WKÖ spricht sich gegen Pflichtpfand auf Getränkeflaschen in Österreich aus

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Pfand auf Getränkeflaschen ist nach Meinung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) „nicht das zielführendste Mittel am Weg zur Kreislaufwirtschaft – es verursacht hohe Kosten, hat aber wenig Nutzen.“

„Die Einführung eines verpflichtenden Pfands auf Getränkegebinde belastet Konsumenten und Handel, ohne der Umwelt Vorteile zu bieten, die nicht durch einfachere Mittel auch erzielt werden können,“ sagt Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). So verursachten die Einhebung des Pfandes, die Erkennung von Flaschen mit Pfand und die Rücknahme in den Geschäften Kosten von rund 120 Millionen Euro pro Jahr. „Tausende Rückgabeautomaten müssten angeschafft werden, kleine Geschäfte müssten einen erheblichen Teil ihrer Fläche für die Rücknahmelogistik opfern, und der Konsument wäre doppelt belastet. Er müsste größere Strecken zurücklegen, um die Flaschen zurückzugeben und Mehrkosten in Kauf nehmen“, führt Schwarzer aus. Denn die Pfandeinführung bedeute bei manchen Getränken eine Verteuerung um 25 Prozent oder sogar mehr.

Sammelsysteme verdichten und bei der Bewusstseinsbildung ansetzen

Heute könne der ressourcenbewusste Konsument seine Wertstoffe in den Gelben Sack oder in der Gelben Tonne zurückgeben, und dies rund um die Uhr in fußläufiger Entfernung. „So ist Recycling am praktischsten und deshalb melden mehrere Regionen bereits heute Rücklaufquoten nahe 80 Prozent. Daher ist uns um die Erreichung der von der EU vorgeschriebenen 90-Prozent-Erfassungsquote nicht bang, das schaffen wir mit den richtigen Angeboten und Informationen auch ohne Verpflichtungen“, meint Schwarzer.

Kampagnen der jüngeren Vergangenheit hätten bewiesen, dass Menschen bereit sind, sich umweltfreundlich zu verhalten, wenn sie dazu die Möglichkeit haben. Daher gelte es, die Sammelsysteme zu verdichten und bei der Bewusstseinsbildung anzusetzen. Das Argument, durch das Pfand werden weniger Gebinde auf der Straße oder in der Natur weggeworfen, greift nach Ansicht der WKÖ zu kurz. Schwarzer: „Wollen wir noch mehr Sauberkeit im öffentlichen Raum, müssen wir das Problem an der Wurzel packen und beim Bewusstsein der Menschen ansetzen.“ Der Ausbau der Sammelsysteme und die bessere Ausstattung von Freizeitanlagen wie Parks und Wanderwegen mit Sammelbehältern sei das Gebot der Stunde.

„Im Vordergrund – aus Sicht der Ressourcenschonung – steht, dass möglichst viele Wertstoffe den Weg zurück in den Wirtschaftskreislauf finden und nicht in Entsorgungsanlagen landen. Die österreichische Wirtschaft bekennt sich zu den hoch gesteckten Zielen der Wertstofferfassung. Das heutige System ist noch weiter auszubauen, Konsumenten soll das umweltgerechtes Verhalten in allen Situationen leichtgemacht werden. Das entlastet die Umwelt ebenso wie das Geldbörserl“, fasst Schwarzer zusammen. Denn Wertstoffe würden auf kurzem Weg erfasst werden und der Aufbau einer teuren Infrastruktur bliebe erspart.

Aus für kleine Nahversorger wäre schlecht für die Umwelt

Das Pfandsystem hat für die WKÖ aber noch einen weiteren gravierenden Nachteil: Es gefährde jene kleinen Nahversorger, die aus ganzheitlicher ökologischer Sicht besonders wichtig seien. Knapp 300.000 Menschen leben in Gemeinden kleiner 1000 Einwohner, von ihnen seien viele auf ihren örtlichen Nahversorger angewiesen. „Diese sind wegen der Ausdünnung des ländlichen Raums jetzt schon gefährdet, drückt man ihnen auch noch das Getränkepfand aufs Auge, werden manche ihre Kosten nicht mehr decken können und das Handtuch werfen“, glaubt Schwarzer. Müssten die Einkäufer nur zehn Kilometer weit zum nächsten Markt fahren, resultierten daraus pro Jahr mindestens 15.000 bis 20.000 Tonnen CO2-Emissionen.

Quelle: Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)