Zinkrecycling aus Baumaterialien: Ressourcen- und Klimaschutz in der EU

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Neu- und Altschrotte aus Zink werden in Sekundärschmelzwerken recycelt (Foto: Initiative Zink)

Düsseldorf — Ressourcen- und Klimaschutz sind globale Themen. Und doch gelten für die Regionen der Welt und damit auch für Europa unterschiedliche Rahmenbedingungen. Viele Rohstoffe, die in Europa verarbeitet und genutzt werden, werden aus Ländern außerhalb der EU importiert. Längst hat die EU solche Rohstoffe identifiziert, die als „(versorgungs-)kritisch“ gelten. Zink zählt nicht dazu.

Tatsächlich reichen die heute bekannten Zinkvorkommen in der Welt noch viele Jahrzehnte, Zinklagerstätten gibt es in vielen Ländern rund um den Globus. Dennoch gibt es gute Gründe dafür, Zink zu recyceln – vor allem die Schonung von Ressourcen und Klima. Für die Haupteinsatzbereiche des Werkstoffs – der Korrosionsschutz von Stahl sowie der Einsatz als Baumetall, Gussteil oder Legierungselement von Messing – sind Recyclingkreisläufe in Europa längst selbstverständlich. Das gilt auch und insbesondere für den Einsatz im Bauwesen.

Die Europäische Kommission hat sich für die kommenden Jahrzehnte ehrgeizige Ziele gesteckt, die alle dazu dienen, Europa ressourceneffizienter und damit nachhaltiger und weniger abhängig von Importen zu machen. Leitlinien mit Bezug zu Rohstoffen sind dabei die Haltbarkeit von Produkten sowie das Recycling oder auch die Recyclingfähigkeit. Für Abfälle aus dem Baubereich ist vorgesehen, dass 70 Prozent der Baumaterialien bereits 2020 recycelt oder wiederverwendet werden müssen.

Unterstützend gibt es bis dahin Vorschriften, Baumaterialien recyclingfähiger zu machen und bei den verwendeten Materialien auf eine hohe Recyclingfähigkeit sowie auf einen hohen Anteil bereits recycelten Materials zu achten. „Strengere Vorgaben für das Recycling von Bauzink brauchen wir nicht. Schon wegen des hohen Altmetallwerts wurde Zinkblech seit Beginn seiner Nutzung recycelt und nicht ‚entsorgt‘“, erklärt Bodo Schauries, Geschäftsführer der Metallwerk Dinslaken GmbH & Co. KG.

Ressourcen- und Klimaschutz durch Zinkrecycling

Jede Tonne Zink, die in Europa recycelt wird, muss nicht anderswo als Erz abgebaut und aufbereitet werden, Konzentrate müssen nicht transportiert werden und oft entfällt beim Recycling die elektrolytische Gewinnung des Zinks. Ganz offensichtlich spart Zinkrecycling also den Abbau des Rohstoffs Zinkerz sowie Energie für den Transport und die Metallgewinnung.

Für das Recycling von Zink aus metallischen Zinkschrotten werden nur etwa 5 Prozent der Energie aufgewendet, die für die Gewinnung von Zink aus Erzen erforderlich ist. Diese positive Kenngröße geht mit einem entsprechend geringeren CO2-Anfall einher. Eine Schlussfolgerung, dass es möglich sei, Zink ausschließlich aus Recyclingmaterialien zu gewinnen, wäre jedoch zu kurz gedacht. Denn die lange Lebensdauer von Zinkanwendungen im Baubereich resultiert in zu geringen Schrottmengen, die für ein Recycling zur Verfügung stehen. Generell gilt aber: Jede Tonne recyceltes Zink schont das Klima und spart Ressourcen.

Steigende Verwertungsraten (End-of-Life-Recyclingraten) für Zink nach Regionen (Quelle: IZA)
Steigende Verwertungsraten (End-of-Life-Recyclingraten) für Zink nach Regionen (Quelle: IZA)

Bedeutung von Recyclingraten

Recyclingraten sind die Kennzahlen, an denen der Recyclingumfang eines Werkstoffs gemessen wird. Eine hohe Recyclingrate gilt grundsätzlich als gut. Aber der Teufel steckt auch hier im Detail. Das Umweltgremium der Vereinten Nationen, das United Nations Environmental Panel (UNEP), gibt in seinem Bericht „Recycling Rates of Metals – a Status Report“ einen systematischen Überblick über gebräuchliche Definitionen für Recyclingraten, die alle sinnvoll, in ihrer Aussage jedoch sehr unterschiedlich sind. Die gebräuchlichsten – der Recyclatanteil und die Verwertungs- oder auch End-of-Life-Recyclingrate – haben für Zink ebenso wie für die anderen Materialien, die im Bausektor verwendet werden, eine große Bedeutung: Der Recyclatanteil weist den Anteil an recyceltem Material im Ausgangsprodukt aus. Mit der End-of-Life-Recyclingrate bezeichnet man den Anteil des Produkts, der nach dem Ende der Lebensdauer in den allgemeinen Wertstoffkreislauf zurückgeführt wird.

Eine geringe End-of-Life-Recyclingrate wäre ein Indiz dafür, dass das entsprechende Material nur zu einem geringen Anteil wiedergewonnen wird und offenbar viel verlorengeht. Ein geringer Recyclatanteil hingegen sagt aus, dass mehr Material benötigt wird, als an Recyclingmaterial zur Verfügung steht. Eine Aussage über Erfolg oder Misserfolg des Recyclings ist anhand des Recyclatanteils nicht möglich. Ein Recyclatanteil von 15 bis 25 Prozent an der weltweiten Zinkerzeugung erlaubt also die Schlussfolgerung, dass Zinkrecycling die Primärzinkgewinnung sinnvoll ergänzt, sie jedoch nicht vollständig ersetzen kann.

Und wie steht es um den Erfolg des Recyclings in Europa? Weltweit beträgt die End-of-Life-Recyclingrate heute etwa 50 Prozent. In Europa hingegen werden über 60 Prozent des für ein Recycling verfügbaren Zinks auch tatsächlich recycelt – Tendenz steigend. Bei einzelnen Zinkanwendungen liegen die End-of-Life-Recyclingraten deutlich höher: Für Zinkblech aus dem Baubereich beispielsweise geht man wegen des hohen Altmetallwerts und der geringen Verluste von über 95 Prozent aus.

End-of-Life-Recyclingrate entscheidende Kenngröße

Heute ist es selbstverständlich, dass für Bauprodukte ein Nachweis der Nachhaltigkeit geführt wird. Die EN 15804 ist die europäische Norm zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Bauprodukten mithilfe von Umweltproduktdeklarationen. Das Recycling von Baumetallen wird in dieser Norm über die End-of-Life-Recyclingrate berücksichtigt. Zink kann auf diese Weise sowohl durch seine lange Lebensdauer als auch durch seine hohe End-of-Life-Recyclingrate als nachhaltiger Werkstoff überzeugen. „Kämen andere Recyclingraten zur Anwendung wie etwa der Recyclatanteil, würde Zink in seinem Einsatz als Baumetall weitaus schlechter bewertet. Kurzlebigere Werkstoffe würden klar bevorzugt, obgleich eine lange Lebensdauer ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit ist“, erläutert Dr. Marianne Schönnenbeck, Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung/Umwelt bei der RHEINZINK GmbH & Co. KG.

Quelle: INITIATIVE ZINK in der WirtschaftsVereinigung Metalle