Pilotprojekt: Thermische Behandlung von Klärschlamm mit Phosphor-Rückgewinnung

2025
Kläranlage Grünstadt (Foto: „Entsorgungs- und Servicebetrieb Grünstadt AöR (Abwasserwerk)“)

Mainz — Eine Pilotanlage zur zukunftsweisenden Verwertung von Klärschlamm hat gestern Umweltministerin Ulrike Höfken an der Kläranlage Grünstadt in Betrieb genommen. „Klärschlämme sind oftmals mit Schwermetallen und organischen Schadstoffen belastet, die sich in Böden und Gewässern langfristig anreichern und die Lebensmittelerzeugung belasten können. Vor dem Hintergrund der anstehenden Novellierung der Klärschlammverordnung des Bundes wollen wir für Rheinland-Pfalz die Strategie für eine umweltverträgliche und wirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm fortentwickeln“,  erklärte Höfken. Dabei sei der so genannte Klärschlammreformer in Grünstadt ein Leuchtturmprojekt. Das Land habe die Anlage mit knapp 440.000 Euro gefördert. Bauherr und Betreiber ist der Entsorgungs- und Servicebetrieb Grünstadt AöR.

Mit der innovativen Technik in Grünstadt soll Klärschlamm umweltfreundlich und energieeffizient in Dünger umgewandelt werden. Durch die thermische Behandlung werden die im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe reduziert. „Dabei bleibt der wertvolle Nährstoff Phosphor erhalten. Diese Möglichkeit der Rückgewinnung des weltweit knappen Rohstoffs könnte Schule machen“, sagte Höfken und verwies darauf, dass eine ertragreiche Landwirtschaft auf hochwertige Phosphatdünger angewiesen sei. In Grünstadt werde nun erprobt, ob sich der reduzierte Klärschlamm als Pflanzendünger eigne. Vorbildlich sei darüber hinaus die Energieeffizienz der Kläranlage in Grünstadt, wo Klärgas in Strom umgewandelt werde. Zudem werde die entstehende Abwärme zur Unterstützung der vorhandenen solaren Klärschlammtrocknung verwertet.

Die Ministerin wies darauf hin, dass in Rheinland-Pfalz derzeit 65 Prozent der anfallenden Klärschlämme in der Landwirtschaft als Dünger ausgebracht werden. „Bereits ab 2015 wird sich durch eine Verschärfung der Grenzwerte für Schadstoffe der Anteil des Klärschlamms, der in die Landwirtschaft ausgebracht werden kann, erheblich reduzieren“, erklärte Höfken. Zudem werde mit der geplanten Novellierung der Klärschlammverordnung die landwirtschaftliche Nutzung weiter eingeschränkt. Vor diesem Hintergrund könne sich der Klärschlammreformer zu einer geeigneten Alternative für die Verwertung der Klärschlämme entwickeln, die aufgrund ihrer Belastung nicht wie bisher in der Landwirtschaft ausgebracht werden können. Die Anlage in Grünstadt solle nach einem vier- bis sechsmonatigen Probebetrieb in den Regelbetrieb übergehen.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten