Kunststoffkreislauf mit anerkannten Standards schließen

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Kunststoffgranulat (Bildquelle: Tomra Sorting Recycling)

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe benötigt Standards. Zusammen mit dem Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN) geht das Hamburger Start-up cirplus nun einen wichtigen Schritt auf diesem Weg und hat die DIN SPEC 91446 mit dem Titel „Standards für den (internetbasierten) Handel mit und Verarbeitung von Kunststoffabfällen und Rezyklaten“ initiiert.

Bereits in der letzten Augustwoche konstituierte sich das Konsortium bestehend aus 16 Vertretern der Wertschöpfungskette und Wissenschaft. Dazu gehören neben Kunststoffverarbeitern wie der Greiner AG und der Polifilm GmbH auch Recycler für post-consumer und post-industrial Abfälle wie die DSD GmbH (Der Grüne Punkt), Remondis, die MKV Kunststoffgranulate und die Sortieranlagenhersteller Steinert und Tomra. Die Forschungsseite wird vom Kunststoff-Institut Lüdenscheid, dem Süddeutschen Kunststoff-Zentrum (SKZ), dem Institut für Kunststoffverarbeitung Aachen (IKV) und dem Institut für Kunststoff- und Kreislauftechnik Hannover (IKK) vertreten. Verbandseitig wirken der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) sowie der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) an der Erarbeitung mit.

Christian Schiller, Gründer und Geschäftsführer von cirplus, ordnet den Bedarf nach Standardisierung so ein: „Die Aufbereitung von Kunststoffabfällen für den Wiedereinsatz in gleich- oder höherwertigen Produkten ist eine technologische Herausforderung. Einer der wesentlichen Stolpersteine ist dabei das Fehlen von klaren Normen.“ Mit der DIN SPEC 91446 wolle man dem aktiv begegnen, so der Gründer des B2B-Online-Marktplatzes: „Das hohe Interesse an der DIN SPEC von Seiten der Industrie zeigt dabei einmal mehr, dass in der intelligenten Kombination von Standards für die Realwirtschaft und Digitalisierung von Geschäftsprozessen die Zukunft für die Kunststoff- und Recyclingindustrie liegt.“

Die DIN SPEC soll Standards setzen für:

  • die eindeutige Einstufung von Kunststoffabfällen nach Stoffstrom und Grad der Zirkularität (post-consumer, post-industrial/pre-consumer, post-commercial);
  • (Mindest-)Qualitäten je nach Anwendungsfall des Rezyklats („Qualitätsbänder“), sofern erforderlich und möglich;
  • die Kennzeichnung von Rezyklatanteil und -art in Regranulaten und Compounds;
  • die Prozesse der Handhabung von Kunststoffabfällen und Rezyklaten (Erfassung, Beprobung, Verarbeitung etc.)

„Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im Kunststoffbereich sind Standards unablässig. Wir freuen uns, mit der DIN SPEC 91446 in einer so hochaktuellen Debatte einen Standardisierungsbeitrag leisten zu können – umso mehr begeistert uns, dass die Initiative hier vom Start-up cirplus ausging und nun die Branche zusammenführt“, sagt Benjamin Hein, Leiter Geschäftsfeldentwicklung Circular Economy beim DIN e.V.

Professor Hans-Josef Endres, Leiter des Instituts für Kunststoff- und Kreislauftechnik (IKK), an der Universität Hannover, übernimmt dabei die Konsortialleitung: „Die Zukunft der Kunststoffindustrie erfordert ohne Zweifel Wandel und Abkehr von linearen, rein ökonomisch optimierten Geschäftsmodellen hin zur Kreislaufwirtschaft. Im Kontext des aktuellen Aktionsplans Kreislaufwirtschaft und der darin angekündigten EU-Plastiksteuer für 2021 wird der Trend dabei zu einem qualitativ hochwertigen Rezyklate-Einsatz gehen müssen. Die DIN SPEC 91446 wird für die Qualitätsbewertung, den Handel und die Skalierung des industriellen Rezyklate-Einsatzes eine Schlüsselfunktion übernehmen – unterstützt durch digitale Technologie. Damit schließen wir Lücken in der Normungslandschaft und kommen einer umfassenden Kreislaufwirtschaft im Kunststoffbereich einen Schritt näher.“ Das Konsortium der DIN SPEC 91446 hat seine Arbeit bereits aufgenommen und wird diese in vier bis sechs Arbeitssitzungen voraussichtlich bis Juli 2021 verabschieden.

Über cirplus

Seit Ende 2018 entwickelt das Hamburger Start-up den unabhängigen Marktplatz für recycelte Kunststoffe und Kunststoffabfälle. Das Software-Unternehmen richtet sich weltweit an alle Unternehmen, die mit Kunststoffabfällen und Rezyklaten handeln beziehungsweise in der Produktion einsetzen. Mit digitaler und technischer Expertise verfolgen die cirplus-Gründer Christian Schiller und Volkan Bilici das Ziel, die Menge an Plastikmüll, die in die Umwelt gelangt, auf null zu reduzieren.

cirplus ist im Rahmen des Talent-Accelerator-Programms von Entrepreneur First entstanden. Es ist eines von 16 Unternehmen in Deutschland, die von der Start-up-Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt werden. Gemeinsam mit erfahrenen Pilotpartnern aus der Kunststoff- und Recyclingindustrie, unter anderem der Greiner AG, der Voelpker Spezialprodukte GmbH, dem Kunststoff-Institut Lüdenscheid und der Sund Gruppe, wurde die Plattform entwickelt. Seit März 2020 befindet sich die Plattform im Livebetrieb, mit aktuell über 500.000 Tonnen Material Handelsvolumen. Über 380 Unternehmen aus 49 Ländern, Schwerpunkt Europa, nutzen cirplus bereits. Im April 2020 wurde das Start-up mit dem „Efficient Solution Label“ der Solar Impulse Foundation von Bertrand Piccard ausgezeichnet für die Kombination aus unternehmerischer wie ökologischer Nachhaltigkeit.

Quelle: cirplus

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