Das Anheben der Recyclingquoten allein stellt keine Fortschritte sicher

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Foto: Alba Group

Zum Tag der Verpackung am 7. Juni weist die mittelständisch geprägte, private bayerische Entsorgungswirtschaft auf noch ungehobene Potentiale beim Verpackungsrecycling hin. Die Rahmenbedingungen sollten so gesetzt werden, dass man zusätzliche Rezyklate gewinnt und damit auch das Klima schützt.

Ende der 1980er Jahre wuchsen die Müllberge sprichwörtlich in den Himmel. Das war zu einer Zeit, als ein Großteil des Abfalls auf Deponien landete. 1991 schließlich wurde die erste deutsche Verpackungsverordnung erlassen. Im Vorfeld wurde am 28. September 1990 in Bonn das Unternehmen „Der Grüne Punkt“ gegründet. Heute ist es selbstverständlich geworden, dass die über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne gesammelten Verpackungen sortiert und zu einem wesentlichen Teil recycelt werden.

Mit einem Anheben der gesetzlichen Recyclingquoten allein sind noch keine Fortschritte in Richtung Kreislaufwirtschaft sichergestellt. Probleme bereiten den Sortieranlagenbetreibern vor allem Mehrschichtfolien und Verbundverpackungen aus fest miteinander verklebten Komponenten, die sich in der Regel nicht recyceln lassen. Für dieses Problem bietet sich aus Sicht des Verbandes der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS) ein marktwirtschaftlicher Lösungsansatz an: Höhere Lizenzkosten für nicht recyclingfähige Verpackungen; dies würde zu einem Umdenken bei den Inverkehrbringern führen.

„Echte Kreislaufwirtschaft gelingt nur, wenn sich ein qualitätsorientierter Rezyklatmarkt entwickelt“

Positiv bewertet der VBS die von der EU beschlossene Mindesteinsatzquote von 25 Prozent recyceltem Kunststoff in PET-Flaschen ab 2025 und von 30 Prozent in allen Kunststoffflaschen ab 2030. Wichtig sind Maßnahmen zur Qualitätssicherung des Materialstroms: So sollte die Recyclingfähigkeit aller Verpackungen nachweislich sichergestellt werden und gesetzlich geforderte Recyclingziele sich an dem zur Verfügung stehenden Potential bemessen und nicht an den insgesamt eingesammelten, zunehmend mit Restmüll durchsetzten Gemischen.

„Echte Kreislaufwirtschaft gelingt nur, wenn sich ein qualitätsorientierter Rezyklatmarkt entwickelt. Neben besserer Abfalltrennung bereits im Haushalt, Investitionen in moderne Sortiertechnik und Einführung von Mindesteinsatzquoten bedeutet dies vor allem eine deutliche Weiterentwicklung des Designs for Recycling. Es sollten nur wirklich recyclingfähige Verpackungen in Verkehr gebracht werden und keine Verbundverpackungen, die niemand mehr trennen oder stofflich verwerten kann. Mogelverpackungen wie Faserverbundstoffe, die in vermeintlich ökologischer Papierhaptik und -optik daherkommen und sich als Plastik-Papiergemische entpuppen, sollten der Vergangenheit angehören“, erklärt VBS-Vizepräsident Stefan Böhme.

Quelle: Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen e.V. (VBS)

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