„Die Staatengemeinschaft ist nicht in der Lage, einen Plan aufzustellen“

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist tief enttäuscht von den Resultaten der Weltklimakonferenz (COP26) in Glasgow:

„Die internationale Staatengemeinschaft ist auch fünf Jahre nach Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommen nicht in der Lage, einen detaillierten und ausreichenden Plan aufzustellen, um die Klimakrise und ihre katastrophalen Auswirkungen abzuwenden. Deutschland hatte bei dieser COP einen schwachen Auftritt, insbesondere der voraussichtliche neue Kanzler Olaf Scholz glänzte durch Schweigen.“

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Net Zero und Kooperative Mechanismen waren die Zauberworte der COP, mit denen sich Regierungen und Unternehmen allzu gerne geschmückt haben. Oft stecken jedoch nur leere Versprechen dahinter, in der fernen Zukunft für mehr Klimaschutz zu sorgen, die entstehenden Emissionen über den Zukauf von Zertifikaten auszugleichen oder auf ein Technikwunder zu hoffen. Allein Hoffnung ist zu wenig. Es wurde in den vergangenen zwei Wochen auch nicht dafür gesorgt, dass die Länder des Globalen Südens ausreichend finanziell unterstützt werden, um sich an Klimafolgen anzupassen. Auch glaubhafte und ambitioniert faire, verbindliche Maßnahmen in der nahen Zukunft gibt es viel zu wenige.“

Soll die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad begrenzt werden – was zwingend notwendig wäre, um die heutige Welt zu erhalten – sei das Warten auf vermeintliche Wunder-Technologien fahrlässig. Bandt: „Wir müssen in den nächsten Jahren für einen zügigen Ausstieg aus unserer fossilen Wirtschaftsweise sorgen. Dazu braucht es einen sozial-ökologische Umbau aller Sektoren.“

Schweigen des voraussichtlich neuen Bundeskanzlers Scholz stimmt bedenklich  

Auch die Bilanz der deutschen Bundesregierung sei blass. So reiste die deutsche Delegation mit einem zu schwachen nationalen Klimaschutzplan (NAP) an. Zwar sagte Deutschland zu, bis 2022 die internationale Finanzierung für fossile Energieprojekte einzustellen. Gleichzeitig blieb sie aber einer internationalen Allianz gegen Öl und Gas Energie (BOGA) fern. Besonders bedenklich stimmt den BUND das Schweigen des voraussichtlich neuen Bundeskanzlers Scholz. Im Wahlkampf noch von sich selbst als Klimakanzler betitelt, fehle nun ein klares Bekenntnis im Namen der sich bildenden Koalition zu einem Neustart Deutschlands in Sachen Klimaschutz. Dabei gelte es, viel vertane Zeit aufzuholen.

Bandt: „Der Koalitionsvertrag muss dringend 1,5-Grad-kompatibel werden, so wie es das Pariser Klimaabkommen verlangt. Dazu gehört zwangsläufig ein zügiger Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern. Bis 2035 muss der Strom in Deutschland zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien stammen und zum Großteil dezentral strukturiert sein. Wir können nicht einerseits ein Ende der internationalen Förderung von fossilen Energieprojekten versprechen und andererseits  vor der eigenen Haustür weiterhin Kohle fördern und die Infrastruktur für Gas ausbauen.“

Quelle: BUND