Ba-Wü-Bioabfallforum: Gemeinsam für Zukunft der Bioabfallverwertung erklärt

1350
Biomasse-Anlage (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

Stuttgart — Eine „Gemeinsame Erklärung zur Zukunft der Bioabfallverwertung“ haben gestern im Rahmen des 3. Bioabfallforums Baden-Württemberg Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller, der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, Professor Eberhard Trumpp sowie für den Städtetag der Bürgermeister der Stadt Pforzheim und Mitglied im Umweltausschuss des Städtetags, Alexander Uhlig, in Stuttgart unterzeichnet.

„Bioabfälle sind unabhängig vom Wetter und der Tageszeit immer verfügbar und daher ein idealer Energieträger, der möglichst optimal genutzt werden muss“, erklärte Minister Untersteller. Derzeit würden jedoch lediglich aus einem Drittel der im Land gesammelten Bioabfälle Strom und Wärme gewonnen und von über 900.000 Tonnen Grünabfällen im Jahr würden bisher nur 100.000 Tonnen zur Energieerzeugung verwertet, betonte Untersteller.

Sekundäre Rohstoffquellen effizienter nutzen

„In Zeiten von Klimawandel und knappen natürlichen Ressourcen müssen wir diese sogenannten sekundäre Rohstoffquellen künftig effizienter nutzen“, sagte der Umwelt- und Energieminister weiter. Über 220.000 Einwohner könnten so mit Strom und Wärme versorgt werden. Dass Bioabfälle neben der energetischen Verwertung zusätzlich als Kompost auch noch stofflich genutzt werden könnten, machten sie zu einer besonders wertvollen Ressource. „Gemeinsam mit den Landkreisen und den Städten im Land wollen wir daher Baden-Württemberg zur führenden Kompetenzregion für eine hochwertige Bio- und Grüngutverwertung ausbauen.“

Konstruktives, pragmatisches und praxisgerechtes Miteinander

„Der kommunalen Abfallwirtschaft in Baden-Württemberg ist es in beachtlicher Geschwindigkeit gelungen, komplett aus der Deponierung von Bio- und Grünabfällen auszusteigen und ihre Verwertung konsequent voranzutreiben“, erläuterte Professor Eberhard Trumpp, der Hauptgeschäftsführer des Landkreistags. „Den entsorgungspflichtigen Landkreisen und Stadtkreisen ist dabei der bemerkenswerte Spagat gelungen, zum Klima- und Ressourcenschutz beizutragen und gleichzeitig für die deutschlandweit niedrigsten Abfallgebühren zu sorgen“, hob er hervor. „Damit auch in Zukunft gute Fortschritte bei der Erfassung und Verwertung von Bio- und Grüngut erzielt werden können“, so Professor Trumpp weiter, „bedarf es eines weiterhin konstruktiven, pragmatischen und praxisgerechten Miteinanders von Land und Kommunen.“ Dafür stehe die Gemeinsame Erklärung, der man von Seiten des Landkreistags daher auch gerne beigetreten sei.

Bioabfälle ortsnah nutzen

Bürgermeister Alexander Uhlig betonte für den Städtetag: „Für die Städte bedeuten die Bio- und Grünguterfassung sowie deren Verwertung besondere Herausforderungen. Zur Umsetzung vor Ort sind differenzierte und flexible Lösungen mit regionalem Bezug notwendig. Wir setzen dabei auf das bewährte vertrauensvolle Miteinander von Land und Kommunen und sind überzeugt, dass wir gemeinsam praxisgerechte Lösungen finden werden. Mit der ‚Gemeinsamen Erklärung‘ sehen wir uns hier auf einem guten Weg“. Uhlig ergänzte: „Gerade für die Städte bieten sich bei der Verwertung Chancen, die Energie aus Bioabfällen ortsnah zu nutzen. Die Stadtkreise können auf diese Weise einen wichtigen Beitrag für einen effizienten Klima- und Ressourcenschutz leisten.“

Mit Erhöhung auf 60 Kilogramm gerechnet

Ab dem 1. Januar 2015 müssen häusliche Bioabfälle gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz grundsätzlich flächendeckend getrennt eingesammelt und hochwertig verwertet werden. Zurzeit sammeln in Baden-Württemberg 31 von insgesamt 44 Stadt- und Landkreisen die Bioabfälle getrennt ein.

Das Umweltministerium rechnet mit einer Erhöhung des durchschnittlichen Aufkommens an häuslichen Bioabfällen von aktuell 45 auf 60 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Allein dafür werden etwa 12 bis 18 zusätzliche Vergärungsanlagen zur energetischen Verwertung benötigt. Weitere Anlagenkapazitäten sind für die energetische und stoffliche Verwertung der Grünabfälle aus Gärten und der Landschaftspflege erforderlich. Hier geht das Ministerium von einer Zunahme von derzeit 85 Kilogramm auf 90 Kilogramm pro Einwohner und Jahr aus.

Der Endentwurf der Gemeinsamen Erklärung kann unter um.baden-wuerttemberg.de heruntergeladen werden.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg; Landkreistag Baden-Württemberg; Städtetag Baden-Württemberg