Alttextilien: Immer mehr Masse statt Klasse – Erfassungssystem droht Kollaps

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Wenn es um die Frage eines nachhaltigen Textilkonsums geht, liegt das Augenmerk meist auf den ökologischen und sozialen Bedingungen bei der Produktion von Textilien. Vernachlässigt wird dagegen oftmals das Ende der Kette. Anlässlich der Woche der Nachhaltigkeit warnt Andreas Voget, Geschäftsführer des Dachverband FairWertung e.V.: „Am Ende der textilen Kette sehen wir bereits die fatalen Folgen eines nicht nachhaltigen Kleiderkonsums. Wir müssen dringend umsteuern.“

Inzwischen werden weltweit mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke pro Jahr hergestellt. Dahinter steht das Geschäftsmodell „Fast Fashion“. In der Folge sinkt die Nutzungsdauer der einzelnen Kleidungsstücke. Und diese Kleiderflut kommt nun am Ende der Kette in den Sammlungen der gemeinnützigen Organisationen an. Über eine Million Tonnen werden in jedem Jahr in Sammlungen gegeben – mit stark steigender Tendenz. Die Branche, die an erster Stelle tragbare Kleidungsstücke als Secondhand-Ware wiederverwendet und nicht mehr tragbare Teile dem Downcycling zuführt, kann die enormen Mengen kaum noch aufnehmen. Mit existenzbedrohenden Konsequenzen für die gesamte Alttextilbranche in Deutschland.

Herausforderung sinkende Qualitäten

Ein immer größerer Anteil aus den Kleidersammlungen muss direkt dem Downcycling zugeführt werden. Dies wird allerdings zunehmend zum Problem. Denn die stark steigenden Mengen an minderwertigen Textilien können gar nicht mehr verarbeitet werden – es fehlt an ausreichenden Verwertungsmöglichkeiten und marktfähigen (Recycling-)Produkten. Dadurch landet ein zunehmender Teil der minderwertigen Textilien am Ende in der Verbrennung – insgesamt eine gigantische Ressourcenverschwendung.

Sammlung von minderwertigen Textilien nicht kostendeckend

Für gemeinnützige Sammler vermindern solche (Billig-)Textilien die Qualität der eigenen Sammlung und damit auch die Erlöse aus der Sammlung. Unmoderne, abgetragene oder zerschlissene Textilien sind längst keine Hilfe mehr – im Gegenteil: sie stellen eine erhebliche Kostenbelastung dar. Der steigende Anteil minderwertiger Textilien gefährdet auf diese Weise die Wirtschaftlichkeit der Sammlungen sogar insgesamt.

Kleiderspende? Bitte nur unbeschädigte und moderne Stücke

Entsprechend stellen lediglich moderne und unbeschädigte Kleidungsstücke eine echte Unterstützung für gemeinnützige Sammler dar. Als Faustregel für Verbraucher gilt daher: Eine Kleiderspende ist es nur, wenn man die Textilien auch im Freundeskreis weitergeben würde. Für nicht mehr tragbare, aufgetragene oder kaputte Textilien bleibt zunehmend nur eine anderweitige Entsorgung – im Zweifel über die Restmülltonne.

„Wir brauchen ein Umdenken entlang der gesamten textilen Kette“, fordert daher Voget. Bereits im Produktdesign müsse die Recyclingfähigkeit von Kleidungsstücken mitgedacht werden. Außerdem müsse die Langlebigkeit von Textilien wieder ein Kaufkriterium für Verbraucher sein.

Quelle: Dachverband FairWertung