IE expo China 2019 in Shanghai: Chinas Abwasserwirtschaft im Fokus

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Während Deutschland über 8.000 Kläranlagen verfügt, sind es in China nur rund 3.000 (Bildquelle: Messe München GmbH)

Sauberes Wasser ist in China eine knappe Ressource. Über 80 Prozent des Grundwassers gelten in unterschiedlichem Maße als verschmutzt, so ein Bericht von Germany Trade & Invest. Um die Trinkwasserqualität zu verbessern, sind gewaltige Investitionen erforderlich, die im 13. Fünfjahresprogramm (2016-2020) der chinesischen Regierung mit 85 Milliarden US-Dollar angesetzt sind.

Auch die Anforderungen an die Klärung industrieller Abwässer sind gestiegen. Welche Marktchancen sich daraus für internationale Unternehmen ergeben, unterstreichen die Experten und Aussteller der IE expo China 2019, Asiens führender Umwelttechnologiemesse.

Abwasser- und Klärschlammbehandlungsverfahren stehen an erster Stelle. „Chinesische Städte haben einen erheblichen Nachholbedarf im Bereich Kläranlagen“, sagt Prof. Dr. Martin Wagner, Professor für Abwassertechnik an der TU Darmstadt und Leiter des Länderforums China bei German Water Partnership (GWP). Während Deutschland über 8.000 Kläranlagen verfüge, seien es in China nur rund 3.000. Im ganzen Land existierten weniger als 60

Faulungsanlagen und noch weniger Verbrennungsanlagen. Zudem sei die hohe Schwermetallverunreinigung aus den Sickerwässern der Deponien eine Herausforderung, da das Grundwasser verunreinigt wird. Gefragt seien neben Verbrennungsanlagen für Klärschlamm und weiteren Behandlungsverfahren auch Membrananlagen, die kleinste Teilchen aus verunreinigtem Wasser herausnehmen, und Desinfektionsanlagen.

Erfolgreiche Unternehmen im chinesischen Abwassermarkt

Indes sind schon etliche internationale Hersteller auf dem chinesischen Abwassermarkt erfolgreich unterwegs. Zum Beispiel das Schweizer Unternehmen Endress+Hauser, das seit 1995 mit Sales Centern in China präsent ist und seit 2002 dort Durchflussmessgeräte fertigt. „Im Bereich Wasser und Abwasser sind elektromagnetische- sowie ultraschall-basierte Durchflussmessgeräte sehr gefragt. Wir stellen mit unserer neuen Produktgeneration Proline eine starke Nachfrage für digitale Features bezüglich der Gerätebedienung sowie Geräteverifikation (Heartbeat Technology) fest“, sagt Geschäftsführer Dr. Bernd-Josef Schäfer. Künftige Marktchancen für internationale Unternehmen bieten sich, Schäfer zufolge, verstärkt in den Themen Digitalisierung und Solutions.

Auch der österreichische Anlagenbauer Andritz ist im Reich der Mitte aktiv. „In China stellen wir eine Vielzahl von Produkten für die mechanische Separation her, des Weiteren auch Anlagenteile für die thermische Trocknung: Im speziellen High Performance- Zentrifugen und -Membranfilterpressen“, sagt Dr. Michael Buchbauer, Pressesprecher der Andritz AG. Steigende Nachfrage nach ausländischen Technologien gebe es hinsichtlich der thermischen Trocknung. Diese könne von chinesischen Firmen nicht oder nur teilweise gedeckt werden. Buchbauer: „Die Entsorgung von Abwasserschlamm ist ein zentrales Thema für den lokalen Markt. Die technologische Entwicklung zielt auf die Erhöhung des Trockengehalts des Schlammkuchens und die Reduktion des Schlammvolumens ab.“ Zudem erwarte der Konzern unverändert gute Marktchancen für konventionelle Separationslösungen.

Die Gebr. Bellmer GmbH (Deutschland) ist seit 2005 mit der Tochterfirma Bellmer China in Shanghai vertreten. Dort fertigt und endmontiert sie die Winkelpresse, Bandfilterpressen für die Entwässerung verschiedener Schlämme und den Turbodrain, Bandeindicker zur Eindickung von Schlämmen und Prozesswasserfiltration. Alle in Shanghai produzierten Maschinen sind nach Angaben des Unternehmens ausschließlich für den chinesischen Markt bestimmt. Potenzial hätten für die Firma insbesondere Technologien zur Klärschlammentsorgung.

Weitere globale Player erwartet

Auf der IE expo China, die vom 15. bis zum 17. April 2019 in Shanghai stattfindet, werden weitere internationale Unternehmen erwartet, die mit ihren innovativen Technologien den chinesischen Abwassermarkt bereichern könnten. Dazu zählen die deutschen Hersteller Aqseptence, Huber, Netzsch und Wilo, der US-Konzern Xylem, das dänische Unternehmen Grundfos sowie De Nora aus Italien. Auf einer Ausstellungsfläche von 150.000 Quadratmetern werden 2.000 Aussteller im Shanghai New International Expo Centre (SNIEC) erwartet. Neben Abwassertechnologien wartet die chinesische Tochtermesse der Münchner IFAT mit Lösungen zur Wasserversorgung, Abfallbehandlung, zum Recycling sowie zur Luftreinhaltung auf die Besucher.

Mehr Informationen unter: www.ie-expo.com

Quelle: Messe München GmbH