Zum Tag der Umwelt am 5. Juni: Rettet den Recyclingkunststoff!

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Pritt Kleberoller, hergestellt aus dem Recyclingkunststoff Procyclen (Foto: CMF / Interseroh)

Circa zehn Prozent mehr Verpackungsabfälle / Kunststoffrecycling ist immer noch ein Nischengeschäft und durch Corona in seiner Existenz bedroht.

Zum Tag der Umwelt 2020 am 5. Juni fordert der Grüne Punkt, die Kreislaufwirtschaft in Deutschland und in Europa gezielt zu fördern. „Zurzeit geschieht genau das Gegenteil: Der Markt kollabiert. Der extrem niedrige Ölpreis und die Folgen der Corona-Pandemie gefährden massiv alle Erfolge und Bemühungen, Plastik zu recyceln und im Kreislauf zu führen“, warnt Michael Wiener, CEO Der Grüne Punkt. „Deutschland sollte seine EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um sich für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft bei Kunststoff einzusetzen.“

Bedingt durch den Corona-Shutdown steigen die Abfallmengen aus Privathaushalten an. Im Gelben Sack beziehungsweise der Gelben Tonne finden sich seit März 2020 etwa zehn Prozent mehr Verpackungsabfälle. Zwar fallen gleichzeitig weniger Abfälle in Gewerbe und Industrie an, weil viele Betriebe kurzarbeiten und ihre Produktion gedrosselt haben. Doch die Mengen an Kunststoffverpackungen nehmen zu. „Es wird aus hygienischen Gründen mehr verpackt und Restaurants konnten zeitweise Speisen nur noch zur Abholung anbieten – natürlich in Plastik verpackt“, berichtet Wiener.

Ölpreisschock schädigt das Recycling

Also gute Geschäfte für Recycler, die den Abfall aufbereiten und als Rezyklate wieder auf den Markt bringen? Nein, der Markt versagt. Ein extrem niedriger Ölpreis macht Kunststoff, dessen Preis sich schon seit Jahren auf Talfahrt befindet, noch billiger – die Kosten für die Herstellung von Rezyklaten aber hängen von anderen Faktoren ab. Zudem ist es bisher nicht gelungen, die Produktion auszuweiten und damit über Skaleneffekte billiger zu machen. Kunststoffrecycling ist immer noch ein Nischengeschäft. Und: Eine Reihe von Abnehmern von Recyclingkunststoffen hat die Produktion heruntergefahren, weil sie in der Krise ihre Produkte nicht mehr loswurden.

„Der Markt für Recyclingkunststoff sollte rasant wachsen. Das erfordern der Klimaschutz und die Lösung der Plastikkrise, die für eine gigantische Verschmutzung der Umwelt sorgt. Stattdessen droht dem Recycling eine Abwärtsspirale, die alle bisher erzielten Erfolge vernichten könnte“, sagt Wiener. Es bestehe die Gefahr, dass diese Branche am Boden liege, wenn die Wirtschaft wieder hochfahre: „Das bedeutet dann deutlich höheren Ressourcenverbrauch, weil die Kreisläufe unterbrochen sind, und deutlich höheren CO2-Ausstoß, weil statt Recyclingkunststoff neuer Kunststoff verwendet wird.“

Mehr Preisgerechtigkeit und Einsatzquoten für Rezyklate

Der Grüne Punkt fordert die Politik daher auf, der Kreislaufwirtschaft für Kunststoff endlich den Durchbruch zu verschaffen: „Natürlich sind Airlines schicker als Recyclinganlagen – trotzdem sollten auch sie nicht vergessen werden, wenn es um Schutzschirme für bedrohte Wirtschaftszweige geht“, ist Wiener überzeugt. Konkrete Maßnahmen sollten durch Corona gefährdete Betriebe unterstützen und den Wettbewerbsnachteil von Kunststoffrezyklaten gegenüber Neuware reduzieren.

„Wir erleben ein umfassendes Marktversagen. Recyclingkunststoff spart bis zu 50 Prozent der Treibhausgasemissionen, die durch neuen Kunststoff erzeugt werden. Rezyklat-Einsatzziele, die für bestimmte Produktgruppen zu erreichen sind, würden den Absatz von Rezyklaten massiv fördern. Ab Juli 2020 übernimmt die Bundesregierung die EU-Ratspräsidentschaft – eine gute Gelegenheit, entsprechende Maßnahmen voranzubringen.“

Quelle: Der Grüne Punkt

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