzialen.
  • Mixed Reality (MR) ermöglicht die interaktive, standardisierte Begehung von Bestandsgebäuden, Beschleunigung von Inspektionen und Schließung von Dokumentationslücken.
  • Interaktives maschinelles Lernen (IML) integriert kontinuierlich das fachliche Feedback der Expert:innen vor Ort in die KI und präzisiert die Bewertungsmodelle.
  • Knowledge Graphs verknüpfen strukturiert Bestands-, Material-, Kosten- und Nachhaltigkeitsdaten zur Abbildung komplexer Zusammenhänge.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Integration von Re-Use-Objekten in digitale Planungsmethoden mit Building Information Modeling (BIM) – der digitalen Modellierung und Verwaltung von Gebäudedaten. Nutzende sollen unterschiedliche Rückbau- und Verwertungsszenarien simulieren und vergleichen können. Der Prototyp wird in realen Gebäuden getestet und kontinuierlich weiterentwickelt.

Starke Partnerschaft und Rolle der SRH University

Das Projekt wird von einem interdisziplinären Konsortium getragen: Concular, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, SRH University, BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, ryze technologies, Knepper und Circular Structural Design bündeln ihre Expertise aus Baupraxis, Immobilienmanagement, Digitalisierung, KI, Forschung und zirkulärem Design.

Die SRH University übernimmt dabei die wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung von Technologien zur Wiederverwendung von Bauteilen. Dazu gehören die Entwicklung von Bewertungsmethoden und die Durchführung von Machbarkeitsstudien. „Wir verbinden Forschung, Praxis und Lehre eng miteinander“, betont Prof. Dr.-Ing. Patrick Teuffel. „Unsere Studierenden arbeiten direkt an aktuellen Fragestellungen des nachhaltigen Bauens und der digitalen Transformation.“

Die Ergebnisse des Projekts fließen sowohl in die Lehre – etwa im Masterstudiengang „Engineering and Sustainable Technology Management – Smart Building Technologies“ – als auch in Fachpublikationen und Konferenzbeiträge ein.

Förderung

Das Projekt „Mixed-Reality- und vertrauenswürdiges KI-basiertes Assistenzsystem zur Einschätzung von Werten anthropogener Lager und Kosten von Erschließungsprozessen in der Kreislaufwirtschaft“ (MIRAKEL) wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unter dem Förderkennzeichen 033R422E im Rahmen der Strategie Forschung für Nachhaltigkeit (FONA) über 30 Monate mit einem Gesamtvolumen von circa 2,6 Millionen Euro gefördert.

Mehr zum Projekt

Quelle: SRH University

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