Österreichs Glasrecycling als europäisches Best Practice-Beispiel ausgezeichnet

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(v.l.n.r.) Christoph Scharff, Karl Friedrich Falkenberg, Andrä Rupprechter, Sylvia Freygner, Harald Hauke, Ulrike Lunacek und Paul Rübig (Foto: Austria Glas Recycling, Alexander Louve)

Brüssel — Zu einem hochrangig besetzten Business Breakfast zum Thema Recyclingwirtschaft trafen Vertreter aus Politik und Wirtschaft in Brüssel zusammen. Sämtliche Redner verwiesen während der einstündigen Diskussion auf die steigende Bedeutung von Abfallmanagement, Ressourcenverwertung und Kreislaufwirtschaft im europäischen Binnenmarkt und würdigten die österreichische Abfallwirtschaft als europäisches Vorzeigemodell. Einhellig betonten sie, dass die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Sekundärressourcen durch Recycling von Abfällen als Wirtschaftsfaktor an Bedeutung gewinnt.

Karl Friedrich Falkenberg, Generaldirektor der GD Umwelt der EU-Kommission, verwies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit, Europas Wirtschaft weg von einem linearen System – produzieren, konsumieren, wegwerfen – hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu entwickeln, in der Abfall als (Sekundär-)Ressource erhalten bleibt und durch Wiederverwendung in den Wirtschaftskreislauf zurück geführt wird. Falkenberg: „Die so genannte Kreislaufwirtschaft ist ein grundlegendes Element, um Ressourceneffizienz zu erreichen.“

In die gleiche Kerbe schlug Gastgeber und Europaparlament-Abgeordneter Paul Rübig: „In wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es wichtig die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu stärken, um Arbeitsplätze und Wohlstand in Europa halten und ausbauen zu können. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Länder mit einer höheren Industriequote besser durch die Krise gekommen sind. Das Bekenntnis Europas zu ambitionierten Energie- und Klimazielen muss mit einem Bekenntnis zur europäischen Industrie einhergehen. Um eine Industriequote von 20 Prozent bis 2020 realisieren zu können, braucht es daher neben attraktiven Standortbedingungen auch einen möglichst effizienten und nachhaltigen Einsatz von Ressourcen. Im rohstoffarmen Europa stellt die Importabhängigkeit die rohstoffintensive Industrie vor große Herausforderungen, da die damit verbundenen Kosten den größten Anteil stellen.“

Glasrecycling – Urform der Kreislaufwirtschaft

Allerdings dürfe und könne dieses europäische Wachstum nicht auf Kosten der Umwelt passieren, so der einstimmige Tenor aller Gesprächsteilnehmer. Klar ist: Nur die Balance zwischen sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit führt langfristig zu echtem Erfolg, wobei ressourcenschonendes Wirtschaften auch bedeutet, eine effiziente Abfallwirtschaft in den einzelnen Staaten zu verankern. Österreich gehört hier zu den Spitzenreitern innerhalb der Europäischen Union .

Speziell das Glasrecycling, das als Urform der Kreislaufwirtschaft und als Vorbild für ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Stoffkreisläufe gilt, hat hierzulande lange Tradition und hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Sammlung und Verwertung von Glasabfällen, die von der Austria Glas Recycling GmbH als Non-Profit-Unternehmen im Rahmen des ARA Systems verantwortet und gesteuert werden, gelten heute als europäisches Best-Practice-Beispiel für funktionierende Abfallwirtschaft. Dementsprechend wurde das Unternehmen im Zuge des Business Breakfast als erstes überhaupt mit dem neu entwickelten PSR Recycling- Qualitätszertifikat ausgezeichnet.

Österreichisches Glasrecycling als europäisches Best-Practice-Beispiel

In diesem Zusammenhang würdigte Österreichs Umwelt- und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, der die Auszeichnung überreichte, die Vorreiterrolle Österreichs: „Mit einer Recyclingquote bei Glasverpackungen von rund 85 Prozent liegen wir im internationalen Spitzenfeld und sind richtungweisend für Europa. Dieses Engagement ist nicht nur für Umwelt, sondern auch für den heimischen Wirtschaftsstandort wichtig.“ Denn die Abfallwiederverwertung führe zu einer Steigerung der Ressourceneffizienz, was wiederum die österreichische Industrie im internationalen Wettbewerb stärke. „Letztlich sichert das Arbeitsplätze im Inland und fördert damit die Wirtschaft – der Kreis schließt sich.“ Und weiter: „Ich freue mich und bin stolz, dass mit der Austria Glas Recycling als erstes ein österreichisches Unternehmen das neue Recycling-Qualitätszertifikat erhält“, so der Minister in Brüssel.

