Umgang mit Elektroaltgeräten: Was sich Brasilien und Nicaragua abschauen können

793
Elektroschrottdeponie (WEEE disposal site) Agbogbloshie in Ghana (Foto: Dr. Guido Odendahl/Umweltbundesamt

Wissenschaftler der Technischen Universität Hamburg unterstützen Abfallmanagement in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Sascha Diedler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe „Sustainable Resource and Waste Management“ an der TU Hamburg. Als Experte für Abfallressourcenwirtschaft ist er davon überzeugt, dass die Herausforderungen des weltweiten Müllvorkommens nur länderübergreifend gelöst werden können. Deswegen ist Diedler Teil des internationalen Projekts LaWEEEda (Latin American-European network on waste electrical and electronic equipment research, development and analyses). Ziel ist es, die Lehrinhalte an Hochschulen in Brasilien und Nicaragua im Bereich der Abfallwirtschaft moderner und qualitativ hochwertiger zu gestalten.

Jährlich fallen weltweit etwa 53 Millionen Tonnen Elektronikschrott an. Das entspricht im Durchschnitt etwa 7,3 Kilogramm pro Person im Jahr 2019. „Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern wächst das Aufkommen an Elektroaltgeräten besonders schnell“, weiß Sascha Diedler. Verantwortlich seien dafür beispielsweise gesteigerter Wohlstand, die Digitalisierung, veränderte Konsumgewohnheiten und das Bevölkerungswachstum. Zudem exportieren Industrieländer ihre Altgeräte häufig ins Ausland. „Während es in Europa bereits gute Prozesse im Umgang mit Elektroaltgeräten gibt, könnten sich hier Länder wie Brasilien oder Nicaragua noch etwas abschauen. Genau hier setzt unsere Arbeit an“, erklärt der Forscher.

Umfassendes Bildungsprogramm

Um den zunehmenden Abfallmengen gerecht zu werden, bewerteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ausgangslage vor Ort. „Nur wenige Menschen aus Nicaragua oder Brasilien halten sich an gesetzliche Vorgaben für die Abfallentsorgung, geschweige denn für Elektroaltgeräte. Kaputte Kühlschränke, Waschmaschinen oder auch Computer werden häufig am Straßenrand oder in illegalen Sammelstellen entsorgt“, hat Diedler erfahren. Besonders problematisch sei dabei auch der Umgang mit Gefahrgütern wie Kühlflüssigkeiten, Akkus oder auch Batterien: „Häufig werden diese giftigen Stoffe unüberlegt in der Natur entsorgt, mit potenziell schwerwiegenden Folgen für die Umwelt und die dort lebenden Menschen.“

In enger Zusammenarbeit zwischen den Projektpartnern entstand auf dieser Basis ein innovatives Bildungsprogramm für Nicaragua und Brasilien. In neu konzipierten Vorlesungen, Übungen und Exkursionen soll der wissenschaftliche Nachwuchs für mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im Kontext von Abfallthemen sensibilisiert werden. Darauf folgt eine Spezialisierung in Richtung Elektroschrott und wie dieser fachgerecht getrennt, wiederverwertet oder auch endgelagert werden kann.

Sascha Diedler (Foto: TUHH/Franziska Trede)

Dafür haben die Studierenden die Möglichkeit, sich in neu gestalteten Werkstätten mit elektronischen Altgeräten und dessen Bestandteilen vertraut zu machen. Wirtschaftliche Lehrinhalte sollen zudem motivieren, vorhandene Prozesse der Abfallwirtschaft in eigenen Unternehmen umzusetzen und weiterzuentwickeln. Darauf freuen sich Sascha Diedler und sein Team: „Es ist ein gutes Gefühl, die Ingenieure von morgen für aktuelle Herausforderungen zu sensibilisieren und hinsichtlich neuer Lösungsansätze auszubilden. Unser Projekt stärkt auf diese Weise den Wissenstransfer sowie die internationale Zusammenarbeit.“

Neben der TU Hamburg waren an dem Projekt LaWEEEda die Universität für Natürliche Ressourcen und Biowissenschaften (Österreich), die Universität Northampton (Vereinigtes Königreich), die Universidade Estadual Paulista (Brasilien), die Universidade Federal do Rio de Janeiro (Brasilien), die Universidad Tecnológica La Salle (Nicaragua), die Universidad Cristiana Autónoma de Nicaragua (Nicaragua) sowie fünf weitere Kooperativen beteiligt. Gefördert wurde das Projekt durch das „Erasmus+“-Programm der Europäischen Union mit insgesamt 968.000 Euro. Die Laufzeit betrug insgesamt dreieinhalb Jahre und endete im April 2020.

Weitere Informationen

Quelle: TU Hamburg (TUHH)

Anzeige