Keine direkte Gefährdung: Mikroplastik in Schweizer Gewässern untersucht

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Wasserfall (Foto: ©Dieter Schütz / http://www.pixelio.de)

Bern, Schweiz — Im Auftrag des BAFU hat die ETH Lausanne Schweizer Gewässer auf das Vorkommen von Kunststoff-Kleinstpartikeln – sogenanntes Mikroplastik – untersucht. In den meisten Proben der sechs untersuchten Schweizer Seen und der Rhone wurden Mikroplastik-Partikel nachgewiesen. Obwohl die gemessenen Konzentrationen keine direkte Gefährdung für Umwelt und Wasserqualität darstellen, ist deren Vorkommen in Gewässern unerwünscht und tangiert das geltende Verunreinigungsverbot der Gewässerschutz-Gesetzgebung.

Über die Verschmutzung der Meere mit Mikroplastik wurden bereits zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Zur Belastung der Binnengewässer hingegen liegen bis heute kaum Angaben vor. Deshalb hat das BAFU die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) beauftragt, eine erste Bestandesaufnahme in den Schweizer Gewässern durchzuführen und mögliche Auswirkungen aufzuzeigen.

Zwischen Juni und November 2013 wurden aus Genfersee, Bodensee, Neuenburgersee, Lago Maggiore, Zürichsee und Brienzersee sowie aus der Rhone bei Chancy an der Grenze zu Frankreich Proben entnommen. Diese Proben von der Wasseroberfläche und dem Sand von Stränden wurden auf das Vorkommen und die Art der Kunststoffpartikel mit einer Grösse zwischen 0,3 und 5 mm untersucht.

In fast allen Proben nachgewiesen

Ausgehend von den Ergebnissen aus der Rhone wurde geschätzt, dass circa 10 kg Mikroplastik pro Tag durch den Fluss nach Frankreich transportiert werden und somit zur Meeresverschmutzung beitragen können.

Von den 33 Sandproben, die an den Stränden der untersuchten Seen entnommen wurden, waren zwölf frei von Mikroplastik. Die Belastung betrug im Mittel circa 1000 Mikroplastik-Partikel pro Quadratmeter.

Grösstenteils Kunststofffragmente

Mit 60 Prozent der in den Wasserproben nachgewiesenen Partikel dominierten Kunststofffragmente, vorwiegend aus Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP), welche typischerweise in Verpackungen vorkommen. 10 Prozent der Partikel bestanden vorwiegend aus expandiertem Polystyrol (EPS), das häufig in Isolationsmaterialien verwendet wird. Weitere häufig gefundene Partikel-Typen sind Folien oder Fasern.

In den Sandproben gehörten die Partikel zu 50 Prozent der Kategorie Schaumstoffe an. Nachgewiesen wurde auch der Kunststoff Celluloseacetat, aus dem Zigarettenfilter hergestellt werden.

Industriell hergestelltes Mikroplastik, wie beispielsweise die in Pflegeprodukten verwendeten PE-Kügelchen, machte nur einen verschwindend kleinen Anteil des gesamten Mikroplastiks aus.

Keine unmittelbare Gefährdung

Die gemessenen Konzentrationen zeigen, dass natürliche organische Partikel und somit potenzielle Nahrung für planktonfressende Organismen gegenüber Mikroplastik überwiegen. Immerhin enthielten aber drei von 40 untersuchten Fischen und acht der neun gefundenen und untersuchten Vogelkadaver im Verdauungstrakt kleine Mengen an Mikroplastik. Aus diesen ersten Beobachtungen lassen sich aber nur schwer Rückschlüsse ziehen. Gemessen am Gefährdungspotential ist Mikroplastik gegenwärtig kein vordringliches Problem für die Wasserqualität der Schweizer Gewässer – im Gegensatz zu Mikroverunreinigungen, beispielsweise durch Pestizide.

Die Gefahr, dass Mikroplastik via Grund- oder Seewasser ins Trinkwasser gelangt, wird als gering eingestuft. Mikroplastik wird durch Filtration bei der Trinkwasseraufbereitung aus dem Wasser entfernt. Aus heutiger Sicht besteht daher kein gesundheitliches Risiko für den Menschen. Zudem dürften nur relativ geringe Schadstoffmengen aus dem Mikroplastik in die Gewässer transportiert werden.

Eintrag von Kunststoffen vermindern

Kunststoffe werden in den Gewässern nur sehr langsam abgebaut. Die Belastung der Gewässer mit Mikroplastik ist unerwünscht und tangiert das geltende Verunreinigungsverbot der Gewässer. Es sind Massnahmen an der Quelle nötig, um die Belastung der Umwelt mit Kunststoff zu verringern. Darüber hinaus muss – so die ETH Lausanne – diese erste Bestandesaufnahme ergänzt werden durch zukünftige Studien über die relativen Beiträge von Quellen wie Abwasserreinigungsanlagen, Fliessgewässer, Regenwasserentlastungen und Strassenentwässerungen sowie die Umweltrelevanz von Kunststoffpartikel, die kleiner sind als 0,3 mm.

Die Studie „Évaluation de la pollution par les plastiques das les eax de surface en Suisse“ kann unter news.admin.ch heruntergeladen werden.

Quelle: Bundesamt für Umwelt (BAFU)