Asse II: BUND legt Positionspapier zum Umgang mit radioaktiven Abfällen vor

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Das um die Wende zum 20. Jahrhundert gebaute Salzbergwerk Asse wurde 1965 zum weltweit ersten unterirdischen Lager für Atommüll (Bildquelle: BUND)

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, findet beim maroden Atommülllager Asse II ein Wettlauf mit der Zeit statt. Die Schachtanlage in Niedersachsen ist eine tickende Bombe: Die Asse ist instabil und droht mit Wasser vollzulaufen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) legt ein Positionspapier zum Umgang mit den radioaktiven Abfällen vor.

Bereits vor zehn Jahren haben das Bundesumweltministerium und die damals zuständige Behörde festgestellt, dass die radioaktiven Abfälle aus dem Atommülllager Asse II zurückgeholt werden müssen. Das Volllaufen des Bergwerkes und die Einsturzgefahr wegen mangelnder Gebirgsfestigkeit sind ernste Bedrohungen. Dennoch wird aus Sicht des BUND der Prozess unnötig verschleppt. Auch der am 27. März endlich veröffentlichte Rückholplan des inzwischen zuständigen staatlichen Unternehmens, Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), sei viel zu vage und lasse keine Beschleunigung erkennen. Der BUND kritisiert diese gefährliche Nachlässigkeit scharf.

„Die Asse ist einer der größten Atomskandale. Die damals politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen haben dort gegen jede Vernunft und ohne unabhängige wissenschaftliche Expertise leicht- und mittelradioaktiven Strahlenmüll eingelagert“, erklärt BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. „Das BUND-Papier belegt klar: Schnelles Handeln unter größtmöglichen Sicherheitsstandards und Strahlenschutzanforderungen ist zwingend erforderlich.“

Fünf Forderungen des BUND

Die Rückholung aller in die Asse eingelagerten radioaktiven Abfälle und dadurch kontaminierten Materialien muss schnellstmöglich erfolgen. Die Strahlenbelastung für Personal und Bevölkerung ist dabei so gering wie möglich zu halten. Bei der Rückholung und den anschließenden Schritten im Umgang mit dem Atommüll müssen hohe Sicherheitsstandards und Strahlenschutzanforderungen gelten und umgesetzt werden. Die Standortauswahl für die Konditionierung der zurückgeholten Abfälle zunächst in der Nähe der Asse muss unmittelbar beginnen. Dies muss mit dem unverzüglichen Beginn der Kriterien-gesteuerten Standortauswahl für die längerfristige Zwischenla­gerung Asse-nah und Asse-fern einhergehen.

Bandt: „Leider sind die Informationen über Herkunft, Inhalt und Verpackung der Fässer lückenhaft, zudem sind sie in bedenklichem Zustand. Das macht den Umgang mit dem Atommüll umso aufwändiger, gleichzeitig aber den schnellstmöglichen Beginn der Rückholung umso dringlicher.“ Bei einer Rückholung müsse alles getan werden, um die notwendigen Sicherheitsstandards und Strahlenschutzanforderungen für Zwischenlagerung, Transport und Endlagerung des Atommülls zu erreichen. Ein Transport ohne vorherige Charakterisierung und Konditionierung der Abfälle könnte die drastischen Folgen eines möglichen Unfalls noch einmal erheblich verstärken.

Außerdem müsse unmittelbar mit der Auswahl eines Standorts für die Charakterisierung, Pufferlagerung und Konditionierung begonnen werden. Dabei seien zunächst für Asse-nahe Standorte die Ausschlusskriterien des zwischen Betreiber, Asse-Begleitgruppe und der Arbeitsgruppe Optionen-Rückholung (AGO) abgestimmten Kriterienkataloges für den Zwischenlagerstandort zu berücksichtigen. Nur wenn danach kein Standort in der Nähe der Schachtanlage möglich sei, sollten weiter entfernte Standorte einbezogen werden.

Hintergrund

Das um die Wende zum 20. Jahrhundert gebaute Salzbergwerk Asse wurde 1965 zum weltweit ersten unterirdischen Lager für Atommüll. Im sogenannten Forschungsbergwerk sollte erkundet werden, in welcher Form in Salzstein der hochgefährliche Müll eingelagert werden kann; die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen sollten später in Gorleben zur Anwendung kommen. Zwischen 1965 und 1978 wurden über 120.000 Fässer schwach- und mittelradioaktiven Atommülls aus Forschungsanlagen, aber auch aus Atomkraftwerken, eingelagert. Spätestens seit 1988 ist bekannt, dass Grundwasser in das illegitime Atommülllager eintritt.

Pufferung und Konditionierung: Nach der Charakterisierung, also ihrer Bestimmung, lagern radioaktive Abfallstoffe für planmäßig kurze Zeit zwischen (Pufferung), bis sie durch Konditionierung in einen chemisch und physikalisch stabileren Zustand gebracht werden. Dies soll die Gefahr unerwünschter Reaktionen verringern. Zudem werden sie dadurch in ihrem Volumen reduziert. Abhängig von Zusammensetzung, Zustand und Eigenschaften, kommen unterschiedliche Verfahren zur Konditionierung der radioaktiven Abfälle zum Einsatz.

BASK: Die wissenschaftliche Aus- und Erarbeitung des Papiers erfolgte durch die Atom- und Strahlenschutzkommission (BASK) des BUND. Dieses Gremium setzt sich aus vom Bundesvorstand berufenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen, die den Verband beraten.

BUND-Positionspapier zum Umgang mit radioaktiven Abfällen (PDF)

Quelle: BUND

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