Nachhaltige Materialien und Technologien seit 1946: Fraunhofer WKI wird 75

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Foto: © Fraunhofer WKI/Stephan Thiele

Seit 75 Jahren erforscht das Fraunhofer WKI ressourcen- und klimaschonende Materialien für eine lebenswerte Zukunft.

Die Forschenden entwickeln moderne Technologien, um Holz und andere pflanzliche Rohstoffe in Chemieprodukte und Werkstoffe umzuwandeln und die Bioökonomie damit voranzutreiben. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von leichten Bauteilen für Fahrzeuge über umweltfreundliche Dämmstoffe und hybride Werkstoffsysteme für die Baubranche bis hin zu Lacken und Klebstoffen auf pflanzlicher Basis.

Prof. Dr.-Ing. Bohumil Kasal, Leiter des Fraunhofer WKI, resümiert: „Am Fraunhofer WKI blicken wir auf eine lange Tradition der Forschung mit nachhaltigen Materialien zurück. Schon der Gründer und Namensgeber Dr. Wilhelm Klauditz suchte nach Lösungen, um das kriegsbedingt knappe Rohholzangebot optimal zu verwerten sowie Abfall- und Schwachholz nutzbar zu machen. Heute betrachten wir eine große Bandbreite nachwachsender Rohstoffe und deren ganzheitliche Verwertung. Unser Ziel ist es, Alternativen zur Nutzung fossiler Rohstoffe zu schaffen. Mit unserer Forschung legen wir wichtige Grundlagen für einen biobasierten Wirtschaftskreislauf – von den Rohstoffen über die Entwicklung innovativer Materialien, ihrer Nutzung bis hin zum Recycling.“

Gegründet am 7. Juni 1946 von Dr. Klauditz, der als Pionier der nachhaltigen Nutzung von Holz gilt, blickt das Institut auf eine lange Geschichte zurück. Dr. Klauditz war Zellstoffchemiker und befasste sich mit der Erforschung der Papier- und Zellstoffgewinnung aus Holz. Er erkannte frühzeitig die technische und wirtschaftliche Bedeutung der Holzwerkstoffe und gilt als der Erfinder der Spanplatte. Das Institut wurde als erste Einrichtung in Niedersachsen bereits 1972 in die Fraunhofer-Gesellschaft aufgenommen.

Werkstoffliche Entwicklungen umfassten neben der Spanplatte die Grobspanplatte, heute OSB genannt, noch unter Dr. Klauditz, und die Gips-Spanplatte nach dem Halbtrocken-Verfahren. Besondere Bedeutung hatten seit den 1970er Jahren die Prüfung und Minderung der Formaldehydemissionen aus Spanplatten und anderen Holzwerkstoffen. Diese Fachkompetenz ist auch heute noch bedeutsam und wurde in den letzten zwei Jahrzehnten auf die Frage der Emissionen aus Hölzern und anderen Werkstoffen ausgeweitet. Eine wichtige Entwicklung stellte außerdem ein Verfahren basierend auf dem Prinzip der indirekten Trocknung dar, welches in der Spanplatten- und OSB-Fertigung den Trocknungsbetrieb nahezu ohne Emissionen geruchsintensiver organischer Stoffe ermöglichte.

Andere umweltbezogene Aufgabenstellungen betrafen die Nutzung und Verwendung von Gebrauchthölzern und das Recycling von Spanplattenresten und Altmöbeln. Die Fortschritte in der elektronischen Datenverarbeitung sowie der Mess- und Prüftechnik wurden in zahlreichen Forschungsvorhaben auf die Belange der Holzindustrie übertragen. Neue Erkenntnisse der Polymerchemie, der additiven Fertigung und der Applikationstechnik fanden in den letzten zwei Jahrzehnten ihren Eingang in die Forschungen des Fraunhofer WKI in den Bereichen der Klebstoffe und der Oberflächenbeschichtungen.

Professor Kasal blickt auf Grundlage dieses reichen Erfahrungsschatzes optimistisch in die Zukunft: „Unser Alleinstellungsmerkmal im Bereich nachwachsender Rohstoffe wollen wir weiter stärken und neue Kooperationen und Themenfelder erschließen. Besondere Entwicklungsmöglichkeiten sehen wir in den Bereichen Mobilität mit biobasierten Werkstoffen und Biokunststoffen sowie Recycling, Innenluftqualität und 3D-Druck. Für den Bau sind die Bereiche Hochbau, Brandschutz sowie hybride Werkstoffsysteme zentral. Die genannten Felder sehen wir als essentielle Zukunftsthemen an. Die Kooperation mit der Technischen Universität Braunschweig werden wir durch das neu errichtete Zentrum für leichte und umweltgerechte Bauten Zeluba vertiefen.“

Auf Grund der Corona-Pandemie wird die Jubiläumsfeier im Jahr 2022 nachgeholt. Ein Termin steht bereits fest, es ist der 30. Juni 2022.

Quelle: Fraunhofer WKI

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