Fast Fashion: Umweltauswirkungen von Textilproduktion und -abfällen

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Foto: Pixabay

Bekleidung, Schuhe und Haushaltstextilien verursachen Wasserverschmutzung und Treibhausgasemissionen und häufen sich auf Deponien. Das EU-Parlament hat hierzu Informationen und Infografiken veröffentlicht.

Fast Fashion – das ständige Angebot an neuer Mode zu sehr niedrigen Preisen – hat dazu geführt, dass die Menge an Kleidung, die hergestellt und weggeworfen wird, stark zugenommen hat. Um die Auswirkungen auf die Umwelt anzugehen, will die Europäische Union den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft beschleunigen.

Im März 2020 nahm die Kommission einen neuen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft an, der eine EU-Strategie für Textilien umfasst, mit der Innovation und Wiederverwendung in der Branche gefördert werden sollen. Das Parlament soll Anfang des Jahres 2021 über einen Initiativbericht über den Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft abstimmen.

Wasserverbrauch

Quelle: EU-Parlament

Für die Herstellung von Textilien werden große Mengen Wasser sowie Flächen zum Anbau von Baumwolle und anderen Fasern benötigt. Schätzungen zufolge wurden in der weltweiten Textil- und Bekleidungsindustrie im Jahr 2015 79 Milliarden Kubikmeter Wasser verbraucht, während sich der Wasserverbrauch in der gesamten Wirtschaft der EU im Jahr 2017 auf 266 Milliarden Kubikmeter belief. Für die Herstellung eines einzigen Baumwoll-T-Shirts werden schätzungsweise 2700 Liter Süßwasser benötigt, was der Menge entspricht, die eine Person in 2,5 Jahren trinkt.

Wasserverschmutzung

Durch die Färbung und Veredelung von Textilien im Rahmen ihrer Herstellung werden schätzungsweise rund 20 Prozent der weltweiten Wasserverschmutzung verursacht. Durch das Waschen von synthetischen Textilien gelangen jährlich schätzungsweise 0,5 Millionen Tonnen Mikrofasern in den Ozean.

Das Waschen synthetischer Kleidung verursacht 35 Prozent aller in die Umwelt freigesetzten primären Mikrokunststoffe. Mit einer einzigen Waschladung von Kleidung aus Polyester können 700.000 Mikrokunststoffasern freigesetzt werden und in unsere Nahrungskette gelangen.

Treibhausgasemissionen

Quelle: EU-Parlament

Schätzungen zufolge verursacht die Modebranche zehn Prozent der weltweiten CO2-Emissionen – mehr als internationale Luftfahrt und Seeschifffahrt zusammen. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur wurden durch den Kauf von Textilien in der EU im Jahr 2017 pro Person rund 654 Kilogramm CO2-Emissionen verursacht.

Textilabfälle auf Deponien

Auch die Art, wie Menschen sich der Kleidung, die sie nicht mehr möchten, wieder entledigen, hat sich geändert, da Kleidung häufig entsorgt statt gespendet wird.

Seit 1996 ist die Menge an Kleidung, die in der EU pro Person gekauft wird, infolge stark gefallener Preise um 40 Prozent gestiegen, was die Lebensdauer der Kleidungsstücke verkürzt hat. Von den Europäern werden jedes Jahr fast 26 Kilogramm an Textilen gekauft und elf Kilogramm entsorgt. Gebrauchte Kleidung kann aus der EU ausgeführt werden, doch der Großteil davon (87 Prozent) wird verbrannt oder landet auf Deponien. Weltweit wird weniger als ein Prozent der Kleidung recycelt und zur Herstellung neuer Kleidungsstücke verwendet, zum Teil wegen ungeeigneter Technologien.

Vorgehen gegen Textilabfälle in der EU

Die neue Strategie soll Fast Fashion entgegenwirken und Leitlinien bieten, um zu erreichen, dass ein großer Teil der Textilabfälle getrennt gesammelt wird.

Quelle: EU-Parlament

Gemäß der Abfallrichtlinie, die vom Europäischen Parlament im Jahr 2018 angenommen wurde, müssen die EU-Mitgliedstaaten Textilabfälle ab 2025 getrennt sammeln. Die neue Strategie der Kommission umfasst auch Maßnahmen zur Förderung von kreislauforientierten Materialien und Herstellungsverfahren, gegen gefährliche Chemikalien und zur Unterstützung der Verbraucher bei der Wahl nachhaltiger Textilien. Mit dem EU-Umweltzeichen, das Hersteller, die ökologische Kriterien beachten, verwenden können, werden ein begrenzter Schadstoffeinsatz und geringere Wasser- und Luftverschmutzung sichergestellt.

Die EU hat auch Maßnahmen eingeführt, um die Umweltauswirkungen von Textilabfällen zu mindern. Mit dem Programm Horizont 2020 wird das Projekt „Resyntex“ zur Anwendung von chemischem Recycling gefördert, das ein kreislauforientiertes Geschäftsmodell für die Textilindustrie sein könnte.

Quelle: EU-Parlament

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