Dekarbonisierung: Transnationaler Klimaclub für die Stahlindustrie

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Brammenstranggussanlage (Quelle: HKM, Duisburg-Huckingen; Foto: Stahl-Zentrum)

Konzept des Wuppertal Instituts für innovative internationale Zusammenarbeit ausgezeichnet und der US-Regierung empfohlen.

Im Vorfeld der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden sammelte das US-amerikanische Projekt „Clean Economy Employment Now“– kurz CLEEN – bei Wissenschaftlern und zivilgesellschaftlichen Organisationen die besten Ideen für die Umsetzung eines Green New Deal. Das CLEEN-Projekt bereitete diese Ideen in Form einer Datenbank auf und übergab das Ergebnis der neuen US-Regierung. Auch das Wuppertal Institut war an dem Projekt beteiligt und reichte Ideen ein. Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, fungiert als Beirat der Initiative.

Eine der eingereichten Ideen des Wuppertal Instituts wurde nun als Top 3 im Bereich „Internationale Partnerschaften für eine globale Dekarbonisierung“ ausgezeichnet. Dr. Lukas Hermwille, Senior Researcher im Forschungsbereich Internationale Klimapolitik am Wuppertal Institut, schlägt vor, dass das Weiße Haus zentrale Akteure zusammenbringen solle, um einen sektoralen Klimaclub zu gründen. Neben der US-Regierung wären internationale Partner wie die Europäische Union, Indien, China oder gegebenenfalls subnationale Regierungen etwa von einzelnen Bundesstaaten Teil des Clubs. Auch führende Unternehmen der Stahlindustrie sollten eingebunden werden, ebenso wie Unternehmen, die Maschinen und Anlagen für die Stahlindustrie produzieren, und Unternehmen mit großer Nachfrage für Stahl – etwa aus der Automobilbranche.

Leitmarkt für klimaneutralen Stahl

Bisher ist die Industrie für etwa acht Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. „Mitglieder eines transnationalen Klimaclubs müssten sich verpflichten, bis 2050 die Stahlproduktion vollständig zu dekarbonisieren“, erläutert Dr. Lukas Hermwille. Dazu müssten sich die Unternehmen festlegen ab spätestens 2025 nicht mehr in neue konventionelle Produktionsanlagen zu investieren. Darüber hinaus könnten im Rahmen eines solchen Clubs die beteiligten Unternehmen bezüglich der gewaltigen und derzeit noch risikoreichen Investitionen neue klimafreundliche Produktionstechnologien unterstützen. „Außerdem wäre ein solcher Club der geeignete Rahmen, um einen Leitmarkt für klimaneutralen Stahl zu etablieren und so auch auf der Nachfrageseite einen Anreiz für notwendige Investitionen zu schaffen“, ergänzt der Autor.

Das Konzept des transnationalen Klimaclubs wurde im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts COP 21 Ripples (Grant Agreement No 730427) entwickelt. Das Paper „Exploring the Prospects for a Sectoral Decarbonization Club in the Steel Industry“ ist hier zu finden.

Quelle: Wuppertal Institut

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