Abfallvergärungstag: Hohe administrative Hürden bremsen das Anlagengeschäft

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Quelle: Fachverband Biogas e.V.

Freising — Auf Einladung des Fachverbandes Biogas traf sich gestern die Abfallvergärungsbranche in Freising. Über 90 Teilnehmer aus vier Ländern informierten und tauschten sich im Kreise anerkannter Experten und langjähriger Betreiber von Bioabfallanlagen aus.

Der Stand der Dinge: Nachdem im EEG 2014 der Bonus für den Einsatz von Energiepflanzen komplett gestrichen wurde, sind Abfallvergärungsanlagen neben Güllekleinanlagen die einzigen Optionen, bei denen sich ein Neubau aus ökonomischen Gesichtspunkten momentan noch lohnt. Die Vergütung für Biogasanlagen mit Einsatz kommunaler Abfälle (Biotonne, Garten- und Parkabfälle sowie Marktabfälle) liegt aktuell bei maximal 15,26 Cent je Kilowattstunde.

Zuwachs an Inputstoffen erwartet

„Der Neubau von Anlagen zur Vergärung landwirtschaftlicher Reststoffe und kommunaler Abfälle kann sich auch im EEG 2014 finanziell lohnen“, betonte David Wilken, Leiter des Referats Abfall, Düngung und Hygiene im Fachverband Biogas e.V. Ein Großteil der möglichen Einsatzstoffe werde zwar schon in Biogasanlagen vergoren und das zur Verfügung stehende Potenzial sei begrenzt – aber durch die ab dem 1.1.2015 geltende Pflicht zur Getrennterfassung kommunaler Abfälle erwartet Wilken einen gewissen Zuwachs an Inputstoffen für Abfallvergärungsanlagen.

Mit der Förderung und dem Ausbau dieser Wertschöpfungskette beschäftigt sich das EU- Projekt FABbiogas, einer der Kooperationspartner des Abfallvergärungstages. Ziel des von April 2013 bis September 2015 laufenden Projektes ist die „Förderung der Verwendung von Rückständen aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie (FAB Industrie) als eine neue und erneuerbare Energiequelle für die Biogasproduktion“. Hierfür werden Biogas-Projekte in Österreich, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Italien und Polen unterstützt und ungenutzte Potenziale identifiziert.

Anlagebezogener Gewässerschutz mit Hürden

Was gut klingt, scheitert leider häufig an administrativen Hürden. Über die Tücken des anlagebezogenen Gewässerschutzes referierte Gepa Porsche vom Fachverband Biogas. Durch die breite Palette an Einsatzstoffen, die in jeweils unterschiedlichen Wassergefährdungsklassen kategorisiert werden, sind die Anforderungen an bauliche Maßnahmen wie etwa Doppelwandigkeit der Fermenter oder Umwallung der Anlage bei Abfallvergärungsanlagen in der Regel sehr hoch und kostenintensiv. Auch Anlagen, die seit Jahren störungsfrei laufen, müssen – nach einer Übergangsfrist – die neuen Anforderungen erfüllen und ihre Anlagen für viel Geld nachrüsten.

David Wilken zog zum diesjährigen Abfallvergärungstag das Fazit: „Die Verwendung biogener Reststoffe und Abfälle jeglicher Art in Biogasanlagen ist absolut sinnvoll, da diese so energetisch genutzt werden – und ohne entsprechende Behandlung unkontrolliert Methan in die Atmosphäre emittieren würden. Zudem entsteht am Ende der Verwertungskette ein hochwertiger Dünger, der nutzbringend in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann. So wird der Kreislauf vom Abfall zum Produkt geschlossen.“

Quelle: Fachverband Biogas e