Pfandsystem für Plastikflaschen: 83 Prozent der Bürger in Österreich sind dafür

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Bild: Pixabay

Die österreichische Bevölkerung wünscht sich ein stärkeres Vorgehen und mehr Verantwortung bei Plastikabfällen. Das zeigt eine aktuelle Meinungsumfrage, die vom britischen Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov für die Changing Markets Foundation und Global 2000 durchgeführt wurde. 83 Prozent der Befragten spricht sich für ein Einweg-Pfandsystem in Österreich aus.

Die Gesamtstichprobengröße betrug 1000 Erwachsene. Die Erhebung wurde zwischen dem 4. und 11. Februar 2020 durchgeführt und online abgewickelt. Die Zahlen wurden gewichtet und sind den weiteren Angaben nach repräsentativ für alle österreichischen Erwachsenen (ab 18 Jahren).

„Alle Zeichen stehen auf ein Pfandsystem“, folgert Lena Steger, Plastik- und Ressourcen Expertin von Global 2000, aus dem Umfrageergebnis. „Es hat die breite Zustimmung der Bevölkerung, es ist laut einer Studie der Bundesregierung der wirkungsvollste und kostengünstigste Weg, um EU-Vorgaben zu erreichen, und es würde dabei helfen, den Müll in der Natur zu reduzieren. Die österreichische Bundesregierung sollte sich für die Einführung eines Pfandsystems aussprechen und anderen europäischen Best-Practice Beispielen folgen.“

93 Prozent für mehr Unternehmensverantwortung

Die Ergebnisse der Befragung bewiesen klar, dass die österreichische Bevölkerung eine nachhaltigere Verwendung von Ressourcen unterstützt. Im Rahmen der Befragung wurden insgesamt drei Fragen untersucht. Die Auswertung zeigt, dass 86 Prozent der erwachsenen Österreicher der Ansicht sind, dass mehr zur Reduktion von Plastikmüll unternommen werden soll. 93 Prozent meinen, dass Plastik-Produzenten und Unternehmen, die Produkte in Plastikverpackungen verkaufen, zum Management von Plastikabfällen beitragen sollten. Die Frage nach der Einführung eines Pfandsystems in Österreich befürworten 83 Prozent der Befragten. In den Bundesländern Oberösterreich und Tirol ist der Wunsch nach einem Pfandsystem am größten.

Wie in vielen anderen europäischen Staaten wird die Einführung eines Einweg-Pfandsystems für Plastikflaschen, Dosen, Einweg-Glas und Getränkeverbundkarton nun auch in Österreich heftig diskutiert. Grund dafür ist die im Juli 2019 in Kraft getretene Einwegplastik-Richtlinie der EU, die die Auswirkungen von Plastik auf die Umwelt deutlich reduzieren soll. Die Richtlinie drängt zu einem Wandel weg von Einweg-Produkten hin zu Mehrweg-Systemen. Sie beinhaltet unter anderem auch die Vorgabe einer getrennten Sammlung von allen auf dem nationalen Markt platzierten Plastikflaschen von 90 Prozent bis 2029. Mit einem Pfandsystem kann diese getrennte Sammelquote leicht erreicht werden, wie die Rücklaufquoten in anderen europäischen Ländern zeigen.

Einweg-Pfand und Mehrwegschutz

Litauen ist eines der zehn Länder in Europa, in dem ein derartiges Pfandsystem bereits erfolgreich umgesetzt wurde. 2015 hatte Litauen noch eine getrennte Sammelquote von nur 34 Prozent für Plastikflaschen, nach der Einführung eines Einweg-Pfands konnte innerhalb von weniger als zwei Jahren bereits eine getrennte Sammelquote von 92 Prozent erreicht werden. Gleichzeitig wird es Kunden erleichtert, sich für die Mehrwegflasche zu entscheiden, da die Getränkeverpackungen auf dieselbe Weise retourniert werden. Um jedoch den Kunden die Wahlfreiheit im Supermarkt zu gewährleisten, braucht es verbindliche Mehrwegquoten.

„Ein Pfandsystem ist ein dringend notwendiger erster Schritt, um den gedankenlosen Einsatz von Einwegplastik zu reduzieren und gegen die Vermüllung der Natur anzukämpfen. Keine andere Methode ist so effektiv gegen Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung“, kommentiert Steger. „Österreich sollte sich an zahlreichen guten Beispielen orientieren und die besten Varianten kombinieren. Wir haben jetzt die Gelegenheit, in Österreich ein weltweit führendes System mit verbindlichen Mehrwegquoten für den Handel aufzubauen und so gegen die Plastikflut anzukämpfen.“

Quelle: Global 2000