Symposium: „Einsatz von Stahlwerks-Schlacken zu Unrecht unterbunden“

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Podiumsdiskussion mit (v.l.n.r.) Angie Roß, Prof. Andrea Versteyl (avr Berlin), Dr. Heribert Motz, Markus Ferber, Herbert Fohringer (Marienhütte Graz), Hans Jürgen Kerkhoff (Wirtschaftsvereinigung Stahl) (Foto: Lech-Stahlwerke / Markus Kihm)

Meitingen – Am 23. und 24.10.2014 fand im SGL-Forum in Meitingen das 3. Symposium „Schlacken aus der Metallurgie“ statt. Nach den erfolgreichen Veranstaltungen der Jahre 2011 und 2012 wurde auch dieses Jahr Meitingen für zwei Tage wieder zum Mittelpunkt der deutschen und europäischen Stahlindustrie.

Mit einem interessanten Themenmix aus Forschung, Umwelt, rechtlichen Entwicklungen lockten Dr. Michael Heußen (Geschäftsführer Lech-Stahlwerke), Dr. Heribert Motz (Geschäftsführer FEHS – Institut für Baustoffforschung e.V., Duisburg) und Georg Geißler (Geschäftsführer Max Aicher Umwelt GmbH) ein hochkarätiges Redner- und Gästefeld mit mehr als 130 Fachleuten der deutschen und europäischen Stahlwirtschaft sowie der Recycling-Wirtschaft und Politik nach Bayern.

Die diesjährige Veranstaltung sollte unter dem Motto „Chancen für Umwelt und Wirtschaft“ vor allem einen wichtigen Beitrag zur Information und Aufklärung in Bezug auf die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Schlacken aus der Metallurgie leisten. Immer wieder zeigt sich leider, dass entgegen der politischen Vorgaben auf Bundes- und Landesebene zum bevorzugten Einsatz von Recyclingbaustoffen der Einsatz von Stahlwerksschlacken zu Unrecht und wegen Unwissenheit, Fehlinformation und falsch motiviertem politischen Druck unterbunden wird.

Kratzer: Mehr über Einsatzmöglichkeiten von Schlacken aufklären

Dr. Monika Kratzer, Ministerialrätin im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, führte dazu in Ihrer Rede und in der anschließenden Diskussionsrunde aus, dass es aus Ihrer Sicht eine ganz wesentliche Zukunftsaufgabe der Wirtschaft und speziell der Stahlindustrie sei, mehr an der Aufklärung der Öffentlichkeit über die Einsatzmöglichkeiten von Schlacken zu arbeiten und noch stärker anhand positiver Projekte und wissenschaftlicher Arbeit zur Information beizutragen.

In Bezug auf den Einsatz von 500 Tonnen Elektroofenschlacke beim Bau des Klinikum Augsburg schlug Dr. Kratzer vor, dass solche Projekte stärker bekannt gemacht werden müssten, um einen Imagewandel herbeizuführen und der Bevölkerung (und damit in der Folge auch der Politik) die Angst vor dem großen Unbekannten „Schlacke“ zu nehmen.

Roß: Bereits Tausende Gutachten erstellt

Die Verleihung eines Nachhaltigkeitspreises für das Klinikprojekt zum Beispiel könnte eine solche Maßnahme sein, so die Podiumsrunde in der Diskussion. Frau Angie Roß, a.tv Moderatorin und auch Moderatorin des diesjährigen Symposiums, hakte hier direkt ein: „Wir haben nun in vielen Vorträgen erfahren, dass bereits Tausende Gutachten erstellt und veröffentlicht wurden, es wird zum dritten Mal dieses Symposium durchgeführt und die Öffentlichkeit, Bürgerinitiativen und Behörden eingeladen, die dann lediglich durch Desinteresse und Abwesenheit glänzen – was soll die Industrie denn noch alles machen, um zu sachlicher Information und Aufklärung beizutragen?“ Diese Frage blieb leider unbeantwortet – weil sie genau den Kern trifft.

Viele der Schlackenkritiker möchten sich offenbar gar nicht mit dem Thema auseinandersetzen: Es ist schließlich auch einfacher gegen etwas zu sein, als für etwas Position zu beziehen. Hier ging Frau Kratzer allerdings mit gutem Beispiel voran und machte ein Angebot entsprechende Gespräche zu führen: „Mein Angebot gilt, hier aktiv Mitzuwirken und Gespräche zu führen. Wer mich kennt, weiß, dass ich zu meinem Wort auch stehe!“

Ferber: Politik uneins über Einsatz von Recyclingbaustoffen

Markus Ferber, MdEP und Bezirksvorsitzender der CSU Schwaben, zeigte mit einem Beitrag in der abschließenden Podiumsdiskussion dann auch sehr schön ein weiteres Problem auf – nämlich die Uneinigkeit der Politik, die bislang entgegen der Vorgaben von Bund und Länder zum bevorzugten Einsatz von Recyclingbaustoffen handelt und Unterstützung auf dem Weg zum Imagewandel der Schlacke und deren Verwendung in öffentlichen Bauprojekten weitgehend vermissen lässt. In Bezug auf die vorangehende Forderung nach mehr Aufklärung und Information und ggf. einer Preisverleihung für das Augsburger Klinik-Projekt führte er aus: „Wieso sollte man dies so besonders hervorheben? Wir berichten ja auch nicht darüber, wenn auf einer Baustelle wieder 10 LKW mit Kies eingesetzt werden!“

Heußen: Schlackenerzeuger mit dem Nebenprodukt Stahl?

Dr. Michael Heußen griff in seinen Schlussworten das Thema der immer ausführlicher geäußerten Forderung nach Eigeninitiative der Industrie beim Thema Information und Aufklärung der Öffentlichkeit präzise und verständlich auf: „Bislang wurde immer wieder überlegt, ob wir ein Schlackenerzeuger mit dem Nebenprodukt Stahl sind. Nun muss man wohl ernsthaft überlegen, ob die Zukunft der Lech-Stahlwerke vielleicht sogar als „Marketingunternehmen mit Nebenproduktion EOS und angegliederter Stahlerzeugung“ richtiger beschrieben werden könnte?

Quelle: Lech-Stahlwerke