Oliver Scholz: Drastische Steigerung der Recyclingquoten notwendig

2010
Oliver Scholz (Foto: Scholz Holding GmbH)

Reinbreitbach — „Stahlrecycling in 2014 steht vor ganz neuen Herausforderungen. Neue rechtliche Rahmenbedingungen und innovatives Produktdesign zwingen uns, die Recyclingprozesse laufend technisch anzupassen,“ sagte Oliver Scholz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Scholz Holding GmbH, beim MBI-Stahl-Tag in Frankfurt.

Die EU-Kommission habe jüngst im sogenannten Kreislaufwirtschaftspaket gefordert, in der EU Recyclingquoten zu erhöhen und Deponierungsverbote einzuführen. Die Scholz Gruppe, so Oliver Scholz, realisiert seit vielen Jahren hochwertige Verwertung bei Altfahrzeugen und Elektronikschrott und hat allein an den europäischen Standorten 3-stellige Millionenbeträge investiert, um Umweltstandards in der Entsorgungsbranche anzuheben. An vielen europäischen Standorten würde man jedoch die Erfahrung machen, dass Recycling nicht ernsthaft betrieben werden wolle. „Umsetzung von Umweltrecht und Vollzug der Regelungen sind nicht im Gleichklang. Die Erfahrung zeigt, dass sich überall dort, wo Deponierung zum Nulltarif zu haben ist, wie beispielsweise in manchen neuen Mitgliedstaaten, Recycling von Kunststoffen oder Verbundmaterialien nicht rechnet.“ Deshalb würde die Scholz Gruppe europaweite Deponierungsverbote für verwertbare Abfälle -wo immer wirtschaftlich und politisch möglich- unterstützen. Erst dann gibt es genug Anreize, auch schwertrennbare Abfallgemische wirtschaftlich verwerten zu können. Um jedoch die Ressourcenproduktivität insgesamt zu steigern, müssten weitergehende Maßnahmen ergriffen und die Forschungsanstrengungen massiv gesteigert werden.

Die steigende Komplexität der Produkte stellt die Recyclingbranche vor ständig neue Herausforderungen (Quelle: Reuter/angepasst nach Achzet und Reller, 2011).
Die steigende Komplexität der Produkte stellt die Recyclingbranche vor ständig neue
Herausforderungen (Quelle: Reuter/angepasst nach Achzet und Reller, 2011).

Die Komplexität vieler Konsumerprodukte hat immer mehr zugenommen, dies gilt nicht nur für Elektrogeräte, Autos und Verpackungen. Die Ansprüche an Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz spielen beim Produktdesign eines Autos eine größere Rolle als seine Verwertbarkeit. War ein PKW noch in den 90er Jahren zu über 75 % aus Stahl, besteht ein Auto heute zu immer größeren Anteilen aus Aluminium, einer Vielfalt schwer trennbarer Kunststoffe und Verbundmaterialien, hoch festen Stählen und komplexen Metall-Legierungen. Diese mit herkömmlichen Recyclingverfahren zu trennen, stellt die Recyclingunternehmen vor große Herausforderungen. Zum einen müssen ab 2015 über 95 % eines Autos verwertet werden und zum anderen müssen Absatzmärkte für zurück gewonnene Recyclingverbunde und -kunststoffe entwickelt werden. „Die Erforschung neuer Verfahren kann deshalb nur gelingen, wenn wir intensiv mit der Automobilindustrie zusammenarbeiten“, so Scholz weiter. „Das Produktdesign muss zukünftig sowohl die Wiederverwendung als auch die potenzielle Verwertung im Blick behalten, nur dann kann ernsthaft Ressourceneffizienz vorangetrieben werden“, sagte Oliver Scholz. Dies müsse im Rahmen der erweiterten Produktverantwortung gefordert werden. Zudem müsse es gelingen, Sammel-und Verwertungsquoten bei Elektro-und Elektronikschrott deutlich zu steigern. Bis heute geht noch immer ein Großteil der Rohstoffe aufgrund von illegalen Exporten und Entsorgung über den Hausmüll verloren. Die Scholz Gruppe würde deshalb dafür plädieren, nun zügig das novellierte Elektro-Gesetz zu verabschieden und die Quoten anzuheben.

Quelle: Kummer:Umweltkommunikation GmbH