Nachhaltige Kreislaufwirtschaft erfordert Zusammenspiel aller Akteure

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Foto: Alvin Aden Ardenrich Pan / Pixabay

Die Auswirkungen des Negativ-Trends „Fast-Fashion“ könnten für einige Unternehmen der Alttextilbranche bald existenzbedrohliche Züge annehmen. Hat eine echte textile Kreislaufwirtschaft in Zukunft eine Chance? Darüber diskutierten die Teilnehmer auf dem 8. Internationalen Alttextiltag.

Die Textile Kreislaufwirtschaft benötigt internationale Vernetzung aller Akteure!
„Die Textilrecyclingunternehmen sind ein wichtiger Teil der textilen Kreislaufwirtschaft. Rund die Hälfte der gesammelten Alttextilien wird wiederverwendet, die Recyclingquote insgesamt liegt bei starken 90 %. Jedoch kann unser hochwertiges, ökonomisch und ökologisch sinnvolles System des Textilrecyclings in Zukunft nur gemeinsam mit allen großen Playern der textilen Kreislaufwirtschaft, der Textilindustrie, der staatlichen Abfallwirtschaft, den gemeinnützigen Sammlern und auch den Verbrauchern gesichert und weiterentwickelt werden“, machte bvse-Vizepräsident Martin Wittmann vor den rund 80 Teilnehmern in Fulda deutlich.

Auswirkungen von Fast Fashion bringen Branchenunternehmen in ExistenznotFür die Unternehmen der Alttextilbranche gibt es derzeit keinen Grund, optimistisch in die Zukunft zu sehen, erklärte Wittmann in seiner Einführungsrede. „Das Masse-statt-Klasse-Prinzip der sich am Markt immer weiter ausdehnenden Textildiscounter bringt das kostenfreie privatwirtschaftliche System der Altkleiderverwertung allmählich ins Wanken“, so Wittmann.

Seit Monaten sind die Sammelmengen von Alttextilien überdurchschnittlich hoch. Die Lager der Textilrecycler laufen voll – und das mit Sammelware von äußerst minderwertiger Qualität. Immer mehr Unternehmen sind aufgrund begrenzter Lagerflächen gezwungen, sich der Abwärts-Preisspirale für Sammelware zu beugen, um die Ware überhaupt noch los zu werden. Hinzu kommen zusätzliche Kosten, die die betriebswirtschaftliche Kalkulation belasten, beispielsweise für die Beseitigung von Fremdstoffen und querkontaminierten Textilien, für die es keinen anderen Weg als die ressourcenvernichtende Müllverbrennung mit hohen Verbrennungskosten gibt.

Wenn es dazu kommt, und wahrscheinlich ist es, dass die erzielbaren Preise am Markt geringer sind als die Kosten für die Erfassung und Verwertung, führt dies über kurz oder lang zu einer existenzbedrohlichen Situation für viele Sammler und Sortierer.

„Die Aussicht, dass die Unternehmen unserer Branche sich gezwungen sehen, ihre Geschäfte aufzugeben und Alttextilien dann wieder zunehmend in die Reißerei oder in die Verbrennung gehen, wäre ein Zukunftsszenario, das niemand will“, warnte Wittmann. Auch entspräche dies nicht der Hierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, das der Wiederverwendung ganz klar den Vorrang gegenüber dem Recycling und der weiteren Verwertung gibt.

Lösung im Dialog mit der Textilindustrie finden
Einen Ausweg sieht Wittmann nur mit und über die Textilindustrie. Diese müsse in Zukunft für ihre Produkte auch nach dem Verkauf mehr Verantwortung übernehmen. „Anstelle einer staatlichen Regelung befürworten wir als Verband der Privatwirtschaft ein privatwirtschaftlich organisiertes System mit freiwilliger Selbstverpflichtung“, schlug Wittmann vor. So wäre denkbar, dass sich die Textilindustrie über eine Gebühr im Rahmen der, auch im Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgesehenen, erweiterten Produktverantwortung, an den Kosten für die Sammlung und die Sortierung ihrer eigenen Produkte beteiligt. Zielführend sei darüber hinaus eine (Selbst-)Verpflichtung, den Neutextilien mindestens eine bestimmte Quote von Recyclingmaterial beizumischen, um das Faserrecycling zu fördern. Insgesamt muss ein Anreiz geschaffen werden, die Herstellungsqualität allgemein zu verbessern und damit die Wiederverwendbarkeit der Produkte zu erhöhen.

„Hierzu haben wir bereits den Dialog mit allen Beteiligten aufgenommen und werden diesen demnächst noch weiter vertiefen, um gemeinsam Lösungen zu finden“ erklärte bvse-Vizepräsident Martin Wittmann.

Quelle: bvse