Prof. Uwe Clausen: Kreislaufwirtschaft kann von „Green Logistics“ profitieren

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Prof. Uwe Clausen (Foto: WFZruhr / Uwe Clausen)

Lünen — Die Verkehrslogistik spielt in der Entsorgungs- und Recyclingbranche eine zentrale Rolle. Neuerungen in Fahrzeugtechnik und Telematik stehen staubedrohten Autobahnen und überlastetem Schienenverkehr gegenüber. Welche Trends sind also in der Organisation der Verkehrsinfrastruktur zu erwarten? Drei Fragen stellte „WFZruhr – Das Magazin“ an Professor Dr.-Ing. Uwe Clausen vom Fraunhofer-institut für Materialfluss und Logistik iML und dem Institut für Transportlogistik iTL an der Technischen Universität Dortmund.

Welche Zukunftstrends gibt es in der Verkehrslogistik?

Die Verkehrslogistik wird durch Güterstruktur- und Logistikeffekte gefordert. Die weltweite Arbeitsteiligkeit führt zu steigenden Entfernungen und – im längerfristigen Trend – zu einer wachsenden Güterverkehrsleistung. Wir sehen Trends zu getakteten Netzwerken im Stückgut, auch über Landesgrenzen hinweg, sowie höhere Anforderungen an die Sendungsverfolgung und IT-Integration. Ortungs-, Navigations- und Identifikations-Technologie unterstützen Ansätze des dynamischen Routings und im Yard Management an den Nahtstellen von Verkehr und Umschlag/Produktion.

Wie kann die Kreislaufwirtschaft von „Green Logistics“ profitieren?

„Green Logistics“ schafft Transparenz in den Umweltwirkungen der Prozesse (Dienstleistungen, Produkte): Wo entstehen welche Umweltwirkungen (Emissionen, Energieverbrauch) und in welchem Maße? Gleichzeitig bietet „Green Logistics“ Stellhebel (grüne Lösungen) an, mittels derer eben diese Umweltwirkungen reduziert oder ganz vermieden werden können – teilweise mit bereits heute etablierten „grünen“ Lösungen, teilweise existieren aber erst Pilotanwendungen. Die Kombination von Transparenz und grünen Stellhebeln versetzt daher Unternehmer in die Lage, zielgerichtet umwelteffiziente Lösungen auszuwählen. Dabei spielt die Branche eine untergeordnete Rolle; in vielen Branchen kann die Umwelteffizienz verbessert werden. Steigt die Umwelteffizienz der Kreislaufwirtschaftsprozesse und damit der Produkte (z. B. Sekundärressourcen), so ist ihr Umweltvorteil gegenüber Primärressourcen entsprechend deutlich. Die Kreislaufwirtschaft kann so wettbewerbsfähig werden und Beiträge zu ressourcenschonender Produktion leisten.

Auf welche Weise können Unternehmen der Kreislaufwirtschaft ihre Abläufe umweltschonender gestalten?

Dazu gibt es in der Kreislaufwirtschaft viele Möglichkeiten. Hierzu zählt u. a. der Einsatz alternativer Antriebe (Gas-, Hybrid- oder Elektroantrieb) bei der Sammlung (Kurzstrecke), auf der Langstrecke eher nur Gasantriebe. Neueste Fuhrparks (Euro-Klasse VI) dienen der Reduktion lokaler Luftschadstoffe. Ganz wichtig: Regelmäßige Fahrerschulungen helfen Treibstoff sparen. Standort-/Revier-/Tourenoptimierung tragen zur Erhöhung der Mengenbündelung und Vermeidung von Verkehren bei. Auch der Einsatz von Ortungssystemen für Behälter und damit die Kenntnis über den tatsächlichen Bestand ist wesentlich. Im „Green Logistics“-Projekt hatte die Deutsche Post dies für Wechselbrücken getestet und den Transportaufwand reduziert.

Das Interview ist mit freundlicher Genehmigung aus „WFZruhr – Das Magazin“ entnommen, das auch kostenfrei unter info@wfz-ruhr.de bestellt werden kann.

Quelle: WFZruhr – Das Magazin