IPR im Gespräch: Öff. Beschaffungsstelle engagiert sich für Recyclingpapier

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Sabine Poell, KNB (Foto: Initiative Pro Recyclingpapier)

Berlin — „Recyclingpapier trägt in doppelter Weise zum Klimaschutz bei: Zum einen entstehen ca. 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen durch die Waldvernichtung und deren Folgen. Für die Produktion von Recyclingpapier wird kein Holz verwendet, sondern ausschließlich Altpapier eingesetzt. Zum anderen verbraucht die Produktion nur halb so viel Energie und weniger als ein Drittel Wasser im Vergleich zu Frischfaserpapier“, meint Sabine Poell, Leiterin der Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung (KNB) beim Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern. Gründe und Motive für dieses Engagement erläuterten de  Sabine Poell im Rahmen der Reihe “Die IPR im Gespräch”.

Warum unterstützt die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung die Kampagne „Grüner beschaffen“?

Die Bundesregierung hat mit ihrem Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit aus dem Jahr 2010 verdeutlicht, dass das Leitprinzip einer nachhaltigen Entwicklung auch für das Verwaltungshandeln gilt. Zur Stärkung der nachhaltigen öffentlichen Beschaf- fung wurde die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung (KNB) eingerichtet. Indem wir die Kampagne unterstützen, können wir den Kontakt zu öffentlichen Einrichtungen ausbauen, um Nachhaltigkeit gemeinsam voranzubringen.

Warum ist Ihnen die Nutzung von Recyclingpapier ein wichtiges Anliegen?

Obwohl das geltende Vergaberecht die Beschaffung von Recyclingpapier durch die öffentliche Hand explizit zulässt, beschaffen viele Verwaltungen immer noch Primärfaserpapiere. Ein Drittel der verbrauchten Papiermenge entspricht nicht den Kriterien des Blauen Engels und damit nicht den Handlungsempfehlungen des Umweltbundesamtes. Recyclingpapier trägt in doppelter Weise zum Klimaschutz bei: Zum einen entstehen ca. 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen durch die Waldvernichtung und deren Folgen. Für die Produktion von Recyclingpapier wird kein Holz verwendet, sondern ausschließlich Altpapier eingesetzt. Zum anderen verbraucht die Produktion nur halb so viel Energie und weniger als ein Drittel Wasser im Vergleich zu Frischfaserpapier. Recyclingpapier ist also bezüglich Ressourcenverbrauch, Chemikalieneintrag und CO2-Emission wesentlich günstiger als Primärfaserpapier.

Wie ist das Thema Ressourcenschutz in der Beschaffung für Bundesbehörden verankert?

Die Vergabestellen können Energieeffizienz und Ressourcenschutz in ihre Vergabeverfahren einbringen, indem sie die Produktionsbedingungen definieren. Nach dem Vergaberecht ist unter anderem zulässig, „umweltfreundliche und insbesondere energieeffizienzbezogene Ausführungsbedingungen“ für den zukünftigen Auftragnehmer vorzugeben. Auch nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung energieeffizienter Produkte und Dienstleistungen sollte auf Wirtschaftlichkeit und Lebenszyklus geachtet werden. Ebenso bezieht auch die Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge Energieeffizienz und Ressourcenschutz in den Beschaffungsvorgang ein. Selbst wenn also die Vorschriften die Einarbeitung von nachhaltigen Kriterien nicht explizit fordern, sie erlauben sie zumindest und öffnen so umweltbewussten Beschaffern und Behörden einen guten Spielraum. Bei dessen Nutzung steht ihnen die KNB unterstützend zur Seite.

Welches Ziel haben Sie sich für mehr Ressourceneffizienz gesetzt?

Die öffentliche Hand hat eine Vorbildfunktion und kann die nachhaltige Entwicklung entscheidend beeinflussen. Im Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit wurde daher beschlossen: Die CO2-Emissionen der Bundesregierung einschließlich des Geschäftsbereichs werden bis 2020 gegenüber 1990 halbiert. Zudem wird die öffentliche Beschaffung u.a. durch anspruchsvolle Vorgaben für einzelne Produktbereiche gestärkt. Diese Ziele unterstützen wir durch entsprechende Beratung und Schulung. Gemeinsam mit der Allianz für nachhaltige Beschaffung haben wir Leitfäden für die „Beschaffung von Elektromobilität“ und „Ressourceneffiziente Beschaffung“ erarbeitet. Weitere Informationen zur Beschaffung von „Green-IT“ sind in Arbeit.

Quelle: Initiative Pro Recyclingpapier c/o Nissen Consulting GmbH & Co KG