Von bedruckten Kunststoffplatten wieder zu neuen bedruckbaren Kunststoffplatten

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Druckmaschine (Foto: Pixabay)

„Circular-Print“ – schafft abfallfreie Branchenlösung für Druckereien.

Zwei über insgesamt fünf Jahre laufende, interdisziplinäre Forschungsprojekte in Österreich befinden sich in voller Umsetzung. Erstmals ist es nachhaltig gelungen, stark bedruckte Kunststoffplatten gar nicht zu Abfall werden zu lassen, sondern sie gleich wieder als Rohstoff – über ein Upcycling-Verfahren und ohne Verbrauch von Neuware – 100 prozentig zur Herstellung neuer, bedruckbarer Platten verwenden zu können.

Projektpartner sind die Druckerei Renner in Neumarkt/Wallersee), der Recycler Walter Kunststoffe GmbH in Gunskirchen sowie das Beratungs-Unternehmen M2 Consulting GmbH in Hartkirchen.

Für das Upcycling kommt die Corema-Technologie des Recyclingmaschinenherstellers Erema zum Einsatz, die Recycling und Compoundierung in nur einem Verfahrensschritt ermöglicht. Mit der Realisierung dieses Projektes sind die Akteure schon heute voll im Einklang mit Vorgaben der EU für 2030. Aufgrund seiner Bedeutung als Recyclinglösung für die Druckereibranche wurde es 2020 für den Energy Globe Award in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ nominiert und konnte im Dezember diesen Award auch gewinnen.

Circular-Print schuf eine Recyclinglösung für bedruckte Kunststoffplatten, die zum Beispiel als Pflanzenetiketten genutzt werden (Foto: M2 Consulting)

100 Prozent Kreislaufführung ist die technisch und ökologisch hochwertigste Form des Recyclings und benötigt auch keinen gelben Sack mehr als Sammel-Zwischenstufe. Diese Lösung wurde für die Anwendung „Pflanzenetiketten“ entwickelt und hat sich mittlerweile auf den gesamten Großformatdruck ausgeweitet. Sogar Wahlplakate werden jetzt mit diesem System hergestellt – sie können wieder zu 100 Prozent rezykliert werden.

Auch Ing. Berhard Baumberger, Geschäftsführer der Walter Kunststoffe GmbH, ist stolz auf diesen Erfolg: „Mit Circular-Print gibt es nun die weltweit erste Recyclinglösung für stark bedruckte PP-Platten. Gemeinsam haben es die Projektpartner geschafft, das recycelte PP ohne Qualitätsverlust wieder in den Herstellungsprozess des Ausgangsproduktes zurückzuführen, und zwar zu 100 Prozent. Das ist ein großer Beitrag zur Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe.“

Neues Gütezeichen für Kunststoffplatten aus Rezyklat

Zur Abgrenzung von bedruckbaren Plattenprodukten aus Kunststoff mit Anteilen an post-industrial- oder post-consumer-Recyclingqualitäten wurde auch mithilfe der Johannes Kepler Universität Linz ein neues Gütezeichen geschaffen. Über ein parallel vorgenommenes Digitalisierungs-Projekt wurde ein Online-System aufgebaut, das alle Stationen und Aufbereitungsstufen – von der bedruckten Kunststoffplatte bis hin zum Regranulat – und der erneut hergestellten Plattenware durch Eingaben aller beteiligten Partner nachvollziehbar erfasst. Dies erleichtert den Angaben nach eine regelmäßige Zertifizierung „ganz deutlich und spart Zeit und Kosten für alle beteiligten Partner“.

„Circular-Print“ sei heute die top Recycling-Lösung der gesamten Druckbranche und spare bis zu 80 Prozent CO2 gegenüber herkömmlichen Lösungen ein. Diese Kreislauflösung verdeutliche, dass es zu Kunststoff einfach keine auch nur annähernd ökologisch vergleichbare Material-Alternative gäbe. Mittlerweile konnte das Aufbereitungsverfahren für Polypropylen-Platten auch für weitere Polymersysteme adaptiert werden (PS, PVC u. a.).

Schon über 50 Partner aus den Branchen „Druckereien“, „Recycler“, „Logistik“ und „Plattenhersteller“ sind registriert und arbeiten mit dieser Lösung. Im Jahr 2020 konnten trotz Corona-Krise mehrere hundert Tonnen bedruckter Kunststoff-Plattenwaren diesem Upcycling-Prozess unterzogen werden. Die Partner stammen mittlerweile aus sechs verschiedenen europäischen Ländern.

Webseite Circular-Print

Link Circular-Print-Film

Quelle: M2 Consulting GmbH

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