Riskant: Mehrfachnutzung medizinischer Instrumente nimmt zu

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Einwegspritzen (Foto: ©Jörg Brinckheger /http://www.pixelio.de)

Wien — Wo der Sparstift regiert, wird nicht so schnell was weggeworfen. Das gilt auch für hochsterile Medizinprodukte in Krankenhäusern. Zwar sind die meisten hochsterilen Medizinprodukte als Einwegprodukte deklariert, doch in jüngster Zeit nimmt deren Mehrfachnutzung zu. Viele Krankenhäuser sind aus Spargründen dazu übergegangen, auch Einweggeräte und -materialien zu reinigen und mehrfach im OP zu verwenden.

In Deutschland etwa benutzen 70 Prozent der Kliniken recycelte bzw. gereinigte Geräte wie Katheter, Augenlasersonden oder Orthopädiebohrer, meldet das Fachmagazin MedReview. Das ist nur möglich, wenn die Instrumente ordnungsgemäß gereinigt, desinfiziert und sterilisiert werden. Für die Aufbereitung von Einweg-Produkten gibt es spezialisierte Firmen; doch noch fehlen einheitliche, für den gesamten EU-Raum gültige gesetzliche Regelungen. Hier geht es natürlich auch um Haftungsfragen, falls mit einem gereinigten und desinfizierten Gerät einmal etwas nicht stimmt.

Kein Recycling in Österreich

Österreichische Patienten hingegen sind besser dran: In dortigen Krankenhäusern werden als Einweg deklarierte Medizinprodukte (noch) nicht mehrmals aufbereitet und wiederverwendet. Eine Studie des Technologieministeriums hat allerdings errechnet, dass sich durch Mehrfachnutzung von Einwegprodukten in unseren Krankenhäusern bis zu 100 Millionen Euro jährlich einsparen ließen. In dieser Studie steht auch, dass viele der als Einweg deklarierten Medizinprodukte ohne Qualitätsverlust zwischen zwei und zwölf Mal aufbereitet werden können und durch das medizinische Recycling bis zu 80 Prozent der Abfälle eingespart werden könnten.

Infektionsgefahr droht

Doch es besteht ein Risiko: Die Gefahr von Infektionen mit multiresistenten Keimen ist bei einer Mehrfachverwendung nie ganz auszuschließen. Verschmutzte, weil nicht ausreichend sterilisierte Geräte könnten Infektionen wie Hepatitis, HIV oder BSE zur Folge haben. Und gerade dort, wo es im Zuge von Operationen besonders gern zu Infektionen mit Keimen kommt, werden laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts GfK aufbereitete Einmalprodukte am häufigsten eingesetzt: in der Urologie und der Gastroenterologie.

Der Patient freilich ist gänzlich auf die Gepflogenheiten der Klinik angewiesen. Und nicht einmal die Chirurgen selbst wissen immer darüber Bescheid, ob das Krankenhaus einmal verwendbares OP-Besteck, Beatmungsschläuche oder Katheter aus Kostengründen reinigen lässt oder nicht.

Quelle: UFH Holding GmbH