Scholz sieht wirtschaftliche Bedeutung von Sekundärrohstoffen in Gefahr

1633
Quelle: Scholz Holding GmbH

Rheinbreitbach — „Eine Reihe von politischen Maßnahmen sind notwendig, um die Bedeutung von Recycling zu erhöhen,“ sagte Dr. Beate Kummer, Sprecherin der Scholz Holding GmbH, anlässlich eines Workshops der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) in Berlin. „Die Importabhängigkeit der Wirtschaft im Wert von 143 Mrd. Euro kann durch höheren Einsatz von Sekundärrohstoffen verringert werden. Nur 15 Mrd. € entfallen heute auf die heimische Produktion und nur etwa 10 Mrd. € auf das Recycling.“

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung aus 2013 ist festgelegt, dass die DERA regelmäßig ein Monitoring kritischer Rohstoffe durchführen soll. Ziel ist, die deutschen Unternehmen rechtzeitig auf kritische Entwicklungen internationaler Rohstoffmärkte hinzuweisen. Zudem soll die DERA Ausweichstrategien bei Hinweisen zur Kritikalität zu erarbeiten. Im vorliegenden ersten Entwurf einer Rohstoffliste 2014 habe man zahlreiche Rohstoffe in Risikogruppe 3 („hohes Liefer- und Preisrisiko“) eingestuft. Dazu gehören beispielweise die Raffinadeprodukte von Blei, Gallium, Indium, Magnesium, Roheisen, Seltene Erden und Zinn, um nur einige zu nennen. Als Ausweichstrategien wird ein stärkeres Engagement der deutschen Industrie in den Ländern erwartet, wo die höchsten Rohstoffvorkommen zu erwarten sind (wie beispielsweise in China für Seltene Erden).

Experten des internationalen Recyclingunternehmens Scholz sowie anderer international tätiger Unternehmen sehen hierbei eine sehr einseitige Sichtweise. Beispielweise hätten mittelständische Unternehmen nicht das Potenzial, sich an Minen in Südostasien zu beteiligen. „Die deutsche Recyclingwirtschaft erwartet von der Bundesregierung und der deutschen Rohstoffagentur als nachgeordnete Institution mehr Kreativität und Unterstützung bei der Bemühung, insbesondere kritische Rohstoffe aus Endprodukten wie Elektrogeräten oder Fahrzeugen zurück zu gewinnen. Auch die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Deponien und Altgebäuden steckt noch in den Kinderschuhen,“ betonte Beate Kummer.

Die Recyclingwirtschaft habe enormes Wachstumspotenzial in Deutschland und ganz Europa; dies käme aber nur zum Tragen, wenn Fehlentwicklungen und rechtliche Hürden abgebaut würden. So würde der illegale Export von Elektroaltgeräten und Altfahrzeugen nicht konsequent bekämpft. Deutsche Verbrennungsanlagen würden mit Sekundärrohstoffen wie Kunststoffen „gefüttert“, um Kapazitäten auszulasten, statt Importe aus angrenzenden EU-Ländern mit fehlenden Kapazitäten zuzulassen. Der Einsatz von Sekundärrohstoffen in Neuprodukten würde oft durch überzogene Qualitätsanforderungen und Normen behindert. Die Scholz Gruppe sei auch enttäuscht, dass Deutschland in den letzten Tagen bei der EU-Kommission in Brüssel nicht verhindert habe, dass das Kreislaufwirtschaftspaket zurückgezogen wird. Hier sei eine einmalige Chance verspielt worden, ambitionierte Vorgaben für alle EU-Länder zu machen, um endlich die Deponierung zu beschränken.

„Wenn weitere Investitionen zur Erreichung höherer Recyclingquoten in der EU erwartet werden, ist Rechts- und Investitionssicherheit von größter Bedeutung. Dies sehen wir derzeit weder in Deutschland noch in anderen EU-Ländern,“ unterstrich Oliver Scholz, CEO der Scholz Holding GmbH.

Quelle: Scholz Holding GmbH