„Meere müssen bei UN-Klimakonferenz im Mittelpunkt stehen“

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Foto: Pixabay

Expert*innen fordern stärkere Berücksichtigung von Blue Carbon-Ökosystemen beim Klimaschutz.

Mehr als 60 Partnerorganisationen und über 50 Wissenschaftler*innen, politische Vertreter*innen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens fordern, den Schutz sowie die Wiederherstellung von Meeres- und Küstenökosystemen in die internationale Klimapolitik aufzunehmen. Der offene Brief, der von der Environmental Justice Foundation (EJF) aufgesetzt wurde, wird im Vorfeld der UN-Klimakonferenz (COP26) im November 2021 an ausgewählte Regierungsvertreter*innen auf der ganzen Welt übergeben.

Meeresschildkrote (Foto: Environmental Justice Foundation)

Der Schutz sogenannter „blauer“ Kohlenstoffspeicher ist eine große Chance im Kampf gegen die Klimakrise, heißt es in dem Brief. Blauer Kohlenstoff befindet sich in jedem Teil des marinen Ökosystems: von den Küsten, wo Mangrovenwälder bis zu viermal mehr Kohlenstoff pro Hektar speichern als tropische Regenwälder und Seegraswiesen weltweit fast 20 Gigatonnen Kohlenstoff speichern, bis hin zum offenen Meer, wo die großen Wale jedes Jahr riesige Mengen an Kohlenstoff in ihren Körpern binden.

Weltweit enthält der Ozean etwa 49-mal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre. Meereslebewesen nehmen mehr als die Hälfte des biologischen Kohlenstoffs auf. Doch die internationale Klimapolitik vernachlässigt den Schutz dieser Speicher bislang – mit schwerwiegenden Folgen für das Weltklima: Der jährliche Verlust von Seegras setzt schätzungsweise 299 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr frei. Für küstennahe Feuchtgebiete erhöht sich diese Zahl auf 450 Millionen Tonnen.

Europaabgeordnete und Parlamentarier*innen aus Deutschland, Großbritannien, Taiwan und Indonesien sowie Klima-, Meeres- und Menschenrechtsexpert*innen haben den Brief gezeichnet, um auf die essentielle Bedeutung von Meeres- und Küstenökosystemen zur Begrenzung der globalen Erwärmung aufmerksam zu machen – darunter Steffi Lemke (MdB), parlamentarische Geschäftsführerin und naturschutzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen; Sarah Wiener (MdEP), Fraktion der Grünen / Freie Europäische Allianz; Ralph Lenkert (MdB), Die Linke; Prof. Pavel Kabat, Hauptautor des IPCC-Berichts und erster Forschungsdirektor der UN-Weltorganisation für Meteorologie; Prof. Dr. Hermann Ott, Vorsitzender von ClientEarth e.V. – Anwälte der Erde; Prof. Dr. Silja Klepp, Mitbegründerin von EnJust; Dr. Georg Winter, Umweltökonom und Begründer eines umweltgerechten Management-Ansatzes; und Baroness Helena Kennedy QC, Anwältin für Menschenrechte.

Der Brief fordert von Entscheidungsträger*innen der internationalen Gemeinschaft:

  1. Aufnahme spezifischer, rechtlich bindender Ziele zum Schutz und zur Wiederherstellung von Gebieten, in denen blauer Kohlenstoff vorkommt, in die nationalen Pläne für die Implementierung der Klimaschutzziele (Nationally Determined Contributions, NDCs);
  2. Verpflichtung zum 30 x 30 Ozeanschutzplan und Schutz von 30 Prozent des Ozeans in Form ökologisch repräsentativer Meeresschutzgebiete bis 2030;
  3. Vereinbarung eines internationalen Moratoriums für den Tiefseebergbau, um die Tiefsee vor irreversiblen, großflächigen Schäden zu schützen.

Die Wiederherstellung und der Schutz mariner Lebensräume muss mit einer ehrgeizigen und sektorenübergreifenden Dekarbonisierung einhergehen, und darf nicht als Rechtfertigung eines „Business-as-usual“-Ansatzes in anderen Sektoren benutzt werden.

Seegraswiesen in Nordwales (Foto: Environmental Justice Foundation)

Der Brief, der nun auch von Bürger*innen weltweit  unterzeichnet werden kann, hat eine breite Unterstützung von prominenten Persönlichkeiten erfahren, darunter Ökologe und Autor Carl Safina, Modedesignerin Vivienne Westwood, Fotograf und Filmemacher Paul Nicklen, Tierfilmer Gordon Buchanan, die olympischen Surferinnen Ellie Turner und Lucy Campbell sowie weitere Künstler*innen, Autor*innen und Klima-, Meeresschutz- und Umweltaktivist*innen aus der ganzen Welt. Auch nachhaltige Unternehmen, wie die Triodos Bank, haben ihre Unterstützung zugesagt.

Der Offene Brief kann hier gelesen werden.

Quelle: Environmental Justice Foundation (EJF)

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