Neue Studie zu mineralischen Ersatzbaustoffen in Baden-Württemberg

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Recyclingbaustoffe (Foto: O. Kürth)

Karlsruhe — Wie sich die vom Bund geplante Ersatzbaustoffverordnung (EBV) möglicherweise auf die Verwertung von mineralischen Ersatzbaustoffen (MEB) auswirkt, das beschreibt eine neue Studie der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg. Das Interesse galt vor allem den Recyclingbaustoffen, also aufgearbeiteten Bau- und Abbruchabfällen. Die Studie trägt entsprechend den Titel: „Recyclingbaustoffe in Baden-Württemberg – Aktueller Stand und mögliche Auswirkungen der geplanten Ersatzbauverordnung.“ Grundlage für die Bewertungen der Studie ist die Entwurfsfassung der EBV vom 31.10.2012. Die LUBW hatte das Öko-Institut e.V. in Freiburg mit dieser Studie beauftragt.

Mineralische Ersatzbaustoffe ersetzen in hohem Maße Primärrohstoffe und schonen die vielerorts knappen ortsnahen Deponiekapazitäten. Diese Sekundärrohstoffe werden vor allem im Straßen- und Wegebau sowie im Erdbau eingesetzt. Im Jahr 2012 wurden von etwa 10 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfällen in Baden-Württemberg 87 Prozent in Recyclinganlagen verbracht, 8 Prozent einer sonstigen Verwertung zugeführt, beispielsweise im Deponiebau, und lediglich 5 Prozent auf Deponien beseitigt.

Auf der Grundlage der verfügbaren Analysedaten kommen die Autoren der Studie zu dem Ergebnis, dass keine wesentliche Beeinflussung der Verwertungssituation für Ersatzbaustoffe in Baden-Württemberg durch die geplante EBV zu erwarten ist. Insgesamt überwiegen etwas die Vorteile, wenn auch in geringem Umfang. Mit geringfügigen Verschiebungen zwischen den Materialklassen ist zu rechnen. Die potenzielle Belastung der Ersatzbaustoffe bestimmen ihre Wiederverwendbarkeit. Sulfat im Eluat und polyzyklische Kohlenwasserstoffe wären auch im Fall einer bundesweit einheitlichen EBV die entscheidenden Parameter, welche die Materialeinstufung am häufigsten bestimmen.

Die getroffenen Aussagen basieren auf einem Datensatz aus 227 Proben. Unterschiede bezüglich der Analyseverfahren und der untersuchten Schadstoffparameter reduzieren die für einzelne Vergleichsbetrachtungen verfügbare Probenzahl. Insbesondere bezüglich der beteiligten Recyclingunternehmen und dem Konzentrationsniveau des besonders relevanten Schadstoffparameters Sulfat sind die verfügbaren Proben für das Spektrum der Recyclingbaustoffe in Baden-Württemberg nicht repräsentativ. Hier wird es Nachuntersuchungen geben.

Die künftigen Vorgaben einer EBV berücksichtigen neben der Schadstoffkonzentration auch die naturräumliche Ausgangssituation am geplanten Einbauort, also beispielsweise die Bodenart, den Grundwasserstand im Vergleich zum geplanten Einbauhorizont oder ausgewiesene Schutzgebiete. Auch diese Vorgaben würden nur vereinzelt zu zusätzlichen Einbaueinschränkungen führen.

Die Studie „Recyclingbaustoffe in Baden-Württemberg – Aktueller Stand und mögliche Auswirkungen der geplanten Ersatzbauverordnung“ kann als PDF-Datei von der Webseite der LUBW heruntergeladen werden.

Hintergrund:
Mit der geplanten Einführung einer EBV würde eine Bundesverordnung das bisher gültige landesspezifische Regelwerk ablösen. Da sich die Konzeption und die Analysenmethoden der bisher gültigen Regelwerke von denen der EBV systematisch unterscheiden, ist nicht direkt ableitbar, wie sich die Rahmenbedingungen für die Verwertung mineralischer Ersatzbaustoffe in der Praxis verändern werden. Dazu lagen bisher im Wesentlichen nur Daten aus einzelnen Untersuchungskampagnen der LUBW vor. Die neue Studie der LUBW gibt der Verwaltung und den Recyclingunternehmen einen Überblick über die voraussichtlichen Auswirkungen einer bundeseinheitlichen EBV.

Quelle: LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg