Umweltakademie Fresenius: Europäische Union stellt auf Kreislaufwirtschaft um

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Quelle: Umweltakademie Fresenius

Dortmund — Die Zeiten der linearen Wirtschaft in Europa sind gezählt. Im Sinne von mehr Nachhaltigkeit und eines hohen Lebensstandards will die EU das bisherige System in eine Kreislaufwirtschaft umwandeln. Welche Schritte hierfür bereits in die Wege geleitet wurden, zeigte die Intensivtagung „Abfallrecht 2015“ der Umweltakademie Fresenius am 29. und 30. Oktober 2014 in Mainz.

Im vergangenen Jahr wurde das siebte Umweltaktionsprogramm der EU beschlossen, das bis 2020 laufen wird und den Titel „Gut leben innerhalb der Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten“ trägt. Das Programm leitet die Umwandlung der linearen Wirtschaft in die Kreislaufwirtschaft ein. Wie Dr. Michael Oberdöfer (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NZW, LANUV) unterstrich, werde die Umwandlung der Wirtschaft nicht nur den Umweltschutz und die Ressourceneffizienz voranbringen, sondern  auch das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung in der EU stärken werde. Zudem sei der ressortübergreifende Ansatz des neuen Kreislaufwirtschafts-Konzepts ein Meilenstein für die Staatenunion, fügte Oberdörfer hinzu. Bereits bis 2015 sollen Methoden entwickelt werden, mit denen der Verbrauch von Land, Wasser und Rohstoffen bewertet werden kann. Zudem ist geplant, einen zentralen Indikator für Ressourceneffizienz in das Europäische Semester einzubeziehen.

Ambitionierte Ziele bis 2030

Auf Basis einer breiten Folgenabschätzung, in die auch die Mitgliedstaaten in Form von Befragungen und Länderbesuchen sowie die beteiligten Kreise durch Konsultationen einbezogen wurden, hat die Europäische Kommission ein umfassendes Kreislaufwirtschafts-Paket entwickelt, in dem konkrete Recyclings- und Wiederverwendungsziele benannt werden. Demnach soll der Anteil bei Siedlungsabfällen von derzeit knapp über 40 Prozent bis 2020 auf 50 Prozent ansteigen. Bis 2030 habe die EU die 70-Prozent-Marke im Blick, so Oberdörfer. Die angepeilten Quoten für die Aufbereitung von Verpackungsabfällen sind noch höher gesteckt: bis 2030 soll hier der Anteil auf 80 Prozent steigen.

Für Eisenmetalle, Aluminium, Glas und PPK wird sogar eine Quote von 90 Prozent angestrebt. Ab 2025 soll eine getrennte Sammlung von Bioabfällen und die Pflicht eingeführt werden, recycelbare Abfälle zum Großteil nicht mehr zu deponieren. Maximal zulässig sei dann nur noch eine Deponierungsquote von 25 Prozent, führte Oberdörfer weiter aus. Darüber hinaus strebt die EU als Wunschziel die Reduzierung der Restabfall-Deponierung auf 5 Prozent ab 2030 an. Um die gesetzten Ziele tatsächlich erreichen zu können, ist die Einführung eines Frühwarnsystems in das Kreislaufwirtschafts-Paket integriert. Dieses sieht jeweils drei Jahre vor einem gesetzten Zieljahr, also konkret in den Jahren 2017, 2022 und 2027, Berichte der Europäischen Umweltagentur zu den einzelnen Mitgliedstaaten vor. Oberdörfer wies allerdings darauf hin, dass trotz Frühwarnsystem Zweifel daran bestehen, ob die gesetzten Ziele fristgerecht von allen EU-Staaten eingehalten werden können.

Neue einheitliche Berechnung der Recyclingquote

Ein zentraler Baustein des neuen Kreislaufwirtschafts-Pakets ist die einheitliche Berechnung der Recyclingquote. Bei dieser werden Abfälle vom Input in die Anlage bis zur endgültigen Verwertung berücksichtigt – der nicht verwertete Output wird abgezogen. Auch Abfälle, die ihre Abfalleigenschaft verloren haben, sind in das Konzept integriert. Oberdörfer merkte an, dass zunächst geplant gewesen war, die einheitliche Berechnungsart in den Mitgliedstaaten umsetzen zu lassen. Auf Basis der dann über mindestens drei Jahre ermittelten Daten könnten anschließend anspruchsvolle Ziele festgelegt werden.

Allerdings sei die Festlegung anspruchsvoller Recyclingquoten auf Basis von nicht vergleichbaren Daten kritisch, erklärte der Experte. Die Berichte der Mitgliedstaaten sollen deshalb künftig durch unabhängige Dritte geprüft werden. Im Hinblick auf gefährliche Abfälle sollen Erzeuger, Sammler, Beförderer, Händler und Makler künftig einmal jährlich verpflichtend ihre Abfall-Register an die Behörden senden. Zudem ist der EU an der Einrichtung nationaler elektronischer Register gelegen, welche ggf. auch für nicht-gefährliche Abfälle geführt werden sollen. In puncto Lebensmittelabfälle peilt die Kommission als Wunschziel für 2025 eine Verringerung um 30 Prozent an. Um dieses Ziel zu unterstützen, werde derzeit ein neues Berichtswesen für Lebensmittelabfälle vorbereitet.

Markt für Bau- und Abbruchabfälle kommt in Fahrt

Mit der Kreislaufwirtschaftsinitiative rücken auch bislang eher wenig beachtete Faktoren in den Vordergrund. Bau und Nutzung von Gebäuden sind für die Hälfte der geförderten Werkstoffe und des Energieverbrauchs sowie für jeweils ein Drittel der erzeugten Abfälle und des Wasserverbrauchs in der EU verantwortlich. Die neue „Mitteilung zu nachhaltigen Gebäuden“ zielt daher auf eine effizientere Nutzung der Ressourcen bei Bau und Renovierung von gewerblich, öffentlich und privat genutzten Gebäuden.

Man wolle die Auswirkungen auf die Umwelt während des gesamten Lebenszyklus des Gebäudes reduzieren, erklärte Oberdörfer. Hierfür sollen zum einen Schlüssel-Indikatoren für Umweltwirkungen herangezogen werden, um Entscheidungen besser begründen zu können. Zum anderen ist geplant, den Anteil an Recyclingmaterialien beim Bau zu erhöhen. Als Schlüssel-Indikatoren für Umweltwirkungen seien z.B. die Eignung zum Recycling der Baustoffe und Bauprodukte oder der Wasser- und Energieverbrauch eines Gebäudes denkbar, so der Experte. Die letztendlichen Indikatoren würden aber gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und interessierten Kreisen bis 2016 von der EU erarbeitet. In jedem Fall sei durch die Mitteilung eine Stimulierung des Marktes für Bau- und Abbruchabfälle zu erwarten, betonte Oberdörfer. Das gesamte Maßnahmenpaket der EU wird nun durch die Kommission überprüft und zur Diskussion in den Rat und das Europäische Parlament übergehen.

Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius-Konferenz können zum Preis von 295,- EUR zzgl. MwSt. bei der Umweltakademie Fresenius c/o Die Akademie Fresenius GmbH, Stephanie Lagemann, Alter Hellweg 46, 44379 Dortmund, Tel.: +49 231 75896-77, Fax: +49 231 75896-53, E-Mail: slagemann@umweltakademie-fresenius.de, Internet: umweltakademie-fresenius.de bezogen werden.

Quelle: Umweltakademie Fresenius