Neues Textil filtert Wert- und Edelmetalle aus Industrieabwässern

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Quelle: Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West gGmbH

Essen / Krefeld — Mit der Entwicklung textiler Adsorbermaterialien zur Rückgewinnung von Wertmetallen aus industriellen Reststoffströmen haben Textilforscher des Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West e.V. (DTNW) aus Krefeld der Recyclingwirtschaft eine Steilvorlage gegeben.

Der in einem BMWi-geförderten Projekt der Industriellen Gemeinschaftsforschung entwickelte Ansatz u. a. zur Rückgewinnung von Palladium ist so innovativ, dass kürzlich der Förderverein Fraunhofer UMSICHT seinen diesjährigen Wissenschaftspreis an den federführenden DTNW-Wissenschaftler Dr. Thomas Mayer-Gall vergab. Die Jury würdigte die Arbeit wegen ihrer wissenschaftlich/technischen und wirtschaftlichen Relevanz. Das Verfahren, so hieß es in der Laudatio, habe eine große Perspektive zum Einsatz in der Industrie und leiste damit einen Beitrag zum Ressourcenschutz.

Das im Forschungsprojekt favorisierte Polyelektolyt-ausgerüstete Textil besteht aus Polyester und Polyvinylamin und somit aus preiswerten und kommerziell in unbegrenzter Menge verfügbaren Grundmaterialien. Die Materialien können durch gängige Verfahren der Textilausrüstung einfach und im industriellen Maßstab kombiniert werden. Ihre Modifizierung führt zu textilen Substraten mit außerordentlich hohen Polyvinylamin-Auflagen zwischen 20 und 30 Gewichtsprozenten.

Die Praxistauglichkeit des neuen Absorbermaterials konnte eindrucksvoll an der Filtration eines realen Palladium-haltigen Abwassers aus der Leiterplattenindustrie demonstriert werden. Hierbei wurden bis zu 20 mg Palladium je Gramm Textil gebunden, wobei ubiquitäre Störionen wie Calcium, Magnesium oder Eisen keinen negativen Einfluss auf die Adsorberbeladung haben. Die nachfolgende Verhüttung lieferte das reine Edelmetall. Die Ergebnisse des Projekts ermöglichen klein- und mittelständischen Unternehmen der Textilindustrie, mit geringem Aufwand ein hochgradig innovatives textiles Spezialprodukt für die Rückgewinnung von Edelmetallen aus industriellen Reststoffströmen herzustellen und entsprechend zu vermarkten.

Ferner bietet das Adsorbertextil gerade auch Firmen der metallverarbeitenden Industrie die Chance, hochwertige Metalle auch aus niedrigkonzentrierten Reststofflösungen bzw. Abwässern kostengünstig zurückzugewinnen, gegebenenfalls sogar dort, wo sich eine Aufbereitung bisher mit konventionellen Methoden nicht lohnte bzw. unmöglich war. Aus den jetzt vorliegenden Ergebnissen lässt sich direkt das Potential für eine Vielzahl weiterer Anwendungen der hochgradig innovativen Adsorbertextilien ableiten, so im Bereich der Umwelttechnologien, wo die modifizierten Textilien etwa bei der Dekontamination schwermetallbelasteter Grundwässer und Böden Verwendung finden könnten.

Quelle: Forschungskuratorium Textil e. V. (FKT) / Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West gGmbH