Österreich mit 85 Prozent Recyclingquote an der Spitze

Dr. Harald Hauke, der als Geschäftsführer der Austria Glas Recycling GmbH die Auszeichnung in Brüssel entgegennahm, nutzte die Gelegenheit, um das österreichische Erfolgsmodell Glasrecycling vorzustellen: Mit ca. 80.000 bereitgestellten Sammelbehältern und einem Entsorgungsvolumen von rund 160 Litern pro Einwohner und Jahr bietet Austria Glas Recycling ein flächendeckendes System, das die Sammlung, Sortierung und Verwertung der Glasverpackungen in Österreich umfasst. Die Zahlen seien beeindruckend: Allein im vergangenen Jahr wurden österreichweit 234.000 Tonnen Altglas gesammelt und verwertet; das entspricht einer Recyclingquote von 85 Prozent. „EU-weit sind es nur 70 Prozent, Österreich nimmt also auf diesem Gebiet einen absoluten Spitzenplatz ein. Das zeigen auch Umfragedaten, nach denen 97 Prozent der Menschen hierzulande ihr gesamtes oder zumindest das meiste Altglas sammeln“, so Hauke.

Europaweite Qualitätsstandards im Glasrecycling

Das P/S/R Zertifikat, das der Austria Glas Recycling in Brüssel verliehen wurde, würdigt allerdings nicht nur die Vorreiterrolle Österreichs bei der Altglassammlung, sondern bescheinigt dem Unternehmen auch einen hohen Qualitätsstandard in der Erbringung von öffentlichen Dienstleistungen. Entwickelt wurde das Zertifikat sowie die diesem zugrunde liegende P/S/R Guideline / Glasreycling vom österreichischen P/S/R Institut; künftig soll damit europaweit ein unabhängiges und neutrales Qualitätssicherheitsmodell für eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Erbringung von Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse (DAWI) implementiert werden.

Dazu PSR-Institutsvorstand Dr. Sylvia Freygner: „Angepasst an die spezifischen Herausforderungen des Glasrecyclings wurden in Zusammenarbeit mit der Industrie und öffentlichen Stakeholdern sektorspezifische Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien definiert, die eine qualitativ hochwertige und flächendeckende Leistungserbringung in den Mitgliedstaaten sicherstellen. Dabei richtet sich die PSR Glasreycling Guideline an Unternehmen, die im Bereich von Sammlung und Verwertung von Glasverpackungen tätig sind.“

Abfallvermeidung und Recycling als Top-Prioritäten

„Recycling ist in der europäischen Abfallhierarchie immens wichtig“, erklärte auch Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments beim Business Breakfast. „Es steht hinter der Abfallvermeidung und der Wiederverwendung unter den Top-3-Prioritäten der EU-Abfallrahmenrichtlinie.“ Lunacek betonte die vorrangige Bedeutung der Reduzierung des Ressourcenverbrauchs und nahm dabei auch ihr Heimatland Österreich in Bezug auf Abfallvermeidung und Wiederverwertung in die Pflicht. Gleichzeitig würdigte sie die heimischen Leistungen in Bezug auf Recycling und Kompostierung. Hinsichtlich des P/S/R-Labels stellte Lunacek klar, dass „das Recycling Modell von Guidelines vor allem deswegen wichtig ist, um europaweite Qualitätsstandards zu entwickeln“.

Allerdings forderte sie neben einer solchen freiwilligen Zertifizierung auch gesetzliche Rahmenbedingungen in den Mitgliedstaaten, um unter anderem die Abfallwirtschaft europaweit auf ein gleiches Niveau zu heben. Derzeit fiele die Recyclingwirtschaft in den einzelnen EU-Staaten noch sehr unterschiedlich aus; im EU-Schnitt werden 42 Prozent des Abfalls recycelt oder kompostiert. Während Österreich diesen Wert mit rund 60 Prozent deutlich übertrifft, sind Länder wie etwa Rumänien mit 5 Prozent noch weit von den angepeilten Standards entfernt. Die Herausforderung ist, dass die Mitgliedstaaten für die nationale Ausgestaltung von Qualitätsvorgaben zuständig sind und eine Harmonisierung unter den Mitgliedstaaten daher schwer erzielbar ist, weshalb die Idee der gemeinsamen Erarbeitung von P/S/R Guidelines hier eine wichtige Rolle spielen könnte.

Quelle: Austria Glas Recycling GmbH