Mehrwegverpackungen führen im Pflanzenhandel ein Nischendasein

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Pflanzen-Transportverpackung (Foto: Marc Szombathy/Recyclingportal.eu)

„Der deutsche Pflanzenhandel hat ein großes Plastikmüllproblem.“ Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bei mehr als 100 Pflanzenhändlern, Supermarktketten sowie Bau- und Gartenfachmärkten. Auf dem Weg vom Erzeuger zum Handel werden Garten- und Zimmerpflanzen in sogenannten „Pflanztrays“ transportiert. Diese Paletten sind zu 95 Prozent Einwegprodukte und bestehen meist aus Plastik. Pro Jahr fallen in Deutschland rund 150 Millionen dieser Einweg-Transportverpackungen als Abfall an.

Mehrwegverpackungen führen im Pflanzenhandel ein Nischendasein, obwohl sie unnötige Abfälle vermeiden, Ressourcen einsparen und im Vergleich zu Einweg 30 Prozent weniger CO2 verursachen würden. Die DUH fordert einen Wandel in der Pflanzenbranche hin zu wiederverwendbaren Transportverpackungen. Dazu brauche es eine verpflichtende Mehrwegquote, eine steuerliche Besserstellung für Mehrwegtrays und eine Abgabe auf Einweg von mindestens 20 Cent.

„Die EU-Kommission hat letztes Jahr ein Verbot von Einweg-Plastikprodukten wie Wegwerftellern und Besteck beschlossen und Umweltministerin Schulze will Plastiktüten abschaffen. Einweg-Plastikmüll ist längst nicht mehr gesellschaftsfähig. Dennoch setzt die Pflanzenbranche trotz vorhandener Mehrweg-Alternativen massenhaft auf Wegwerfverpackungen. Gerade für den kurzen Transport vom Produzenten zum Händler sind Einwegverpackungen unnötig. Die Transportwege wiederholen sich und sind deshalb perfekt geeignet für Mehrweglösungen. Die Pflanzenbranche kann sich nicht länger wegducken und muss Abfallvermeidung und Wiederverwendung endlich ernst nehmen“, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin, Barbara Metz.

Vor allem die größten Verkäufer von Pflanzen, Lebensmitteleinzelhändler und Baumärkte, setzten fast vollständig auf unökologische Einweg-Transportverpackungen aus Kunststoff. „Allein Lidl ist jährlich für 7,5 Millionen Plastik-Einwegtrays verantwortlich. Beim Baumarkt toom fällt mit jährlich acht Millionen Einwegtrays noch mehr Plastikmüll an. Das ist nicht nachvollziehbar, denn es gibt praktikable Mehrweg-Transportverpackungen, die hunderte Male wiederverwendet werden können. Bei Produktverpackungen in den Verkaufsregalen existiert inzwischen ein relativ großes Bewusstsein für unnötiges Plastik, aber beim nicht ganz so offensichtlichen Transport von Pflanzen wird gesündigt. Das passt nicht zusammen“, kritisiert der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer.

Größter Plastiksünder in der Pflanzenbranche sei das Unternehmen Landgard. Mit 70 Millionen Einweg-Plastiktrays pro Jahr sei der Pflanzenerzeuger hauptverantwortlich für die Plastikmüllflut. Landgard versuche aktuell mit Rewe und der Baumarktkette toom erste Mehrwegpaletten in die Anwendung zu bringen. Jedoch stecke diese Initiative noch in den Anfängen und es müsse sich erst zeigen, wie ernst es der bundesweit größte Pflanzenerzeuger mit Abfallvermeidung und Ressourcenschutz meint.

Lediglich einige Pflanzengroßmärkte sowie kleinere Erzeuger und Händler setzten bislang in größerem Umfang Mehrwegpaletten ein. „Vom Grundsatz her wäre ein branchenweites Mehrwegsystem die beste Lösung, das unabhängig vom Lieferanten ist und von allen Marktteilnehmern gleichermaßen genutzt werden kann. Bei wiederverwendbaren Transportboxen für Schnittblumen ist dies schon seit vielen Jahren der Fall. Der Austausch von herkömmlichen Einwegtrays durch Einwegpaletten aus anderen Materialien, wie Biokunststoff oder Recyclingmaterial, ist der falsche Weg, denn es fällt dadurch kein Gramm weniger Abfall an“, sagt Fischer.

Allein aus den Niederlanden werden beim Transport von Pflanzen jede Woche Einweg-Plastikpaletten mit einem Gesamtgewicht von 200.000 Kilogramm nach Deutschland gefahren, und fallen hierzulande als Abfall an, berichtet die DUH. Ein Umdenken der Super-, Bau- und Pflanzenmärkte in Deutschland würde auch bei den Produzenten in den Niederlanden zu einem verstärkten Einsatz von Mehrwegverpackungen führen, denn die Nachfrage bestimme, was geliefert werde. Neben ökologischen Gründen lohne es sich für den Handel auch aus wirtschaftlicher Perspektive, auf Mehrweg-Transportverpackungen zu setzen: Deren Einsatz seit deutlich günstiger als der ständige Neukauf von Einwegverpackungen.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe