Klaus Feichtinger und Manfred Hackl erhalten Europäischen Erfinderpreis 2019

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Foto: Europäisches Patentamt

Die Maschinen von Klaus Feichtinger und Manfred Hackl verwandeln unterschiedliche Kunststoffabfälle effizient in hochwertige Pellets, aus denen neue Produkte hergestellt werden können.

Das Europäische Patentamt (EPA) auf einer Galaveranstaltung in Wien die österreichischen Erfinder und Geschäftsführer Klaus Feichtinger und Manfred Hackl mit dem Europäischen Erfinderpreis 2019 in der Kategorie „Industrie“ ausgezeichnet. Gemeinsam haben sie das Kunststoffrecycling neu gestaltet. Mit Hilfe ihrer Technologie können verschiedene Arten von Kunststoffabfällen recycelt werden. Die von ihren Maschinen produzierten Pellets sind nicht von neuen Kunststoffen zu unterscheiden und können für die Herstellung neuer Produkte verwendet werden.

„Feichtinger und Hackl haben fast ihre gesamte Karriere der Verbesserung des Kunststoffrecyclings gewidmet“, sagte EPA-Präsident António Campinos. „Sie haben die Effizienz des Recyclings gesteigert. Das ist eine gute Nachricht zur Nachhaltigkeit für die Wirtschaft  und zeigt, wie Innovationen in der Industrie dazu beitragen können, auch ökologische und gesellschaftliche Probleme anzugehen.“

An der Verleihung des Europäischen Erfinderpreises in der Wiener Stadthalle nahmen rund 600 Gäste aus den Bereichen geistiges Eigentum, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Lehre teil. Der Preis wird jährlich vom EPA vergeben, um herausragende Erfinder aus Europa und der ganzen Welt auszuzeichnen, die einen außergewöhnlichen Beitrag zu Gesellschaft, technologischem Fortschritt und Wirtschaftswachstum geleistet haben. Die Finalisten und Gewinner in fünf Kategorien (Industrie, Forschung, KMU, Nicht-EPO-Staaten und Lebenswerk) wurden von einer unabhängigen internationalen Jury aus einem Pool von Hunderten von Erfindern und Erfinderteams ausgewählt, die für den diesjährigen Preis vorgeschlagen wurden.

Eine Kernkomponente: die Gegenstromtechnologie

Das Kunststoffrecycling ist seit Langem ein Thema für die Industrie, da es weitaus komplexer ist als die Verarbeitung von Materialien wie Glas und Metallen. Diese müssen im Grunde nur sortiert, gereinigt und geschmolzen werden, um wiederverwendet zu werden. Jede Art von Kunststoffpolymer erfordert hingegen ein spezifisches Verfahren, um wiederverwertbares Material zu gewinnen. Deshalb werden von den 58 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen, die jedes Jahr in der EU anfallen, auch nur 30 Prozent recycelt. Die beiden österreichischen Erfinder Feichtinger und Hackl stellen sich dieser Herausforderung, indem sie moderne Recyclingmaschinen entwickeln und bauen; diese bewegen, sortieren und filtern Kunststoffmaterial und liefern am Ende hochwertige Pellets, die zur Herstellung neuer Produkte verwendet werden können.

Eine Kernkomponente dieser Recyclingmaschinen – und die Grundlage für die Nominierung für den Europäischen Erfinderpreis 2019 – ist die Gegenstromtechnologie von Feichtinger und Hackl: Abfallmaterial wird in einen Extruder geleitet und in die entgegengesetzte Richtung zum Fluss der Extruderschnecke gedreht. Hackl erklärt: „Es ist so ein bisschen so, wie wenn man an einem Bach sitzt, einen Becher nimmt und ihn entweder in Fließrichtung füllt – dann ist das Gefäß nur teilweise voll – oder es gegen die Fließrichtung ins Wasser hält – so ist der Becher die ganze Zeit vollständig gefüllt.“ Dank dieser Methode können mehr Abfallstoffe schneller als bisher und bei niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden. Ihr Ansatz macht Kunststoffabfälle somit zu einer wertvollen Ressource.

Was als einfache Skizze begann, brachte die Erfinder dazu, das Kunststoffrecycling neu zu gestalten. „Unsere Maschinen recyceln Kunststoff zu Pellets, ohne die Umwelt zu belasten“, sagt Feichtinger. „Die Pellets werden anschließend zu neuen, alltäglichen Produkten verarbeitet.“ Das bedeutet, dass die Maschinen auch die Kreislaufwirtschaft in der Branche fördern. Hackl fügt hinzu: „Die patentierte Technologie wird heute weltweit in unseren Maschinen eingesetzt und sorgt für mehr Leistung, bessere Qualität und höhere Prozessstabilität.“

Quelle für neue Ideen

Die österreichische Technologie wird über das Unternehmen Erema vermarktet, das Hackl als CEO leitet und in das Feichtinger, der vor Kurzem als Mitgeschäftsführer zurückgetreten ist, weiterhin sein Know-how als Manager im Bereich des geistigen Eigentums und der neuen Technologien einbringt. Heute sind mehr als 6.000 der Erema-Recyclingsysteme in 108 Ländern in Betrieb. Die Maschinen produzieren jährlich mehr als 14,5 Millionen Tonnen Kunststoffpellets, was das Unternehmen nach eigenen Angaben zum Weltmarktführer in der Entwicklung und Produktion von Kunststoff-Recyclingsystemen macht.

Die beiden Erfinder sind gemeinsam Inhaber von 37 erteilten europäischen Patenten für ihre Recyclinginnovationen. Feichtinger erläutert die Bedeutung des Schutzes von geistigem Eigentum für ihre Arbeit: „Für den wirtschaftlichen Erfolg spielen Patente eine große Rolle. Sie inspirieren und sind eine Quelle für neue Ideen. Durch Patente kann man sehen, wie Probleme von anderen gelöst werden und neue Konzepte sowie andere Wege zur Lösung von Herausforderungen erdacht werden.“ Hackl fügt hinzu: „Sie haben uns bei unseren Bemühungen geholfen, die Kunststoffindustrie dazu zu ermutigen, sich der Kreislaufwirtschaft zuzuwenden.“

Das gemeinsame Ziel der Erfinder ist es, Kunststoffrecycling in Zukunft so selbstverständlich und weit verbreitet zu sehen wie die Wiederverwertung von Papier oder Glas. Damit soll die Art und Weise, wie die Gesellschaft dieses allgegenwärtige Material nutzt und wiederverwendet, grundlegend verändert werden.

Quelle: Europäisches Patentamt