DK I-Deponien: Kürzere Restlaufzeiten als bislang angenommen

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Bauschuttdeponie (Foto: © Jochen Zellner, Lk Neustadt/Aisch-Bad Windsheim / abfallbild.de)

Hameln – Die letzten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zugrunde gelegt, bleiben zur Verfüllung der deutschen Deponien Restlaufzeiten zwischen 19 und 26 Jahren. Doch was für die Klassen 0, II und III gilt, trifft  auf die Deponieklasse I nicht zu. Denn wie Dr. Karl Biedermann vom BMUB vor wenigen Tagen auf der Deponietagung in Karlsruhe illustrierte, liegen hier die Termine einer endgültigen Verfüllung erheblich näher.

Unter Deponien der Klasse I –  oberirdische Deponien für nicht gefährliche Abfälle – fallen in erster Linie und zu einem hohen Anteil Bau- und Abbruchabfälle. Laut Statistischem Bundesamt nahm deren Zahl zwischen 2011 und 2012 von 166 auf 158 ab. Dadurch ergibt sich bei einer Ablagerungsmenge von 12,7 Millionen Tonnen pro Jahr und einem Restvolumen von 188 Millionen Tonnen per anno eine Restlaufzeit von 24 Jahren.

Diese Berechnung enthält jedoch auch die Daten der vier nordrhein-westfälischen Deponien, die ausschließlich zur Beseitigung der Verbrennungsrückstände von Braunkohlekraftwerken dienen. Mit einer Ablagerungsmenge von 5 bis 6 Millionen Tonnen jährlich reduzieren sie das bundesdeutsche Deponievolumen von 188 um 130 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Die resultierende Laufzeit der restlichen 154 Deponien verringert sich damit um ein Dutzend auf 11 bis 12 Jahre. Stellenweise wird die Zeit noch knapper: Im Nordosten von NRW, im Nordwesten von Niedersachsen und im baden-württembergischen Neckarbereich von Kapazitäten zwischen 3 und 5 Jahren.

Da bei Deponien mit einer Vorlaufzeit von acht bis zehn Jahren zu rechnen ist, bis sie genehmigt sind und in Betrieb gehen, herrscht nach Expertenmeinung hier Zugzwang. Andernfalls drohen höhere Ablagerungsgebühren oder längere Transportwege.

Für DK 0-Deponien – oberirdische Deponien für Inertabfälle – besteht zur Zeit noch kein akuter Handlungsbedarf. Auch wenn die Zahl dieser Lagerstätten von 2011 zu 2012 von 818 auf 794 gesunken ist, blieb die Ablagerungsmenge mit 14,4 Millionen Tonnen pro Jahr und einem Restvolumen von 167 Millionen Kubikmetern annähernd gleich. Aus diesen Zahlen errechnet sich  eine Restlaufzeit von 19 Jahren. Zwar liegen rund zwei Drittel der Lagerstätten in Bayern, Baden-Württemberg und NRW, was zu unterschiedlichen Verfügbarkeiten von Deponieflächen führt. Doch die betroffenen Bundesländer haben bislang noch keine Engpässe gemeldet. Angesichts einer Vorlaufzeit von acht bis zehn Jahren zur Einrichtung von Lagerstätten ist hier zumindest noch „Luft“.

Deponien sind unverzichtbares Element einer Ressourcen- und Rohstoff schonenden Kreislaufwirtschaft. Sie sind notwendig für die Beseitigung nicht brennbarer Abfälle aus Bau und Abbruch und von belasteten Böden, die nicht verwertet werden können. Für diesem Bereich ist die Gesetzgebung zuständig und ausschlaggebend, da sie über Richtlinien-Änderungen mittelbar die Mengen der deponierbaren Materialien bestimmt. In Deutschland ist – trotz fortgeschrittener Rahmenbedingungen – noch kein juristischer Stillstand in Sicht, und auch die EU Kommission arbeitet an einer Novelle der entsprechenden Richtlinie. Die laufenden Änderungen könnten massiven Einfluss auf die Deponierungspraxis haben.

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Quelle: Arbeitskreis Grundwasserschutz / Überwachungsgemeinschaft „Bauen für den Umweltschutz“